Die Dow-Theorie
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 6. Oktober 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen und Leser,
hoffentlich haben Sie ein erholsames langes Wochenende verbracht und konnten sich etwas von der Börsen-Achterbahn der Vorwoche erholen.
Die Nachrichten des Wochenendes bezüglich der Vertrauenskrise kann man ja leider nur als niederschmetternd bezeichnen. Von der Verabschiedung des vieldiskutierten US-Rettungspakets spricht heute keiner mehr. Die erste Reaktion der US-Märkte war ja nicht gerade überzeugend, obwohl es sich hier auch um die pure Angst vor dem Wochenende gehandelt haben könnte.
Die großen Indizes verlassen ihre Abwärtstrendkanäle - nach unten
Charttechnisch ist es heute nicht hilfreich, dass praktisch alle großen Indizes ihre Abwärtstrendkanäle nun nach unten verlassen. Um nicht weiter im Blut zu rühren, will ich heute hier ausnahmsweise gar nicht von den Indizes der Nebenwerte sprechen. Denn die sehen, diplomatisch ausgedrückt, nicht gerade toll aus. Wahrscheinlich werden nun die meisten Indizes bis in den Bereich ihrer Korrekturen zwischen den Jahren 2004 und 2006 gedrückt. Beim DAX z.B. wäre dies die Gegend von 5.250 und beim TECDAX ca. 600 Punkte. Erst dort sehe ich wirklich tragfähige Unterstützungen. Aber vielleicht geschieht ja auch wieder ein Wunder ähnlich nach der Finanzkrise des Jahres 1998. Damals schwappte die überbordende Liquidität zurück in Aktien, da damals der Rentenmarkt ähnlich wie heute stark überbewertet war. In diesem Herbst 1998 wurde inmitten der Hedgefonds-Krise der Grundstein für die Hausse des Jahres 2000 gelegt....aber auch für die folgende Internet-Blase. Geschichte wiederholt sich selten, aber eine Börsenregel bleibt bestehen. Die höchste Wahrscheinlichkeit haben die Szenarien, die die kaum einer auf der Pfanne hat". Und das ist eine starke Kurserholung. Ich würde mich nicht wundern, wenn der DAX das Jahr oberhalb von 6.100 Punkten beenden würde.
Wegen der derzeitigen extremen Volatilität der Märkte, in der sich Engagements eigentlich verbieten, will ich heute nicht das Tagesgeschehen diskutieren. Vielmehr will ich die Gelegenheit nutzen und Ihnen einen Konjunktur-Indikator vorstellen, den Dow-Jones-Transport-Index. Dieser Indikator ist in etwa 8 von 10 Fällen ein guter Wegweiser für die US-Konjunktur - und damit auch ein Börsenindikator! Gerade Nebenwerte-Investoren sollten den Dow-Jones-Transport-Index (DJTA) gut beobachten, da ja die Small-Caps" sehr empfindlich auf konjunkturelle Änderungen reagieren.
Um den DJTA zu verstehen, ist es jedoch wichtig, etwas über die Dow-Theorie zu wissen, die ich ihnen hier in groben Zügen vorstelle.
Die Dow-Theorie
Die bahnbrechende Dow-Theorie wurde bereits im Jahre 1884 vom legendären Mitbegründer von Dow-Jones & Company veröffentlicht. Charles Dow hat mit seinen Beobachtungen das bis heute gültige Fundament der technischen Analyse konstruiert. Bis zum heutigen Tage verwenden die allermeisten Charttechniker die Ideen von Dow, auch wenn sie das gar nicht wissen. Die wichtigsten Thesen der Dow-Theorie:
1. Die Indizes diskontieren alles
Damit stellte Dow fest, dass das gesamte Wissen der Börsenteilnehmer zu jeder Handelssekunde in den Kursen enthalten ist. Es gibt keinen Grund, den Indizes etwas hinzuzufügen. Sowohl die Vergangenheit, als auch die Vermutungen über die Zukunft, sind stets eingepreist".
2. Jeder Trend hat drei Phasen
Dow war davon überzeugt, dass sich ein Trend in drei untergeordnete Trends untergliedert. Er differenzierte zwischen dem primären Haupttrend, der sich wiederum in die Akkumulationsphase, die Phase der öffentlichen Beteiligung und die Distributionsphase aufgliederte. In der Akkumulationsphase kaufen die sehr gut informierten, die hartgesottenen" also. In der Phase der öffentlichen Beteiligung kauft die breite Masse, und in der Distributionsphase werden die Stücke bereits wieder umverteilt. Hier verkauft das so genannte smart-money" bereits allmählich seine Aktien an die ewigen Optimisten und die Nachzügler.
3. Die Indizes müssen einander bestätigen
Auf diesen Punkt will ich kurz wegen seiner derzeit hohen Aktualität eingehen.
Zum Verständnis dieser These muss man wissen, dass Charles Dow die ersten beiden Aktienindizes überhaupt entwickelte. Seinen ersten Index veröffentlichte er im Jahre 1884, der sich aus den Schlusskursen von 11 Aktien zusammensetzte. Es handelte sich um neun Eisenbahngesellschaften und um zwei industrielle Produzenten. Dow war der Meinung, dass diese 11 Firmen die Wirtschaft der damaligen USA gut widerspiegeln würden, änderte seine Meinung dazu aber im Jahre 1897. Er entschied, dass zwei separate Indizes die Wirtschaft besser darstellen würden und entwickelte einen Industrie- und einen Transportindex. Der allgemeine Industrieindex enthielt 12 Werte, der Transportindex 12 Eisenbahn-Aktien. Der Industrieindex wurde später übrigens auf 30 Werte erweitert und gilt bis heute als das wichtigste Barometer der Welt, der Dow-Jones.
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