Die Evolution eines Investors
Investoren Wissen
vom 30. Januar 2007 16:00 Uhr
ENL5462
Lieber Leser,
Ein Freund spielte mir diesen Artikel zu, in dem Richard Gibbons über seine Entwicklung zu einem guten Investor berichtet - ich fand dies sehr interessant:
„Als ich 15 Jahre alt war, war ich davon überzeugt, dass ich mindestens so schlau wie die meisten Erwachsenen sei. Ich war auch davon überzeugt alles wirklich Wichtige über die Welt zu wissen. Daraus ergab sich natürlich, dass es sich nicht vermeiden ließ, im Aktienmarkt großen Reichtum für mich anzuhäufen. Schließlich bat ich meine Eltern ein Investmentkonto bei einem Broker für mich einzurichten, worauf ich $ 800 von meinen Ersparnissen einzahlte.
Fisch
Übereifrig traf ich mich mit meinem Broker, um einen Pennystock zu kaufen. Weil diese Aktie in den letzten Tagen zwischen zwei Preisniveaus herumgesprungen war, war ich davon überzeugt, dass sie es weiterhin tun werde. Ich würde den Niedrigpreis kaufen und zum Höchstpreis verkaufen und in der Karibik in Rente gehen, sobald ich die Schule abgeschlossen hätte. Es war nicht wichtig, was diese Firma eigentlich tat (Ich hatte sowieso keine Ahnung). Alles, was zählte, war das Fluktuieren der Aktie. Mit 15 war ich ein Meister der technischen Analyse.
Sie können sich meine Überraschung vorstellen, als mein Broker meinte, meine Strategie könnte nicht perfekt sein. Verschwörerisch flüsterte er mir zu, dass ein anderes Unternehmen, ein Bergbauunternehmen, gerade seine Anteile konsolidiert hätte – was immer das bedeutet – und dazu ansetzte, einen Höhenflug zu machen. Er tippte etwas in seinen Computer und holte ein Aktienchart heraus. Ich war unglaublich beeindruckt, diese Charts konnten bedeuten, dass er möglicherweise mehr wusste als ich. Auf seine Empfehlung hin kaufte ich die Aktien. Die Provision betrug 100 Dollar.
Ich sah jeden Tag in der Zeitung nach, aber die Aktie bewegte sich nicht. Es fühlte sich an, als müsste ich für immer warten. Dann, drei Wochen später, stieg die Aktie um 50 % an einem Tag. Ich verkaufte sofort. Meine Gebühr betrug 100 Dollar, also hatte ich 150 Dollar gut gemacht.
Wochen später fiel die Aktie auf ein Zehntel meines Einkaufspreises. Trotz meines Erfolges, war ich nicht begeistert. Sogar mit solch einem großen Sprung der Aktie machte ich nicht viel Geld. Hinzu kommt, dass ich nicht wirklich verstand, warum die Aktie nach oben sprang und dann kollabierte. Das machte mir Sorgen. Falls ich die Logik nicht verstehen könnte, schien dies kein Rezept für Reichtum zu sein. Also gab ich das Investieren auf.
Schimpanse
Spät im meinem zweiten Jahr auf dem College, investierte mein Mitbewohner in Aktien. Er sagte mir, wie ich ein Konto ohne einen Broker eröffnen könnte und meine Trades mich nur 30 Dollar kosten würden. Das war ein Geschäft ! Er empfahl mir eine Aktie eines Bergbauunternehmens, die sein Broker ihm genannt hatte, welche sich fast sofort verdoppelte.
Ganz klar, einige von diesen Pennystocks musste ich kaufen. Dieses Mal war meine Strategie ausgefeilter. Ich abbonierte eine Bergbauzeitschrift und las schon über die Firmen nach. Es stellte sich heraus, dass mein zweites Studienjahr die beste Zeit war, in Bergbauaktien zu investieren – innerhalb eines Jahres wurden im Norden Kanadas Diamanten entdeckt.
Ich erarbeitete meine erste Kontra-Strategie. Die Bergbauunternehmen im nördlichen Kanada bauen Straßen aus Eis, um das Förderequipment zu den erfolgversprechenden Orten zu transportieren. Daraus folgt, dass sie im Winter bohren und die Ergebnisse im Frühling herausgeben. Meine Strategie war es, Aktien zu kaufen, wenn niemand sie wollte (im Sommer) und dann zu verkaufen, bevor die Ergebnisse veröffentlicht wurden und die Erwartungen am höchsten sind (im Winter).
Mir erschien die Möglichkeit, Diamanten zu finden, gering, deshalb war es besser, während der spekulativen Höchstphase zu verkaufen, als auf positive Bohrergebnisse zu wetten. Diese Strategie brachte mir 40% pro Jahr. Aber noch wichtiger, sie brachte mir vieles bei.
