Die Fed im Fokus
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 12. Dezember 2005 18:00 Uhr
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In dieser Woche werden die Weichen für den weiteren Fortgang bzw. Untergang der aktuellen Rally gestellt. Morgen trifft sich die Fed, um mal wieder über den amerikanischen Leitzins zu entscheiden. Am Freitag folgt dann der dreifache Hexensabbat. Es kann also eine höchst turbulente Woche werden. Wichtigster Punkt auf der Tagesordnung dieser Woche ist die Fed-Sitzung. Erste Analysten rechnen damit, dass die Fed von ihrem Passus, die Zinsen weiter moderat steigen zu lassen, abrückt. Das wäre das erste Mal bei den letzten zwölf Zinsschritten seit Mai 2004, dass dieser Passus fehlt.
Sollte der Passus verändert werden und somit die Fed signalisieren, dass der Zinserhöhungszyklus ein zumindest vorläufiges Ende findet, dann gibt es grünes Licht für die "Weichnachtsrally", andernfalls wird es hart werden.
Was ist eigentlich die Fed?
Die US-Notenbank ("Federal Reserve") ist die Zentralbank der Vereinigten Staaten von Amerika. Gegründet wurde sie 1913. Sie soll die "Sicherheit, Flexibilität und Stabilität des amerikanischen Finanz- und Währungssystem" gewährleisten. Dass nur 16 Jahre nach der Gründung im Jahre 1929 einer der größten Börsencrashs aller Zeiten folgte, welcher die US-Wirtschaft über Nacht aus der Bahn geworfen hat – nun gut – lassen wir das einmal dahingestellt.
Weitere Aufgabe der Fed ist, die Bankinstitute zu überwachen, sie ist aber auch für den Verbraucherschutz im Kapitalmarkt (Kreditwesen) verantwortlich.
Wichtigster Punkt ist die Unabhängigkeit der Fed von der Regierung, die durch innere Struktur der Fed gewährleistet werden soll. So setzt sich die Fed aus drei Organen zusammen, dem Board of Governors, den regionalen Fedbanken und dem sogenannten Offenmarktausschuss, dem Federal Open Market Committee (FOMC).
Das Board of Governors
Das Board of Governors besteht aus sieben Mitgliedern, die vom jeweiligen Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt werden und vom Senat bestätigt werden müssen. Die Governors werden auf 14 Jahre ernannt, eine zweite Amtszeit ist nicht möglich.
Der Vorsitzende der Govenors, zurzeit Alan Greenspan, wird für vier Jahre ernannt. Wie wir wissen, kann der Fedvorsitzende viele Amtsperioden hintereinander erneut in seinem Amt bestätigt werden und dort ein doch vergleichsweise hohes Alter erreichen. Alan Greenspan ist seit 1987 im Amt, er startete damit seine Amtszeit wenige Monate vor dem 1987er Crash – nun gut, lassen wir das einmal dahingestellt.
Der Offenmarktausschuss (FOMC)
Der FOMC bestimmt (nach außen) alleine über die Zinspolitik der Fed, das heißt über den Fed Fund. Das ist die Zinsrate, die für das "über Nacht geliehene Geld verlangt wird". Daneben gibt der FOMC auch die zukünftige Tendenz bekannt, ob die Zinsen eher weiter steigen, stagnieren oder sinken (das ist, wie oben schon erwähnt, der Grund, warum die Fed Sitzung morgen mit so großer Aufmerksamkeit erwartet wird). Der FOMC trifft sich achtmal pro Jahr, um über die aktuellen Zinsen zu entscheiden. An den Börsen werden diese Sitzungen mit hohem Interesser verfolg. Daneben kann der FOMC auch zu jeder Zeit zwischen diesen Sitzungen eine Zinsveränderung vornehmen. Ein Ereignis, das durchaus öfters vorkommt.
Die zwölf Regionalbanken
Die zwölf Regionalbanken (Fed Districts) werden jeweils von einem Präsidenten geführt. Dieser wird für fünf Jahre vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominiert. Auch hier darf ein Präsident in seinem Amt alt und älter werden, also wiederholt nominiert werden. Der Präsident der New Yorker Regionalbank ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des FOMC. Im Moment ist das Roger Ferguson, der seit 1999 im Amt ist, also kurz vor dem 2000er Crash – nun gut, lassen wir das einmal dahingestellt. Weitere vier Präsidenten wechseln sich bei der FOMC Sitzung als Teilnehmer jeweils ab.
Relative Unabhängigkeit
Die relative Unabhängigkeit von der Regierung wird dadurch gewährleistet, dass die Mitglieder des Board of Governors auf 14 Jahre ernannte werden. Die FOMC setzt sich wiederum aus zwölf Mitgliedern zusammen, sieben aus dem Board of Governors und fünf Präsidenten der Regionalbanken. Das bedeutet, die Govenors sind in der Mehrheit und aufgrund ihrer festen Amtszeit und der nicht möglichen Widerwahl vergleichsweise unabhängig.
Unterschied zu EZB
Während sich die EZB eigentlich nur um die Inflationsrate kümmern soll, also sich um die Preisstabilität und die Geldmenge kümmert, soll die Fed darüber hinaus auch das Wirtschaftswachstum fördern.