Die Crux mit dem Allzeithoch
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 23. April 2007 18:00 Uhr
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Ja, jetzt ist auch in den Medien immer mehr von den Allzeithochs der verschiedenen Indizes zu hören. Einige von Ihnen werden sich sicherlich noch an das Allzeithoch des Dow Jones erinnern. Damals schon hatte ich viel über die Anziehungskraft solch markanter Linien geschrieben. Wir schauen uns dazu noch einmal den Chart des Dow Jones an.
Im Mai 2006 lief der Dow Jones an sein Allzeithoch, erreichte es jedoch nicht ganz. Schon 80 Punkte vorher, bei 11.670 Punkten, drehte der Dow Jones ab und ging in eine längere Konsolidierungsphase über. Es stellt sich nun die Frage, ob eine solche Entwicklung auch im S&P500 oder im DAX zu erwarten ist. Dazu müssen wir überlegen, wie es zu einer solchen Entwicklung kommt.
Die Art und Weise, wie eine wichtige Marke erreicht wird
Wenn zu viele Marktteilnehmer eine wichtige charttechnische Marke wie ein solches Allzeithoch erkennen und nicht davon ausgehen, dass diese Marke überwunden wird, dann werden sie natürlich schon anfangen ihre Position zu verkaufen, bevor diese Marke erreicht wird. Das kann dazu führen, dass die entscheidende Linie erst einmal verpasst wird.
Wenn aber die meisten Markteilnehmer derart skeptisch sind, dann ist das nach den antizyklischen Lehren bullish zu werten. Aus diesem Grund ist oft die Tatsache, dass eine solche Marke zunächst nicht genau getroffen wird, die Kurse also bereits deutlich unterhalb stoppen, ein Hinweis darauf, dass diese Marke dann in einem zweiten Anlauf genommen wird. So war es dann auch 2006 im Dow Jones (siehe Chart).
Noch genügend Skepsis vorhanden
Auch im Moment merke ich unter meinen Kollegen eine „gesunde“ Skepsis, ob die Märkte noch wirklich weiter nachhaltig steigen können. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass das Allzeithoch im DAX nachhaltig überwunden wird. Zudem kennen wir das alte Sprichwort: "Sell in May and go away!" (Verkaufe im Mai und lass die Märkte Märkte sein.)
Wird es also auch in diesem Jahr im Mai unterhalb oder an dem Allzeithoch im DAX zu einer längeren Konsolidierung kommen? Das ist die im Moment entscheidende Frage.
Vergleichen wir also einmal die Konsolidierung im Dow Jones 2006 mit der Konsolidierung DAX 2007:
Sie sehen, dass die Konsolidierung des Dow Jones im Mai 2006 eine große Ähnlichkeit zu der des Dax im März 2007 aufweist. Das spricht dafür, dass wir in diesem Jahr die Konsolidierung bereits gesehen haben.
Sollte also der DAX somit sein Allzeithoch ähnlich dynamisch durchlaufen wie der Dow Jones im zweiten Versuch Ende 2006? Natürlich ist das durchaus denkbar. Aber, wie ich schon geschrieben hatte, mir gefallen die fundamentalen Umstände zurzeit nicht. Wenn der Dollar weiter fällt, wenn die Inflation weiter anzieht, dann besteht die Gefahr, dass die Fed die Zinsen weiter anheben muss. Die Sorge darum wird den Markt belasten.
Das wahrscheinlichste Szenario nach einem Ausbruch
Aus diesem Grund ist ein anderes Szenario wahrscheinlicher: Wir laufen an die Allzeithochs im S&P500 und im DAX und gehen dann im Bereich dieser Marken in eine volatile Seitwärtsbewegung über. Ich will hier gar nicht die Amplitude dieser Seitwärtsbewegung festlegen. Es kann sich hierbei um mehrere 100 Punkte handeln. Wichtig ist, wie eine solche volatile Seitwärtsbewegung aussehen kann. Wir haben so eine Entwicklung schon einmal Bereich der 5000 Punkte-Marke im DAX erlebt:
Sie sehen, der DAX kämpfte mehrere Monate mit dieser wichtigen Marke, nachdem er sie zunächst ziemlich genau getroffen hat. Auch damals glaubten viele nicht, dass der DAX diese Marke nachhaltig und langfristig überwinden könnte.
Dann wird es im Herbst kritisch
Es gibt jedoch einen kleinen Unterschied zwischen damals und heute. Nehmen wir an, der DAX steigt weiter an oder über sein Allzeithoch. Zum Verfallstag Mitte Juni erreichte er ein neues Hoch, das vielleicht sogar über dem Allzeithoch liegt und läuft dann mehrere Monate bis Ende September ähnlich volatil seitwärts, wie zuvor an der 5000er Marke. Wenn wir dann noch davon ausgehen, dass im Herbst erste US-Analysten anfangen, ihre Zweifel zu äußern, ob die US-Unternehmen ihre Jahresprognosen erfüllen werden, dann könnte der Herbst sehr kritisch werden. Schließlich haben wir schon lange keinen massiven Einbruch mehr im September/Oktober gesehen.
Das ist natürlich nur eines der möglichen Szenarien. Zunächst einmal muss der Nasdaq100 seine 1850 Punkte-Marke nachhaltig überwinden. Der Dow Jones zumindest hat sein letztes Hoch am Freitag rausgenommen, somit ist der Weg eigentlich frei. An den Allzeithochs wird es auf jeden Fall sehr spannend werden!
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens


