Die drei Teile der Welt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 25. Mai 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Mundus est omnis divisa in partes tres.
In dem einen Teil kann man am besten leben. Ein anderer Teil ist am besten, um Geld zu verdienen. Und der dritte ist der beste Teil, es zu verlieren.
Der eine Teil ist die alte Welt, in der die Büros meines Newsletters sind – Europa. Es ist wie ein Museum, sagen meine Freunde. Es ist erstarrt, sagen die Wirtschaftler. Es ist politisch und militärisch nicht von Bedeutung, sagen die Neokonservativen. Es weigert sich, sich zu verändern, beklagen die Weltverbesserer. Aber genau das mag ich an Europa. Europa hat nur wenige der Tugenden, die ich verabscheue und viele der Laster, die ich schätze. "Die Franzosen sind zynische Spötter", sagen die Kritiker. "Stimmt, die Franzosen sind zynische Spötter", sage ich bewundernd. Die alte Welt ist der beste Teil, um dort zu leben. Das Essen ist gut. Es gibt wenig Polizei. Man darf noch rauchen. Man darf schnell fahren. Steuerminderung ist kein Verbrechen. Die Frauen sind hübsch. Die Städte sind bezaubernd. Die Landschaft ist anziehend. Und man muss nicht die Schuhe ausziehen, wenn man in ein Flugzeug einsteigen will.
Es gibt eine Zeit und einen Ort für alles. Der beste Ort, sein Geld zu verlieren, ist die Neue Welt. Immer noch werden die Aktien mit historisch hohen KGVs gehandelt. Immer wenn sie so teuer sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Käufer damit noch Geld verdienen werden ... und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie es verlieren werden. Auch die Häuser sind teuer. Es gibt an beiden Küsten eine Immobilienblase. In Kalifornien sind die Anträge für Immobilienzulassungen in nur zwei Jahren um 200 % gestiegen. In Washington steigen die Wohnkosten doppelt so schnell wie im nationalen Vergleich ... und die Immobilienspekulanten sind so jung, dass sie keine Ahnung haben, was sie tun; sie waren noch in der Highschool, als die Technologieblase platzte. Sogar Alan Greenspan sagt, er sei besorgt über den Aufruhr am Immobilienmarkt.
Der beste Ort, um Geld zu verdienen ist der Ferne Osten. Während das amerikanische Imperium seine Hochzeit bereits hinter sich hat ... wächst ein anderes immer schneller. In Shanghai werden die höchsten Gebäude errichtet, die größten Flughäfen der Welt, die schnellsten Schwebebahnen (268 mph) Die Wirtschaft wächst mit 13 % jährlich – fast viermal so schnell wie in Amerika. Und das ist reales Wachstum – nicht nur ein bloßer Anstieg des Verbrauchs. Auch Shanghai erlebt eine Immobilienblase, laut eines Berichts bei Bloomberg. Die Preise steigen in den Himmel, allein im letzten Quartal um 19 %. Der chinesische Immobilienmarkt wird wahrscheinlich explodieren – ebenso wie der Amerikas.
Aber es gibt einen Unterschied. Shanghai hat schon heute eine Population von 17 Millionen – und weitere Millionen kommen vom Land. Es ist wie New York zu Zeiten der größten Zuwanderung am Ende des 19. Jahrhunderts. Auf verschiedene Weise ist China Amerika ähnlich ... als das Land noch jung und widerstandsfähig war ... als die Leute noch Fabriken bauten ... bevor man den Belastungen, Versprechungen und Täuschungen des Imperiums zum Opfer fiel. In China glauben die Leute auch heute noch, dass sie arbeiten, sparen und investieren müssen, um reich zu werden.
Einer Immobilienkrise in China folgt wahrscheinlich ein weiterer Boom. In Amerika wird einer Immobilienkrise eine lange Zeit der Stagnation und des Abstiegs folgen. Die amerikanischen Löhne steigen nicht bemerkenswert, ich wüsste auch nicht, warum sie sollten. Im Gegensatz dazu steigen die Löhne in China jedes Jahr um 10 %, und es gibt noch viel Raum nach oben hin.
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