Die Ersten werden die Letzten sein
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Geld an den den größten Schuldner der Welt zu verleihen, war wohl kaum je beliebter und weniger einträglich. In der vergangenen Woche sind die Erträge auf eine zehnjährige Schatzanliehe auf unter 3,8% gefallen. Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise um 5,6% im Jahr. Die Herstellerpreise wurden zuletzt mit einer Steigerung von 10% verbucht.
Anleiheninvestoren sollen die klügsten unter der Meute sein. Aber es gibt Zeiten, in denen die Ersten die Letzten sind... und die Klügsten die Dümmsten... und wenn die Straßenkarten von Gestern auf den Kopf gedreht werden müssen. Und das ist, so glaube ich, eine dieser Zeiten.
Zwischen dem, was die Anleiheninvestoren als Erträge erwarten dürfen und dem, was sie aufgrund der einen aufgrund der Inflation verlieren, steht ein eingebauter Verlust von 1,8%. Wo ist da die Sicherheitsmarge? Wo der Gewinn? Warum sollte man das tun?
Anleiheninvestoren wetten darauf, dass die Zukunft sich vor ihnen genauso ausbreiten wird wie die Vergangenheit. Und damit liegen sie weitestgehend richtig. Aber das Problem ist, dass sie nicht weit genug in die Vergangenheit blicken. Sie müssen ihre Köpfe wenden. Wenn sie in den Spiegel sehen, dann sehen sie nur die gerade Straße hinter sich, aber nicht die Haarnadelkurve, die 500 Meter weiter hinten liegt... und es war genau eine solche Kurve, die das Blatt vor 26 Jahren gewendet hat, und 36 Jahre davor... und dann wieder 26 Jahre davor.
Die Wracks scheinen ungefähr einmal pro Generation des Weges zu kommen. Die Zinssätze sind mehr als ein Vierteljahrhundert gefallen... dann sind sie zwischen 1946 und 1982 gestiegen... und danach wieder gefallen.
Hier werde ich zu einem flüchtigen Gedanken verführt. Es kann nicht sein, dass ich der erste bin, dem auffällt, dass es für eine große Wende im Kreditzyklus genauso lange dauert, wie es dauert, den letzten zu vergessen. Und ich kann auch nicht der einzige sein, der errät, dass die Anleiheninvestoren, die die Krise der Achtziger vergessen haben, für eine weitere fällig sind.
Große Kehrtwenden im Kreditzyklus markieren biblische Wendepunkte für das Vermögen der Investoren. Sie sind an dem Punkt, an dem das kluge Geld sich als halb verblödet herausstellt. Die demütigen Aktien- und Anleiheninvestoren von 1982 haben die Welt bis 2000 geerbt. Jetzt sind sie an der Reihe, die letzten zu sein.
Bis 2008 sind die Inflationsraten gefallen... oder sie haben sich in mäßigen Bereichen stabil gehalten... so lange, dass die Erinnerung der Menschen nicht mehr bis zum Gegenteil reicht. Oder zumindest die Erinnerung der vergangenen Generation von Investoren reicht nich tmehr bis zum Gegenteil. Ihrer Meinung nach, hat das Leben auf der Erde vor 26 Jahren begonnen. In der diesigen Suppe eines Sommers, in dem man für idiotisch gehalten wurde, wenn man sein Geld, egal zu welchen Bedingungen an irgendwen verliehen hat.
Aus einem sehr einfachen Grunde. Das Geld, das man zurückbekommen würde, würde weniger wert sein, als das Geld, das man verliehen hat. Selbst wenn man das Geld an das beste Kreditrisiko der Welt verliehen hat - an die amerikanische Regierung - hat man noch einen Ertrag von 14% verlangt, um sich zu schützen. Für diese Anleiheninvestoren der frühen Volcker Jahre, war die Straße, die hinter ihnen lag, schon schlecht genug.
Sie waren sich sicher, dass die Straße, die vor ihnen lag, direkt in die Hölle führen würde. Für sie schienen Inflationsraten von unter 10% so unwahrscheinlich wie ein Goldpreis unter 300 Dollar oder eine Sommerolympiade in Peking. Die Anleihen waren nicht mehr als Zertifikate der garantierten Beschlagnahmung" und jeder wusste das. Das amerikansiche Haushaltsdefizit - damals lag es bei ungefähr 200 Milliarden Dollar - war der einzige Beweis, der dazu notwendig war.
