Die erste Milliarde ist die schwierigste – Teil 2
Chris Mayer in Traders Daily
vom 19. Dezember 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Hinzu kommt, dass Pickens verstohlene Blicke in die Zukunft wagt. Einige Themen reizten mein Interesse: Erdgas und Wasser.
„Erdgas ist der Treibstoff der Zukunft", schreibt Pickens. Ich stimme ihm zu. Erdgas ist unsere zweigrößte Ressource, gleich nach Kohle. Erdgas verbrennt sehr viel sauberer als Kohle. Pickens große Vision für Erdgas ist die Nutzung als Brennstoff für den Transpot. Die Logik ist ziemlich einfach. „[Erdgas] ist der teuerste Brennstoff in den Vereinigten Staaten wenn man es zur Energiegewinnung verwendet, aber es ist günstiger als Diesel oder Benzin, wenn man es für den Transport verwendet."
Der hat gut reden, könnte man sagen. Er besitzt Clean Energy, welches Tankstellen für Erdgas betreibt und jedes Jahr neue aufbaut. Dennoch hat er die Argumente auf seiner Seite. Mir war z.B. nicht bewusst, dass es bereits 8 Millionen Erdgasfahrzeuge weltweit auf den Straßen gibt. Er weist auch darauf hin, dass 25% aller Transitbusse Erdgas verbrennen - und jedes Jahr sind es 25% mehr.
Ich konnte mir nur schwer ausmalen, wer ein Erdgasfahrzeug haben wollen würde, wenn die Tankstellen so knapp sind. Es ist so wie mit den ersten Leuten, die ein Telefon hatten. Aber zuletzt habe ich einen Bericht über das einzige erdgasbetriebene Fahrzeug gelesen, dass es momentan in Amerika zu kaufen gibt: den Honda Civic GX.
Es war eine positive Beurteilung. Auch wenn die Reichweite auf nur 320 bis 350 Kilometer beschränkt ist, haben die Autos eine GPS-Positionsanzeige für die nächste Tankstelle. Die Tankfüllung kostet auch nur ungefähr halb so viel, wie eine Füllung mit Benzin, wenn auch das Auto für ein Drittel mehr verkauft wird, als ein mit Benzin betriebener Civic. Steuergutschriften gleichen das teilweise aus, und die amerikanische Umweltschutzbehörde geht davon aus, dass es sich in 2,5 Jahren amortisiert. Das dass, dass man dann mit einem normalen Benzinfahrzeug gleichauf ist. Es gibt auch Heizsysteme für Häuser, die ungefähr 5.000 Dollar kosten und die es einem erlauben, die Gasleitungen im Haus anzuzapfen (vorausgesetzt, man hat Gas). Auch dafür bekommt man Steuergutschriften.
Wie dem auch sei, so fangen solche Dinge an. Sie sind am Anfang teuer, aber wenn sich die Technologie verbessert und die Leute sich mehr daran gewöhnen, dann fallen die Preise. Ich gehe davon aus, dass es für die erdgasbetriebenen Fahrzeuge eine Zukunft gibt.
Zu seiner Haltung gegenüber Erdgas kommt, dass Pickens schreibt, dass er ein großer Besitzer von freiem Wasser in den Vereinigten Staaten ist. Seine Investitionen folgen dem gleichen Leitsatz, den er sich während seiner ganzen Karriere zu Nutzen gemacht hat. Mit Knappheit lässt sich Gewinn machen.
Pickens besitzt Land im Roberts County in Texas, ein Ort, der so reich an Wasser ist, dass es, wie er sagt, der einzige Ort ist, an dem man kein trockenes Loch bohren könnte. Es ist nicht schwer, hier 1.000 Gallonen in der Minute zu pumpen. Dieses Land liegt über der Wasserschicht Ogallala, einer der größten in den Vereinigten Staaten, die ungefähr 440.000 Quadratkilometer über acht Staaten umfasst.
Pickens beabsichtigt, das Wasser an ausgedörrte Regionen in Texas zu verkaufen, wie z.B. Dallas oder San Antonio, wo die Wasserversorgung zum Thema wird. „Wir können das Wasser schneller und billiger liefern, als irgendeine andere Möglichkeit, die auf dem Tisch ist", schreibt er. „Es stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wann, und ich wette es passiert bald."
Auch beim Wasser denke ich genauso wie Pickens. Das alles knüpft auch an das Thema Landwirtschaft an. Der Economist hat zuletzt einen Beitrag gebracht, der den Titel hatte: „Austrocknen: Die Welt leidet unter einer Wasserknappheit und nicht unter einer Lebensmittelknappheit." Es ist eine ganz einfache Sache. Wenn die Weltbevölkerung und die Einkommen steigen, dann kann man erwarten, dass auch der Fleischkonsum steigt. Fleisch erfordert viel Getreide und Wasser in der Herstellung - exponentiell mehr."
In einer Welt nach der Finanzwelt, in der der Hypothekenzug auf den Gleisen stehenbleibt, sind das die Ideen - Grundlagen wie Getreide und Wasser - die das neue Geld anziehen werden.