Die Fastenzeit kommt…
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Februar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Am gestrigen Rosenmontag waren ja - wie jedes Jahr - Millionen Narren zum Höhepunkt des Karnevals am Rhein auf den Straßen. An den Aktienmärkten scheinen schon seit geraumer Zeit die Narren - angefeuert mit billigstem Zentralbankgeld - unterwegs zu sein.
2000 Punkte über dem 2011er-Tief
Zum gestrigen Wochenstart schafften es jedenfalls die Bullen, den deutschen Leitindex auf ein neues Jahreshoch bei 6956 zu hieven. Nur am Rande erwähnt sei, dass dieses Niveau exakt 2000 Zähler oberhalb des Jahrestiefs aus dem vergangenen Jahr liegt. Damit ist aber wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Für den heutigen Faschingsdienstag steht sowohl dies- wie auch jenseits des Atlantiks das Erreichen runder Marken an. Beim deutschen Leitbarometer die 7000, beim Dow Jones Industrials Average die 13000.
EZB im Focus
Ob allerdings schon am Aschermittwoch des Jahres 2012 auch die Fastenzeit für die Bullen beginnen wird, ist zu bezweifeln. Denn alle Argusaugen richten sich in diesen Tagen ja auf den neuen 3-Jahres-Tender der EZB. Am 29.2. soll es so weit sein. Die europäischen Banken dürfen sich unbegrenzt Geld zum historisch tiefen Leitzins von einem Prozent bei der EZB leihen. Es bleibt also spannend, wie hoch jetzt im Februar 2012 die Nachfrage ausfallen wird. Ende Dezember, beim ersten Drei-Jahres-Tender, lag die Nachfrage bei 489 Milliarden Euro. Gegenwärtig kursieren Vermutungen, dass beim zweiten Tender nun die Nachfrage gar die Billionen-Euro-Marke überschreiten könnte.
Quantitative Easing - auf europäische Art
Ja, die Flutung mit billigstem Geld geht in eine neue Runde über. In einem äußerst lesenswerten Interview mit Professor Hans-Werner Sinn vom Münchner Ifo-Institut in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18.2. diesen Jahres wurde der Ökonom gefragt, ob es Staatsfinanzierung sei, wenn die EZB den Banken für drei Jahre billiges Geld gebe, damit diese dann Staatsanleihen kaufen könnten. Herr Sinn antwortete kurz und knapp mit einem Ja". Zwar sei dieser Weg nicht verboten, aber damit werde das Verbot der direkten Staatsfinanzierung umgangen.
Herr Sinn spricht Klartext
Sehr interessant auch, dass Prof. Sinn zufolge die heutige EZB mit dem Stabilitätsideal der Bundesbank eher wenig zu tun hat. Zwar sollte die EZB nach dem Muster der Bundesbank konstruiert werden. Leider habe sich dies nicht bewahrheitet. Die Bundesbank sei aktuell bei den Entscheidungen zu den Staatsanleihekäufen und hinsichtlich der Qualität der Sicherheiten für Refinanzierungskredite in die Minderheitenposition gedrängt. Der EZB-Rat sei zu 70 Prozent in der Hand des Club Med und Frankreichs. Die anderen hätten nichts zu melden.
Ja, das Jahr 2012 ist nicht nur das Jahr des Drachen, sondern auch das Jahr des Draghi.
Aber selbst der Helikopter Mario" wird es nur schwerlich verhindern können, dass es auch an den Aktienmärkten zur Fastenzeit kommen wird.
Allerspätestens dann, wenn es nicht nur beim Säbelrasseln rund um den Iran bleiben sollte...
Zum zweiten Teil von: Das Problem mit der zeitgenössischen Bildungähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Livia (21.02. 2012 10:30 Uhr):
Schon in der seligen DDR galt der Grundsatz: Gesetze und Verordnungen sind dazu da um so gut wie möglich umgangen zu werden! Der real existierende Sozialismus schlägt inzwischen überall zu - und wie weit er es gebracht hat, wissen wir!!!
Antworten - Kommentar von Hans (21.02. 2012 14:30 Uhr):
Ist immer interessant zu lesen, dass Banken für ein oder weniger als ein Prozent sich Geld leihen dürfen, ihren Dispo-Zins mit 1.200 %, oder den Überziehungszind mit bis zu 1.800 % Gewinn einstreichen. Dispo bzw. Überziehungen sich einfach ergeben, weil Arbeitgeber nicht bereit sind, oder nicht können, pünktlich die Lohnzahlung auf des Arbeitnehmers Gehaltskonto zu überweisen. Und der Staat verdient mit um es nach XY als Hilfspaket zu verschenken.
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