Die Entstehung der Konflikte im Nahen Osten

in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
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Liebe Leser,

in Anlehnung an den gestrigen Beitrag Die historische Bedeutung des Kaukasus" möchte ich heute mit der Aufarbeitung der Geschichte der Konfliktregion Kaukasus und deren Bedeutung für die auch heute noch immer ungelösten Konflikte weitermachen.

Begeben wir uns also der chronologischen Reihenfolge gemäß, zunächst in die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts und betrachten Vorgänge und Entwicklung in Aserbaidschan, Georgien und im Nahen Osten.

Das internationale Interesse wächst

1902 gründeten die Rothschilds zusammen mit dem britischen Ölkonzern Royal Dutch Shell ein Joint Venture namens Asiatic Petroleum. Auf wirtschaftlicher Basis konnten die Engländer damit bereits frühzeitig einen wichtigen strategischen Schritt machen, der ihnen später im ersten Weltkrieg helfen sollte. Um die englische Kriegsmarine mit Treibstoff zu versorgen übernahm Royal Dutch Shell 1912 die Anteile an den kaukasischen Ölunternehmen Banito und MAZUT, von Rothschild und diese erhielten im Gegenzug eine nicht unwesentlichen Anteil am niederländisch-englischen Ölkonzern, der bis heute besteht.

Eigentlich kein schlechtes Geschäft, wenn man bedenkt, dass die Ölfelder im Zuge der Oktoberrevolution von 1917 verstaatlicht wurden. Das deutsche Kaiserreich versuchte zwar ebenfalls einen größeren Einfluss auf dieses Ölgebiet auszuüben und sich gegen englische, französische und US-amerikanische Interessen durchzusetzen, doch dies misslang bis zum Anfang des ersten Weltkriegs. Wie wichtig die Region sowie sein direkter Nachbar, dass osmanische Reich war, erkannten Deutsche und Engländer bereits frühzeitig. Während den Engländern die Sicherung der kaukasischen Ölreichtümer zumindest für den Zeitraum des ersten Weltkriegs gelang, hatte sich Deutschland mit dem Osmanischen Reich einen Bündnispartner gesichert.

Das wohl aufwendigste Projekt von damals, stellte die Bagdad Bahn dar, die von Berlin bis nach Bagdad führen sollte. Das Projekt wurde 1898 beschlossen und 1906 zum Bau frei gegeben. Die Deutsche Bank finanzierte das Projekt trotz größter Bedenken. Dennoch war die Beliebtheit bei Beginn des Projekts sogar so groß, dass man Anleihen der Bagdad- Bahn ans Publikum ausgab und diese sich eines reißenden Absatzes erfreuten.

Die Ölvorkommen von Baku entscheiden den 1. Weltkrieg



Der Kampf ums Öl wurde im ersten Weltkrieg einer der bestimmenden Faktoren für Sieg oder Niederlage. Die Engländer besaßen mit dem Suezkanal eine Abkürzung und damit einen wesentlichen Vorteil, doch insbesondere die deutschen U-Boote machten den Engländern schwer zu schaffen. Fast wäre es 1917 zu einer Wende im ersten Weltkrieg gekommen. Die Briten verloren in der ersten Hälfte von 1917 doppelt so viele Schiffe durch deutsche U-Boote wie im selben Zeitraum von 1916. Auch die US-amerikanische Standard Oil verlor mehrere Tanker.

Schließlich wurde die Ölknappheit so groß, dass sich die USA, die sich vorher von den Kampfhandlungen in Europa heraushielten gezwungen sahen in den ersten Weltkrieg einzugreifen und dem Krieg ein entscheidendes Gewicht zu Gunsten der Alliierten Streitkräfte zu geben.

Beinahe wäre es Deutschland aber dennoch gelungen mit seiner Einflussnahme auf Georgien den Kaukasus unter seine Kontrolle zu bringen. Doch die Anstrengungen halfen nicht und England fügte Deutschland mit Hilfe der Araber immer wieder schwere Schäden zu. Die Ironie dabei ist jedoch, dass eben diese arabischen Helfer ihre versprochene Unabhängigkeit nicht erreichen konnten und letztendlich nur Erfüllungsgehilfen des Machtstrebens von Großbritannien und den USA waren.

Die Entstehung des Konfliktherdes Naher Osten

Unter diesen Aspekt fällt auch die bekannte Balfour-Deklaration", die schließlich 1948 den jüdischen Staat in Palästina ermöglichte und im November 1917 vermutlich viel weniger aus humanitären, sondern eher aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus ins Leben gerufen wurde. Durch die Deklaration sicherte sich England die volle Unterstützung durch Edmond James Rothschild, einem Vorkämpfer des Zionismus. Die Briten teilten das Osmanische Reich also noch während des Krieges mit Frankreich unter sich auf. Bestätigt wurde dies durch die Veröffentlichung des geheimen Sykes-Picot-Abkommens, welches nach dem ersten Weltkrieg auftauchte.

Das Sykes-Picot-Abkommen regelte die Interessen Englands und Frankreichs im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg. Die Aufteilung der Gebiete ohne jegliche Rücksicht auf die Interessen der dort lebenden Bevölkerung.Ein Umstand, den Philip Knightley in seinem Buch The First Casualty" mit folgenden Worten beschreibt: ...war die Veröffentlichung des Abkommens den Briten sehr peinlich, da sie den Arabern als Belohnung für deren Aufstand bereits die Unabhängigkeit versprochen hatten. T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien) musste versuchen, den Arabern zu erklären, warum die Briten sie betrogen hatten."

Ein Umstand der auch heute noch schwer wiegt....


von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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