Die durchschnittliche Jahresrendite
Tom Firley in Investors Daily
vom 12. Mai 2011, 18:00 Uhr
ENL5454
heute betrachten wir eine sehr wichtige Maßzahl für Börsen-Transaktionen, die durchschnittliche Jahres-Rendite. Diese „Zahl" ist vergleichbar mit den Zinsen auf dem Sparbuch, die Sie jährlich erhalten. Nur ist es eben manchmal sehr sinnvoll, sich diese Zahl zu vergegenwärtigen und entsprechend für andere Zeiträume umzurechnen.
Jahres-Rendite in verschiedenen Zeiträumen
Wenn Ihnen jemand erzählt, er habe aktuell sagenhafte 35 Prozent Gewinn mit einer Aktie gemacht, dann sollten Sie ihm gleich die Gegenfrage stellen: „In welchem Zeitraum?"
Falls es 10 Jahre gewesen sein sollten, sieht der sagenhafte Gewinn nicht mehr ganz so sagenhaft aus. Denn die durchschnittliche Jahresrendite läge in diesem Falle bei 3,05 Prozent.
Waren es nur zwei Jahre, liegt die Jahresrendite immerhin bei 16,19 Prozent. Und gelang dieser Gewinn von 35 Prozent innerhalb von nur einem halben Jahr, dann läge die durchschnittliche Jahresrendite bei immerhin 82,25 Prozent (und das wäre dann ja wirklich nicht schlecht).
Schauen Sie sich in diesem Zusammenhang den Dax-Chart an
Dax Chart mit Hilfslinien
Der deutsche Index bewegt sich seit Juli 2009 in dem breiten, blauen Aufwärtstrendkanal. Essentiell für den Dax-Erfolg bis zum Jahresende ist aus meiner Sicht das Verteidigen der 6.500er Marke.... Aber heute geht es nicht um mögliche Chart-Gefahren oder -Chancen, sondern um ein trockenes, aber nicht weniger interessantes Thema:
Jahresrendite Dax
Die untere, blaue Aufwärtstrendlinie im oberen Chart hat eine jährliche "Steigung" (= Jahresrendite) von etwa 18 Prozent (die anderen Linien natürlich ebenfalls...). Das bedeutet: Wenn Sie genau auf dieser Linie eingekauft haben und später wieder verkaufen, wenn der Dax-Kurs auf dieser Linie liegt, dann haben Sie aus Jahressicht eine Rendite von 18 Prozent erzielt.
Ich sage es Ihnen gleich: Die folgenden Zahlen wirken etwas trocken, sind aber meines Erachtens eine der wichtigsten Überlegungen in der Charttechnik, zumindest was Trendkanäle angeht Bleiben Sie also "dran".
Sie sehen im Chart weitere parallele Hilfslinien eingezeichnet, die ebenfalls eine Steigung von 18 Prozent aufweisen.
Relevant in diesem Chart sind die beiden Kreise, der grüne und der rote, die genau auf der unteren schwarz gestrichelten Aufwärtstrendlinie liegen.
Grüner Kreis (Einstieg): 22. Juli 2009; Dax bei 5.121 Punkten
Roter Kreis (Ausstieg): 15. März 2011; Dax bei etwa 6.647 Punkte
So, jetzt müssen wir uns für die Überprüfung meiner o.g. Behauptung (etwa 18 % Jahresrendite) notgedrungen an die alte Zinsformel aus der Schule erinnern (zumindest für mich ist das schon eine Weile her). Also:
Zinsertrag = Anfangskapital mal (Zinssatz in Prozent / 100) mal (Anzahl Tage / 365)
Kurzform übrigens: Zt = K0 * (p / 100) * (t / tJahr)
Da wir alle relevanten Daten haben, müssen wir nur noch nachprüfen, ob die Rechnung stimmt.