Erstens ist es von Wert, ein Unternehmen und die Branche zu verstehen. Zweitens, Geduld kann profitabel sein. Anders als andere Investoren war ich gewillt einen Bergbau-Pennystock zu halten, obwohl es unwahrscheinlich war, in den nächsten 8 Monaten Neuigkeiten zu erfahren. Drittens, zu kaufen, wenn niemand eine Aktie will und zu verkaufen, wenn jeder will, kann lukrativ sein.
Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis)
Ein paar Jahre später wurden einige reale Problem der Strategie sichtbar. Erstens fand AberDiamond (Nasdaq:ABER), eine meine spekulativen Aktien, tatsächlich Diamanten. Natürlich hatte ich zu dem Zeitpunkt schon für einen Dollar verkauft – 50 % Gewinn. Die Aktie ist jetzt bei 34 Dollar. Aua.
Außerdem wurde Bergbau unbeliebt, aufgrund niedriger Metallpreise, betrügerischer Unternehmen und dem Beginn der Internetblase. Sollte dies passieren, würde die Strategie hinfällig sein und ich Geld verlieren. Da kam noch ein zweiter Fehler zu Tage: Der Prozess war nicht logisch. Meine Profite waren vollkommen von dem „Hype“ und der Bereitschaft anderer Investoren abhängig, spekulative Käufe zu tätigen. Offensichtlich brauchte ich eine andere Strategie.
Zu dieser Zeit wäre es nur natürlich gewesen, auf Internetaktien zu springen; JEDER, so schien es, machte Geld aus Technikaktien. Aber meine Erfahrung lehrte mich, dass ich lieber beim „Hype“ verkaufen als kaufen sollte. Deshalb war ich sehr zurückhaltend. Statt dessen nahm ich ein paar Bücher und las über Benjamin Graham und Warren Buffett. Ich realisierte, dass Aktien nicht nur Papierstücke sind – sie repräsentieren einen Besitzanteil an einem Unternehmen. Ich lernte ein gutes von einem schlechten Geschäft zu unterscheiden und die Aktie zu bewerten.
Am wichtigsten aber: Ich erfuhr, dass es möglich ist, Aktien unter ihrem eigentlichen Wert kaufen zu können. Statt nur zu spekulieren, welche Aktie steigen wird, kaufte ich ab sofort unterbewertete Aktien. Ich traf Leute auf dem "Motley Fool Message Board" , die die Wertphilosophie teilten und in der Lage waren, über die Internetblase die Nase zu rümpfen.
Als die Blase 2000 platzte, besaß ich einige Technologiewerte, aber der Großteil meines Portfolio war angefüllt mit unterbewerteten „old-economy“-Aktien. Ich besaß Immobilienaktien wie Healthcare Realty Trust (NYSE:HR) und Hospitality Properties (NYSE:http), Konsumpapiere wie JC Penny (NYSE:JPC) und Sunrise Senior Living (NYSE:SRZ). Mein Fokus auf das "Investieren in Werte" hat mir nicht nur den Hintern gerettet, es gab sogar anständige Gewinne.
Homo sapiens sapiens
Seither hat sich mein Vertrauen in die Überlegenheit des Value Investing (Investierens in Werte) noch verstärkt. Ich lernte wie Buffett solch spektakuläre Gewinne machte, als er die gut etablierten Firmen wie Moody’s (NYSE:MCO) und Wells Fargo (NYSE:WFC) kaufte. Diese Unternehmen vermögen nicht so, wie die durchschnittliche Technologieaktie zu begeistern, aber nun, nachdem ich Investieren in Werte verstehe, weiß ich, warum sie auf lange Zeit gesehen die meisten Technologieaktien ausstechen.
Ich traf auch Philip Durell und wurde Teil der Gemeinschaft der Value Investoren, die er um seinen Motley Fool Inside Value Newsletterservice gesammelt hat. Ebenso wichtig wie die Aktienauswahl sind die Newsletter-Gemeinde und die wissens-orientierte Philosophie.
Ich hätte dieses Stadium meiner Evolution wesentlich schneller erreicht, wäre ich zu einem früheren Zeitpunkt meines Lebens Teil einer solchen Gemeinschaft gewesen. Sogar als erfahrener Investor lerne ich weiterhin neue Perspektiven des Value Investing, das mich gelehrt hat, unterbewertete Aktein zu erkennen. Diese Art des kontinuierlichen Wissensaustauschs könnte die profitabelste Komponente sein.
Genauso wie mit 15 Jahren glaube ich daran, dass der Aktienmarkt reich machen kann. Aber heute weiß ich wie.“
Richard Gibbons sieht es als ein kleines Wunder an, dass er nicht schon in seiner frühen Investmentkarriere all sein Geld verloren hat. Er besitzt keine der in dem Artikel erwähnten Wertpapiere. (nicht mehr)
Und Sie, lieber Leser, kann ich sicher in der kommenden Woche dafür interessieren, wenn ich drei besten Value-Fonds (nach meiner unmaßgeblichen Meinung) vorstellen werde. (Am Donnerstag haben wir etwas zu feiern!)
Beste Grüße
Ihr Doc
(Dr. Markus Schoor)
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