Die dunkle Seite der Aktienanlage
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 28. März 2011, 18:00 Uhr
ENL5454
aktuell liegt der Deutsche Aktienindex etwa 16 Prozent von seinem Allzeithoch entfernt. Und wenn wir einen recht langfristigen Chart betrachten (seit Juli 1974) kommen eigentlich wenig Zweifel auf, dass der Deutsche Aktienindex auf kurz oder lang dieses (erste) Ziel erreichen wird.
Chart Dax
Allerdings kriecht mit steigenden Kursen auch wieder eine ganz besondere Spezies von der dunklen Seite der Aktienanlage aus ihrem Loch. Daher kurz ein Wort zu den Aktienpushern. Eigentlich ist es recht schnell erklärt: Falls Sie unaufgefordert per E-Mail dazu genötigt werden, eine Aktie zu kaufen (von der sie in 99,8 Prozent der Fälle noch nie etwas gehört haben), löschen Sie diese ganz einfach und vergessen Sie das Ganze.
Eigentlich ein ganz schneller Vorgang.... wenn da nicht die verlockenden Gewinn-Aussichten wären, die sich die Spezis dieser Spezies einfallen lassen. Aber wie gesagt: So lange Sie die Quelle der Super-Gewinn-in-14-Tagen-Mail nicht kennen, löschen Sie sie einfach. Sollten Sie den Absender kennen, dann gibt es bestimmt auch die Möglichkeit, den jeweiligen Analyst zu erreichen. So einfach ist das. Noch eine weitere Kuriosität, die vor einigen Jahren zwar noch viel schlimmer war... aber jederzeit wieder aufleben könnte, ist folgende:
Falls Sie mal in sogenannten Aktienboards oder Internet-Foren stöbern und dort auf Sätze stoßen wie: "R2D2-Explorer kurz vor der Explosion" oder "jetzt kommt die nächste Granate" dann gucken Sie sich dort einmal den Kampf zwischen Pushern (wollen den Kurs hochprügeln) und Bashern (wollen den Kurs niedriger halten) an und lachen dann einmal herzlich drüber.
Meist ist es übrigens so, dass die Pusher überwiegen, sich gegenseitig kennen und die Leser zu einem Aktienkauf animieren wollen.
Was ich persönlich recht drollig finde, ist, dass sich die Teilnehmer ("Member") in den Boards streckenweise gegenseitig in super-marktengen Werten dann auch noch ein wenig Chartanalyse um die Ohren bzw. Augen hauen. Dies macht dann überhaupt keinen Sinn mehr und ist auch nicht schön anzusehen. Denn wenn ein Wert durch ein paar Transaktionen (oder entsprechende Empfehlungen der Aktienpusher) in die ein oder andere Richtung gedreht werden kann, macht natürlich eine Chart-Analyse, die schlussendlich auf mathematischen Regeln basiert, keinen Sinn.
Also: Natürlich gibt es an der Börse immer wieder ganz außergewöhnliche Chancen. Doch jeder Chance steht ein Risiko gegenüber... besonders bei Tipps, die Sie eigentlich gar nicht haben wollten.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helga Carlberg (29.03. 2011 11:25 Uhr):
Lieber Herr Firley, Sie sprechen mir aus der 'Seele', nur kommen gerade häufig über den Investor Verlag genau solche mails über genau den richtigen Tip (nie gehört) und sehr oberschlaue genau 'gewusst wie', Ihre Infos lese ich sehr gern, die heben sich deutlich ab von den übrigen meistens heraufbeschworenen Negativszenarien, nach dem Motto folgen Sie uns jetzt oder Ihr Vermögen ist verloren und dann soll wieder ein Lesedienst verkauft werden...über Angst erzeugen, ganz schlecht. Beste Grüsse H. Carlberg
Antworten - Kommentar von Mike MUC (29.03. 2011 18:13 Uhr):
„Falls Sie mal ... auf Sätze stoßen wie: 'R2D2-Explorer kurz vor der Explosion' oder ’jetzt kommt die nächste Granate' ...” Schon witzig Herr Firley, dass direkt unter Ihrem treffenden Artikel der angebliche smart-grid-vertausendfacher beworben wird! Übrigens auch komisch, wenn sowas zuerst als zeitlich limitiertes Angebot daherkommt, dann nur noch wenige Plätze frei sind und irgendwann hört und sieht man gar nichts mehr davon - auch bei Ihrem Verlag... Man muss Ihnen zugute halten, dass Sie sich von manchen schon distanziert haben.
Antworten - Kommentar von Manfred (31.03. 2011 11:06 Uhr):
Sehr geehrer Herr Firley, den bereits abgegebenen Kommentaren kann ich mich nur anschließen. Was da hinter Ihren und den Artikeln Ihrer Kollegen (meist wirklich lesenswert) an reisserischen Anzeigen zu finden ist, disqualifiziert sich von selbst. Dass die zuständigen Leute den Widerspruch in sich selbst nicht merken: Wer Ihre Börsenbriefe gelesen hat, kann doch gar nicht mehr so dumm sein, darauf hereinzufallen! Beste Grüße, Manfred Tischler
Antworten - Kommentar von Jan van de Sluis (03.04. 2011 17:28 Uhr):
Hallo Herr Firley, bei uns in der Firma kommt ab und zu eine ungefragte FAX vom Swiss Money Report. darin steht auch immer eine Aktie die innerhalb die nächste 5 Tage nach oben schießen wird. Nun hat mir jemanden den folgenden Tip gegeben: sofort kaufen, par Prozent mit gehen und verkaufen. Habe ich letzlich gemacht und mir ein schöne kleine Beute in 3 Tage erwirtschaftet. Hätte hätte, wäre noch mehr gewesen aber daran soll man nicht denken. Ich glaube daran dass dieser Fax dermaßen viel Kauflaune erzeugt das vielen mitmachen, bis "der Welt" entdeckt , dass nichts dahinter steckt und alles wieder zusammen bricht. Letzte Woche war ich geschäftlich in Spanien, da lag bei der rezeption des Hotels der gleiche Fax mit der gleiche Empfehlung. Wenn ein Million Europäer erreicht werden... Was halten Sie davon? Freundlichen Grüßen, Jan van de Sluis
Antworten
