Die Eitelkeiten der Weltverbesserer
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 25. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Dieser leidige Montag. Ich kann mit diesem Wochentag einfach nichts anfangen. Letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass 70 % aller Zentralbanker ihre Euroreserven vergrößern. Für den Dollar, die immer noch aktuelle Leit- und Reservewährung der Welt, schienen sie keine weiteren Reserven übrig zu haben sondern höchstens weitere Vorbehalte.
Das geht mir mit dem Dollar übrigens genau so. Was immer er heute oder morgen wert ist, ich bin mir sicher, letztendlich wird er weniger wert sein. Es ist schon bemerkenswert, dass er immer noch nicht als völlig wertlos betrachtet wird. Der Dollar ist zu einem derart belanglosen Nichts geworden, er hätte es verdient als reiner Abfall betrachtet zu werden. Der normale Dollar ist heute nicht viel mehr als elektronische Information. Seine bloße Existenz verdankt er nur den Fähigkeiten der digitalen Technologie ihn zu verfolgen. Relativ wenige "Dollars" nehmen jemals Papierform an und viele von diesen landen in den Brieftaschen von russischen Drogenhändlern und afrikanischen Politikern. Die überwiegende Anzahl der "Dollars" liegen fest auf Konten und sind noch nicht einmal mit dem Bildnis eines toten Präsidenten verziert. Wenn das Ende kommt, dann wird man diese Dollars nicht einmal mehr als Brennmaterial nutzen können.
Es ist reine Eitelkeit, die den Dollar weiter im Geschäft hält, lieber Leser. Und es ist ebenso reine Eitelkeit, die ihn wertlos machen wird. Wirtschaftswissenschaftler benötigen Geld, das sie kontrollieren können. Zentralbanker benötigen Geld, das sie abwerten können. Und Politiker benötigen Geld, das ihnen hilft mit ihrem Schwachsinn weiter zu machen.
Die Welt des Geldes können wir am besten verstehen, indem wir uns die große, weite Welt im Ganzen ansehen, in dem es so eine entscheidende Rolle spielt. Das Problem mit der großen weiten Welt ist, das sie niemals wirklich gut genug für viele Leute ist. Sie versuchen sie fortwährend zu verbessern. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, wir sollten immer versuchen die Welt zu einem etwas netteren Ort zu machen. Blinzeln Sie einem unattraktiven Mädchen zu oder verfluchen Sie einen schlechten Autofahrer, oder so was in der Art. Die Weltverbesserer sind jedoch selten zufrieden mit den kleinen, privaten Akten der Güte und Nächstenliebe. Statt dessen möchten sie umfassende Änderungen – die letzten Endes fast immer mit Gewalt herbeigeführt werden sollen.
Aus diesem Grund wurde im Jahre 1913 die US-Notenbank FED geschaffen und ihr das Recht verliehen Geld zu kontrollieren. Vorher bewegte sich der Dollar, auf das Gold gestützt, mal nach oben und mal nach unten. Der neue Dollar, der seit 1913, für uns alle von den klugen Leuten bei der FED gehütet wird, ist leichter einzuschätzen. Er bewegt sich fast immer nach unten.
Aus dem Zeitungswald dringen noch mehr Weltverbesserungsvorschläge. So finden wir in der International Herald Tribune einen "Vorschlag zur Beendigung der Armut". Der Vorschlag wurde von dem berühmten Weltverbesserer Jeffrey Sachs gemacht. Er schlägt vor, dass die reichen Staaten ihre Bürger gründlich ausplündern, um das Geld armen Staaten zur Verfügung zu stellen. Eine gut aussehende Frau, mit der ich neulich am Samstag zu Abend gegessen habe, erzählte mir folgendes: "Geld einfach an arme Menschen in Frankreich zu verschenken, erweist diesen alles andere als einen Gefallen. Ich arbeite für soziale Einrichtungen. Es gab immer Menschen in Frankreich, die daran gewöhnt waren arm zu sein. Aber sie mussten aufstehen und zur Arbeit gehen. Nun, mit all den Programmen der sozialen Fürsorge, brauchen sie überhaupt nichts mehr zu machen. Wir haben es mit immer mehr Teenagern zu tun, die nicht mehr zur Schule gehen, weil ihre Eltern morgens nicht mehr aufstehen. Niemand steht morgens noch auf in ihrer Familie. Diese Teenager hören einfach auf zur Schule zu gehen. Wenn wir ihrer habhaft werden, können sie weder lesen noch schreiben."
Wenn die Weltverbesserer ihnen ihr eigenes Geld geben möchten, dann sollten sie auf jeden Fall mehr zu sagen haben. Sie möchten diesen Leuten jedoch Ihr Geld zukommen lassen und sie möchten dies nicht aus Gründen der Barmherzigkeit, sondern aus Gründen der Eitelkeit tun.
Während der International Herald Tribune davon träumt die Armut zu beenden, schließt sich mein Lieblings-Leitartikler Thomas L. Friedmann dem US-Präsidenten in seinem Bestreben an "die Welt vom Bösen zu befreien". Ich habe mir das nicht ausgedacht. Dies ist tatsächlich das ureigenste Programm des US-Präsidenten. Er führte Amerika nach Afghanistan und später in den Irak, während Friedmann jeweils applaudierte. Nun hoffen die beiden, dass die erzwungene Bekehrung der Irakis zur Demokratie wieder ein Quäntchen Böses aus der Welt geschafft haben wird. Im 17. Jahrhundert zwang Ludwig XIV., der "Sonnenkönig", Protestanten sich zum Katholizismus zu bekennen. Auch er muss geglaubt haben somit das Böse in der Welt zu verringern.
Ich dachte an Alexander den Großen. Der Mann muss für Weltverbesserer ein großer Held sein. So hat ihn uns Oliver Stone jedenfalls unlängst im Kino präsentiert. Ich erinnerte mich letzte Woche an ein Szene, die sich mir eingeprägt hatte (weil sie so schlecht gewesen war). Alexander wandte sein Gesicht zum Himmel und träumte von einer besseren Welt – während sein Freund tot neben ihm zu Boden sank. Doch wie alle anderen Weltverbesserer seitdem konnte er nur die Widerspiegelung seines eigenen Gesichtes sehen. Alexander der Große wollte Babylon zu einer griechischen Stadt machen. Nun möchte George der Große Bagdad in eine amerikanische Stadt umwandeln. Ob es nun um Religion, Politik oder materiellen Wohlstand geht – die Weltverbesserer können sich niemals etwas Besseres als ihre ganz persönlichen Ideen vorstellen. Die Konsequenzen, die sie aus dem ganzen Unsinn ziehen gipfeln einzig und allein in dem eitlen Bemühen ihre Nachbarn sich selbst gegenüber so ähnlich wie möglich zu machen.
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