Und so kam es, dass die Investoren von 1982 ihre Aktien und Bonds herauswarfen, auf das Gaspedal traten und direkt gegen den Eichenbaum fuhren.
Ein Bericht vom 9. Februar 1982, freundlicherweise von der LA TIMES zur Verfügung gestellt:
Der Aktienmarkt ist am Montag auf einen frühen Tiefstwert des Jahres 1982 eingebrochen, bei einem Ausverkauf, der den steigenden Zinssätzen zugeschrieben wird und der Sorge über die Aussichten für den Bundeshaushalt."
Die Investoren hatten 1982 ihre Straßenkarten. Sie wussten, dass die Defizit-Gasse von einer Straße abging, die Inflation" hieß und direkt auf die Bärenmarkt-Schnellstraße führt. In den vorangegangenen 10 Jahren, hatte der Dollar fast zwei Drittel seiner Kaufkraft verloren. Ein Bärenmarkt an der Wall Street in Verbindung mit der Inflation hatte 80% des Wertes aus den Aktien gezogen; und es gab kaum noch einen Anleiheninvestor bei klarem Verstand, der es nicht bereute, je ein Auge auf die amerikanischen Schatzanleihen geworden zu haben.
Bis zum Sommer dieses Jahres waren die verschwitzten Gesichter an der Wall Street so lang, dass den Aktienbrokern das Kinn im Grunde genommen schon über den heißen Asphalt schleifte. Im Juli hatten die Erträge auf die zehnjährigen Schatzanleihen schon 13,95% erreicht und im August war der Dow auf 776 Punkte gefallen. Wenige Investoren wollten mit Aktien oder Anleihen noch irgendetwas zu tun haben. Stattdessen sind sie mit Piknikkörben voller Goldmünzen an den Strand gefahren.
Auf dem Weg nach Hause machte die Straße einen plötzlichen Knick. Wenigen ist es aufgefallen, aber der Bärenmarkt bei Aktien, der im Jahr 1966 begonnen hatte, hat genau in diesem Sommer sein Ende gefunden. Der Bullenmarkt bei Anleihenerträgen war auch vorbei. (Der Gipfel war tatsächlich schon im Jahr zuvor überschritten worden. Aber während der Hundstage im August, war alles, was die Investoren aus den vorangegangenen Jahrzehnten gelernt hatten, war nicht mehr Wert gewusst zu werden. Jetzt waren die Ersten die Letzten. Die Verbraucherpreisinflation fiel von einem Höchstwert von mehr als 10% im Jahr - der Index hat sogar im Mai 1980 einen Wert von mehr als 14% erreicht - auf unter 4% im Jahr 1984. Und die Anleihenerträge sollten folgen, nachdem sich die Investoren nach und nach und zögerlich zurückzogen und umdrehten.
Der Stau der frühen Achtziger ließ die Rohstoffe zurück und Gold verwaisen. Doch bei der nächsten geraden Strecke, waren Aktien und Anleihen schon bald wieder so leicht adoptierbar, wie ein blondhaariger Junge. Bis in die späten Neunziger wusste jeder, dass er sie haben wollte. Der Dow ist um das 11-Fache gestiegen. Anleihenpreise sind auch gestiegen, während die Erträge gefallen sind. Und nach und nach wurden die Straßenkarten von 1982 erneuert.
Jeder wusste damals mit Sicherheit etwas, von dem wir heute wissen, dass es nicht so ist. Und jeder wusste ganz sicher, dass das, was jetzt sicher war, vor 26 Jahren falsch gewesen ist. George W. Bush, wird sein Amt mit einem Deifzit verlassen, dass die Generation von 1982 umgeschlagen hätte - von ungefähr 500 Milliarden Dollar.
Aber die Investoren wissen heute, dass es um die Defizite nicht geht." Sie gehen davon aus, dass der Dollar steigen wird und dass die Anleihenerträge trotzdem fallen werden. Genauso dachte man 1982, dass der Aktienmarkt teuer sei, selbst zu einer Zeit, in der die Aktien für ein KGV von nur 8 verkauft wurden, hielten sie sie für zu gefährlich. Heute sind die KGVs doppelt so hoch, aber die Aktien hält man für Schnäppchen.
Doch jede Generation der Automobile muss ihre eigene Möglichkeit finden, auf die Halde zu kommen. Und jede Generation der Investoren - selbst die, mit GPS auf dem Armaturenbrett - muss die eigene Todeskurve finden.
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