Zinsertrag = letzter Kurs minus erster Kurs (also wie viele Punkte nominal der Dow Jones gestiegen ist), also
6.647 Punkte minus 5.121 Punkte = 1.526 Punkte
Anfangskapital = Einstiegskurs, also 5.121
Anzahl Tage = Enddatum minus Anfangsdatum, also 15.03.2011 minus 22.07.2009
= 602 Tage
(Anmerkung für die Leser , die das nachrechnen und auf 601 Tage kommen: Sie müssen bei dieser Betrachtung den ersten Tag dazurechnen)
Ergebnis: Wenn Sie die Formel etwas umstellen, können Sie den Zinssatz in Prozent berechnen und dieser ist in diesem Beispiel dann:
Zinssatz = 18,07 % (wie behauptet etwa 18%)
Glücklicherweise muss ich das nicht jedes Mal für jede Aktie neu ausrechnen. Mein Chartprogramm übernimmt das automatisch für mich. Warum ist mir diese Rendite-Berechnung so wichtig?
Durchschnittliche Jahresrendite: Eine wichtige Vergleichszahl
Je nachdem, wann (und ob) Sie ein Dax-Engagement eingehen, (zum Beispiel über ein 1:1-Zertifikat) wissen Sie immer, wo Sie stehen, mit welcher durchschnittlichen jährlichen Rendite Sie aktuell rechnen können.
Steigen Sie an einer schwarz gestrichelten Linie ein und hält sich der Kurs an dieser Linie, dann erwirtschaften Sie logischerweise eine (jährliche) Rendite von 18,07% (wenn der Kurs diese Linie wieder kreuzt).
Fällt der Kurs unter die entsprechende Linie, dann ist Ihr Ergebnis - je nach Risikoneigung - zunächst einmal in Gefahr. Anhand der zweiten Auffanglinie können sie dann weitere Überlegungen anstellen. Zum Beispiel, wie weit Sie Ihrer Investition (in einen Index, eine Aktie oder einem Rohstoff) Platz nach unten lassen wollen.
Neben der einfachen Trailing-Stopp-Methode ist für mich die Berechnung der laufenden durchschnittlichen Jahresrendite eine der wichtigsten Bewertungskriterien für die mittel- bis langfristige Betrachtung.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Biniok (13.05. 2011 17:12 Uhr):
Fairerweise hätten Sie zum Vergleich den Zeitraum 2007 bis 2009 auch mit angeben müssen, denn Juli 2009 bis aktuell ist leicht irreführend, das sind kurz- bis mittelfristige Anlagen
Antworten - Kommentar von Dr Werner Herden (15.05. 2011 19:26 Uhr):
Lieber Herr Firley, seit Ihrem Beginn lese ich sehr gerne Ihre Investors Daily Beiträge und habe dadurch auch schon sehr Vieles lernen dürfen. Vielen Dank dafür! Doch fiel mir ab und zu auf, dass es bei der Rechnerei hapert. Ich stimme dagegen vollkommen zu, dass es eine sehr wichtige Größe ist, die Jahresrendite einer im halblogarithmischen Maßstab eingezeichneten Trendgeraden zu kennen. Einfach um festzustellen, ob diese Steigung lang anhalten kann oder halt eher nicht. Sollten Ihnen noch keine kritischen Mails zu der von Ihnen benutzten Formel von anderer Seite zugegangen sein, bin ich gerne bereit, Ihren Irrtum aufzuklären. denn alles was über ein Jahr hinausgeht ist ausschließlich über eine Potenzfunktion zu berechnen, da ansonsten der Zinseszinseigenschaft nicht berücksichtigt würde! So ergibt sich tatsächlich in Ihrem erwähnten Beispiel ein Zinssatz von ca 17%/a anstatt 18%, wie Sie darstellen. Der Fehler wird umso größer, je mehr Jahre zwischen Anfangs und Endpunkt liegen. Mit freundlichen Grüßen W. Herden Gerlingen
Antworten- Antwort von Tom Firley (16.05. 2011 18:33 Uhr):
Hallo Herr Dr. Herden, herzlichen Dank für Ihren Hinweis. Mir fiel es dann auch auf... 20 Sekunden nachdem ich auf den "Versand"-Knopf gedrückt habe. Die dargestellte Formel "kann" nur innerhalb eines Jahres funktionieren. Doch ich denke, das Wesentliche, also die Relevanz der durchschnittlichen Jahresrendite für die mittel- bis langfristige Anlage ist "rübergekommen" In einer der nächsten Ausgaben werde ich einmal eine praktische Tabellen-Kalkulation für die "richtige" Jahresrendite vorstellen. Viele Grüße und Vielen Dank Tom Firley
- Antwort von Tom Firley (16.05. 2011 18:33 Uhr):
