Die Ethanolindustrie braucht stabile Erdölpreise!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 21. Oktober 2008, 20:00 Uhr
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Substitution durch Rohöl? Oder, warum die Ethanolindustrie hohe Erdölpreise braucht!
Sind wir doch einmal ganz ehrlich zu uns selbst: wenn es ans Eingemachte geht, dann gibt es plötzlich andere Sorgen als CO2.
Und gerade den USA geht die Krise wirklich bis an die Substanz. Irgendwann wird sich nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Politik fragen inwieweit sich ein Sektor bezahlt macht, dessen Produkt schließlich teurer ist als jenes, welches es ersetzen soll.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich predige hier nicht den Untergang der US-Ethanolindustrie, zumal nicht bei einem möglichen Präsidenten Obama. Doch vergessen darf man nicht, ob Obama oder McCain aufs Geld müssen sie in Zukunft alle achten. Und vor allem achten sie gegenwärtig auf ihre Banken, für die Ethanoldestillen bleibt da kaum Zeit und Muße.
Doch kommen wir zum Punkt! Bislang ist eines der Hauptargumente für die Nutzung von Ethanol die Kostenersparnis gegenüber Kraftstoff aus Erdöl gewesen. Kein Wunder bei Erdölpreisen, die fast bis an die 150 USD rangepuscht worden sind. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet: ein Erdölpreis der sich knapp über der 70 US-Dollar-Marke hält macht nicht nur der OPEC zu schaffen, sondern auch der gesamten Ethanol-Story.
Phil Flynn, Analyst bei Alaron Trading in Chicago geht davon aus, dass Erdölpreise um die 50 US-Dollar pro Barrel die Wirtschaftlichkeit von Ethanol ohne staatliche Unterstützung fast unmöglich machen.
Es ist fast lustig, aber ich sage es trotzdem: die Ethanolindustrie braucht dringend stabile Rohölpreise.
Überlegungen die Zukunft des Sektors betreffend
Ich gehe davon aus, dass sich der US-Ethanolsektorlandschaft mittelfristig ebenfalls deutlich verändern wird. Es dürfte wohl zunehmend zu mehr Fusionen und Verschmelzungen kommen.
Gegenwärtig sind in den USA 176 Ethanoldestillen in Betrieb, vier Produktionsstätten werden erweitert und weitere 27 befinden sich im Bau. Für das kommende Jahr wird ein Anstieg der Gesamtproduktion auf 13,1 Milliarden Gallonen Ethanol prognostiziert. Die Jahresproduktion für 2008 beträgt etwa 10,7 Milliarden Gallonen. Ein dramatischer Anstieg gegenüber dem vergangenen Jahr. In 2007 wurden insgesamt 6,5 Milliarden Gallonen Ethanol produziert.
Produktionssteigerung trotz Preisrückgang und grundsätzlich nachlassender Kraftstoffnachfrage in den USA sind aber nur drei Faktoren die für eine zunehmenden Konsolidierungstrend in diesem Sektor sprechen.
Viel wichtiger sind grundlegende Überlegungen in Bezug auf die kommenden Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Unternehmen. Dies natürlich als direkt Auswirkung der Kredit/Banken/Liquiditäts/Vertrauenskrise und natürlich ist in diesem Zusammenhang in den USA nicht nur der Ethanolsektor betroffen.
Es kommen harte Zeiten auf die US-Unternehmen zu und am Ende werden wohl im Ethanolsektor ebenso wie in anderen Sektoren nur diejenigen Unternehmen mit der geringsten Schuldenlast und der besten Finanzlage überleben.
Mein Tipp: Bei Interesse am US-Ethanolsektor sehen Sie sich überdies die Risk-Management- Strategien der einzelnen Unternehmen an. Ein Unternehmen, welches sowohl Mais in der Zukunft (mittels Forward-Kontrakt) verkauft, als auch Ethanol in der Zukunft verkauft hat, hat zumindest einmal seine Gewinnmargen eingefroren. Dagegen fährt ein Unternehmen, welches zwar mittels Forward-Kontrakt Mais gekauft hat, aber Ethanol zum gegenwärtigen Preis verkauft, gegenwärtig Verluste ein.
So long liebe Leser...so viel für heute einmal...ich muss es noch einmal formulieren: für die Stabilität der Ethanolindustrie fordere ich dringend stabile Erdölpreise...;-) bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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