Die deutsche Telekom mit Rekordverlust
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 10. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Deutsche Telekom (WKN 555750) hat im Geschäftsjahr 2002 einen Konzernfehlbetrag von 24,6 Mrd. Euro zu verbuchen. Das ist der größte Fehlbetrag in der deutschen Firmengeschichte. Ein Jahr zuvor hatte der Verlust nur 3,5 Mrd. Euro betragen. Die Telekom begründete die Höhe des Fehlbetrages mit hohen außerplanmäßigen Abschreibungen. Allerdings hatte die Deutsche Telekom bereits nach 9 Monaten des letzten Jahres am 14. November 2002 einen Verlust von 24,5 Mrd. Euro ausgewiesen. So gesehen waren die heutige Zahlen keine wirklich negative Überraschung.
Die anderen Konzern-Zahlen zeigen zudem ein besseres Bild: So konnte die Deutsche Telekom den Konzernumsatz im Jahr 2002 deutlich um 11 % auf 53,7 Mrd. Euro steigern, nach 48,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Das Konzern Ebitda ohne Sondereinflüsse konnte im Gesamtjahr um 7,8 % auf 16,3 Mrd. Euro gesteigert werden, nach 15,1 Mrd. Euro im Vorjahr. Die Zahl übertraf die von den Analysten erwarteten 16,12 Mrd. Euro. Der Free-Cash-Flow ist zugleich auf 4,8 Mrd. Euro nach 1,1 Mrd. Euro im Vorjahr gestiegen.
Währenddessen konnte der Konzern die Netto-Finanzverbindlichkeiten im Vergleich zum dritten Quartal 2002 von 64,3 Mrd. Euro auf 61,1 Mrd. Euro reduzieren, immerhin um 3,2 Mrd. Euro. Sollte dies in dem Rahmen weiter gehen, sind die angepeilten 50 Mrd. Euro Ende des Jahres durchaus wahrscheinlich.
Allerdings betonte Telekomchef Ricke, dass er zwar mit Druck den Sparkurs fortsetzen wolle, aber dabei nicht den Fehler begehen werde, sich kurzfristig gesund zu sparen und mittelfristig zu Tode zu schrumpfen. Vielleicht ein kleiner erster Hinweis darauf, dass die 50 Mrd. Euro doch nicht geschafft werden? Ich denke, dass ist zuviel hineingedeutelt.
Ein wichtiger Umstand: Die Telekom hat die Schulden in Dollar. So hat die anhaltende Schwäche des Dollars sich auch positiv auf den Schuldenabbau ausgewirkt. Hier drängt sich natürlich die Überlegung auf, dass eine langfristige und heftige Inflation des US-Dollars der Telekom nur zu Gute kommen würde.
Beim Ausblick auf 2003 hielt sich die Deutsche Telekom bedeckt.
Die Tochtergesellschaften entwickelten sich im Geschäftsjahr 2002 unterschiedlich. Der Mobilfunk-Bereich T-Mobile und der Internet-Anbieter T-Online konnten Zuwächse beim Ebitda verzeichnen, während die Festnetz-Sparte T-Com und der IT- und Telekom-Dienstleister T-Systems Rückgänge zu verbuchen hatten.
Besonders deutlich war das Wachstum bei T-Mobile Das Ebitda stieg um über 60 % auf 5,0 Mrd. Euro. Auch der Umsatz legte um knapp 35 % auf 19,7 Mrd. Euro zu. Schlusslicht war die Festnetz-Sparte, hier brach das Ergebnis um 8,9 % auf 9,9 Mrd. Euro ein.
Eigentlich erfreuliche Zahlen, die meine These, dass der Telekommunikationssektor zunächst einmal die Tiefs hinter sich hat, bestätigen. Beachtlich ist, dass die Telekom angesichts der allgemeinen Flaute den Umsatz steigern konnte. Sie wissen, die meisten Firmen steigern ihre Gewinne durch Kostensenkungen, müssen aber Umsatzeinbußen hinnehmen. Hier zeigt sich, dass die Telekom durchaus das Potential hat, sich von der Schuldenlast zu befreien. Ende des Jahres werden wir wissen, wie weit dieses Ziel dann erreicht ist.
Die heutigen Kursabschläge sind den Analysten ein Rätsel. Begründet wird dieser Abschlag damit, dass vielleicht einige doch mit noch besseren Zahlen gerechnet haben. Die Deutsche Telekom verliert 7,18 % auf 9,40 Euro. Ich bleibe dabei, spätestens mit Beginn eines Irakkriegs kaufenswert. Im Moment genau beobachten und abwarten.