Die einfachste Stopp-Regel
Tom Firley in Investors Daily
vom 18. August 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
wie gestern angekündigt, ein paar Gedanken zur Stopp-Setzung und ein praktisches Beispiel.
Wenn eine Aktie um 25% fällt, muss sie 33% wieder aufholen, um den vorherigen Kurs zu erreichen. Das ist schon eine Menge, aber manch langfristiger Anleger lässt seiner Aktie so viel Spielraum. Wenn eine Aktie aber 40% fällt, muss Sie wieder um 66% ansteigen. Und dann, liebe Leser, muss schon etwas Besonderes passieren, damit dieser Rückstand wieder aufgeholt werden kann.
Ziele und Zeit
Grundsätzlich ist zu unterscheiden, in welcher zeitlichen Ebene ein Anleger in eine Aktie investiert, welche Ziele er dabei verfolgt und welche Mühe er sich mit der Aktien-Analyse machen möchte.
Der Langfrist-Anleger
Dabei agiert ein Langfrist-Anleger sicherlich gelassener und lässt der Aktie tatsächlich einen weiten Spielraum (z.B.20 - 25%) und kontrolliert seine Stopps vielleicht einmal die Woche, möglicherweise sogar nur einmal im Monat (wenn nicht gerade bahnbrechende Krisen etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern).
Der mittelfristige Anleger
Ein mittel- bis langfristiger Anleger „riskiert" weniger und lässt der Aktie weniger Spielraum (z.B. etwa 10%) und beobachtet genau die charttechnisch wichtigen Unterstützungen. Dabei ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass aus einer anfänglich nur mittelfristig geplanten Investition eine langfristige wird. Nämlich dann, wenn sich die kontinuierlich nach oben bewegt - ohne fatale Ausrutscher...
Ich persönlich nutze bei meinen reinen Aktien-Engagements (bei Derivaten schaut das natürlich anders aus) anfänglich einen 10%-Trailing-Stopp und suche nach einer charttechnischen Unterstützung in der Nähe dieser 10%-Entfernung. Fällt die Aktie darunter, muss ich eingestehen, dass ich falsch lag. Dann muss ich wieder verkaufen.
Aber das heißt noch lange nicht, dass ich die Aktie ad acta legen muss. Im Gegenteil. Ich analysiere meinen Einstiegsfehler und behalte den Wert weiterhin im Blick, solange sich keine fundamentalen Veränderungen ergeben.
Schauen wir uns das kurz an einem aktuellen Beispiel an:
Chart Krones-Aktie
Diese Aktie legte ich Ihnen letzte Woche Mittwoch (12. 8.09) ans Herz und betonte dabei aber auch den Zocker-Gedanken. Ich schrieb, dass die Aktie interessant sei, wenn das letzte Hoch bei 30,90 (dicke grüne Linie im Chart) überschritten werde. Genau dies geschah einen Tag später und die Aktie stieg sogar bis 34,18 Euro im Hoch, für Zocker wäre also genug Spielraum gewesen (über 10%, das sind Welten).
Was tun wir als brave Aktien-Anleger aber jetzt mit der Aktie, die aktuell bei etwa 31,5 steht also so gesehen nur knapp 2% im Gewinn? Da gibt es für Trailing Stopps jetzt zwei Möglichkeiten:
1.) Sie sagen sich: Die Aktie war bei 34 im Hoch, also ziehe ich den Stopp auf Einstiegskurs (30,90 Euro) nach. Falls sie diesen dann erreicht: Außer Spesen nichts gewesen, aber auch kein Verlust.
2.) Sie lassen der Aktie den Spielraum, den sie ihr von Anfang gelassen hätten. Ich persönlich bevorzuge etwa 10% und lege den Stopp dann unter eine Unterstützung. Anbieten würden sich hier Kurse um 27,70 Euro (rot gestrichelte Linie).
Bei Fragen oder Anregungen (wie setzen Sie Ihre Stopps?) bitte einfach schreiben.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
