Die Finanzkrise verändert das Konsumverhalten
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 29. Juni 2009, 17:00 Uhr
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entsprechen des schwül warmen Sommerwetters zeigten sich auch die Märkte in der vergangenen Woche träge. Ohne größere Schwankungen verloren SDAX und DAX etwas mehr als ein Prozent und können sich nach wie nicht für eine Richtung entscheiden.
Das große Bild hat sich in den letzten Wochen kaum verändert. Nach wie vor können sich die großen Anleger auf keine Vorgehensweise einigen. Die institutionellen Anleger sind seit Wochen Gefangene ihrer Emotionen. Die eine Hälfte bangt um die in diesem Jahr bereits verdiente Rendite, die sie nach dem schwachen letzten Jahr unbedingt ihren Kunden zeigen" muss. Die andere Hälfte steht nach wie vor an der Außenlinie der Märkte, oder ist mindestens unterinvestiert, und hofft auf bessere Einstiegskurse. Trotz der Kursstabilisierung der letzten Tage signalisiert mein Risiko-Konzept, welches ich für meine privaten und institutionellen Kunden verwende, weiterhin eine Phase der Unsicherheit und offenbart Kapital-Abflüsse aus den wichtigsten Industriesektoren. Daher empfehle ich nach wie vor noch eine eher defensive Vorgehensweise in den Märkten einzuschlagen und die Absicherung nicht zu vergessen.
In den USA steigt die Sparquote
Auch vergangene Woche gab es wieder einige positive konjunkturelle Meldungen, die per Saldo die unter den Analysten favorisierte Sichtweise stützen, dass die Abwärtsdynamik abnimmt und wir uns im Stadium einer wirtschaftlichen Bodenbildung befinden. Da dieses Szenario aber offenbar innerhalb der Banken und auch in der Mainstream-Presse" Konsens ist, lohnt es sich meiner Meinung nach, auch andere Konstellationen gedanklich durch zu spielen. Diesbezüglich wurden nämlich vor einigen Tagen in den USA Daten veröffentlicht, die belegen, dass die Amerikaner kontinuierlich ihre Sparquoten erhöhen. Dies würde den Bruch mit einer liebgewordenen Tradition bedeuten. Shoppen, konsumieren, wenig Vorsorge fürs Alter treffen und in die bessere Zukunft vertrauen nach dem Motto: Alles wird gut!
Eigentlich denke ich ja, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und seine lieb gewonnenen Verhaltensmuster nicht sehr schnell über Bord wirft. Der Trend zu höherer Sparquote ist aber deutlich und nur konsequent. Einerseits ist er natürlich durch die Banken forciert, die den Druck auf ihre säumigen Kreditkunden erhöhen. Andererseits haben die Banken, bedingt durch Eigenkapitalquote und strengere Kreditrichtlinien, in den vergangenen Monaten die Kreditexpansion stark verringert und sehen sich im Zweifelsfall einen Kreditantrag auch schon mal genauer an. Dies ist eine ganz normale und gewünschte Entwicklung, die zu der Entschuldung der Verbraucher einen wichtigen Beitrag leistet. Daher ist mir auch völlig unverständlich, warum manche Kommentatoren Lösungen des Verschuldungsproblems fordern, aber die Normalisierung der bisher negativen US-Sparquote bekritteln. Hinter der höheren Sparquote steckt natürlich auch ein Vertrauensproblem, viele Bürger realisieren, dass Sie ihre Lebenswünsche nicht mehr realisieren können und beginnen zu sparen. Ebenfalls könnten die Jahrgänge der Babyboomer" ,die nun allmählich in das sechste Lebensjahrzehnt treten, das Problem verschärfen. Falls diese Generation wirklich ihr Vertrauen in die Gesellschaft verlieren sollte, könnte der US-Konsumsektor ein strukturelles Problem bekommen - ähnlich wie der deutsche!
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