Die Debatte um Kalifornien und Griechenland
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Februar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Sagt Trichet zu Griechenland: Sollen die doch verrecken...
Sagt Obama zu Kalifornien: Ähhh....
Tags darauf haben die Aktien des Dow 103 Punkte verloren. Auf mich wirkte das wie eine Bestätigung. Der Aktienmarkt scheint in der nächsten und finalen Phase angekommen zu sein.
Gleiches scheint man auch bei AP zu glauben.
Probleme aus allen vier Himmelsrichtungen
Die Aktienmarktanleger sehen aus allen Richtungen Bedrohungen auf sich zukommen", heißt es in der Schlagzeile.
Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, den Artikel zu lesen. Ich kenne die Richtungen schon.
Aus dem Norden befürchten die Anleger die sinkende Verbrauchernachfrage. Die Verbraucher stecken in Schwierigkeiten - sie haben mehr Schulden, weniger Einkommen, weniger Arbeitsplätze und weniger Zugang zu Krediten. Die einzige Nachricht, die ich von dieser Front habe, ist, dass heute sogar die Jumbo-Immobilienkredite faul werden... die Zahlungsverzüge sind auf 9,6% gestiegen.
Von Osten her machen sich die Verbraucher Sorgen wegen der fortgesetzten Invasion billiger Verbrauchergüter und billiger Dienstleistungen. Chinas Wirtschaft soll in zweistelligen Raten wachsen. Wie können die amerikanischen Firmen da in den Wettbewerb treten? Und was ist, wenn China sich in einer Blase befindet, wie Jim Chanos glaubt? Wenn diese Blase in die Luft geht, dann werden die amerikanischen Aktien auch in den Keller gehen.
Aus dem Süden kommt die Bedrohung durch höhere Zinssätze. Die armen Irren denken, dass diese Erholung womöglich echt ist. Wenn das so wäre, würde die Inflation steigen und die Regierungsvertreter werden die Zinssätze anheben... und damit womöglich einen neuen Boom im Keim ersticken.
Und was haben sie von Westen her zu fürchten? Nun, da ist diese Sache in Europa. Wissen Sie, Griechenland und all das. Die PIIGS - Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien... Europas Länder am äußeren Rand - befinden sich in Schwierigkeiten. Kreditgeber befürchten, dass sie auf ihren Schulden sitzen bleiben. Deswegen verlangen sie höhere Zinssätze. Das lässt die Staatsfinanzen natürlich nur noch schlimmer werden... und treibt die PIIGS noch schneller in eine Pleite.
Die PIIGS sind 2 Billionen Dollar schuldig, die vermutlich umstrukturiert werden müssen. Ja, liebe Leser, das Problem mit den Staatsschulden ist gewaltig. Viel größer als das Problem mit Bear Stearns, Lehman Bros. und AIG. Aber das größte Problem stellen immer noch die Vereinigten Staaten dar. Ihre Staatsschulden sind fünfmal so hoch wie die der fünf PIIGS-Staaten zusammen.
Die Anleger werden nicht lange rechnen müssen, um dahinter zu kommen, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen den Finanzen Griechenlands und denen der Vereinigten Staaten gibt. Jedes Land hat ungefähr die gleiche Menge an Schulden und Defizite von ungefähr der gleichen Größe, wenn man das jeweilige Bruttoinlandsprodukt als Vergleichsgröße wählt. Das Problem ist, dass die Vereinigten Staaten letzten Endes die Währung kontrollieren, in der die Schulden bemessen werden. Das gilt weder für Griechenland noch für Kalifornien.
Sowohl Kalifornien als auch Griechenland leihen langfristig zu ungefähr dem gleichen Zinssatz von ungefähr 6%. Die Kreditgeber wissen, dass wenn sie mit dem Rücken an der Wand stehen, die Regierungen nur zwei Möglichkeiten zur Wahl haben und nicht drei. Sie können die Ausgaben einschränken. Oder sie können Konkurs machen. Aber sie können sich nicht aus ihren Verpflichtungen herausmogeln, indem sie ihre Währung inflationieren.
Jean Claude Trichet hat das bereits klargestellt:
Wenn man zur Eurozone gehört... dann hat man ein einfaches Mittel, das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Man teilt eine Währung, die glaubwürdig ist, so dass man eine Finanzierungsqualität hat, die einer glaubwürdigen Währung gerecht wird."
Er fuhr fort und erklärte, dass Griechenland nur ungefähr 3% zum Gesamtertrag der Euro-Zone beiträgt. Wenn es hart auf hart kommt, dan wird man Griechenland eher vor die Tür setzen, als zuzulassen, dass der Euro geschwächt wird.
Dann griff Mr. Trichet zu einem widerwärtigen Vergleich. Kalifornien macht einen wesentlich größeren Teil der amerikanischen Wirtschaft aus, als Griechenland in der Euro-Ökonomie. Um genau zu sein, ist dieser Anteil viermal so groß. Werden die Vereinigten Staaten Kalifornien zur Hilfe kommen? Mr. Trichet hat diese Frage nicht beantwortet.
Tritt Obama in Fords Fußstapfen?
Es ist natürlich möglich, dass Mr. Obama zum Golden State genau das sagt, was Gerald Ford zum Big Apple sagte. Als New York City 1975 mit dem Rücken zur Wad stand, hat man in Washington um Hilfe gebeten. Sagt Ford zu New York: Sollen die doch verrecken", war eine berühmte Schlagzeile der New York Daily News, die über die Antwort des Präsidenten berichtete.
Die New Yorker waren aufgebracht. Später stellten sie fest, dass Präsident Ford durch die Entscheidung, eine Rettung mit einem Veto zu verhindern, der Stadt einen großen Gefallen getan hatte. Er hat New York dazu gezwungen, die Sache in Ordnung zu bringen. Die Stadt steuerte auf ihre größten Jahre zu. Genauso würden die Regierungsvertreter uns allen einen Gefallen erweisen, wenn sie ermöglichten, würdig zu scheitern.
Wird Obama Kalifornien dabei helfen, die Sache in Ordnung zu bringen? Oder wird er Kalifornien in einen Zombie-Staat verwandeln?
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