Die Chinesen stehen unter Druck ...
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. September 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Schauen wir uns auf der Welt um und fragen, was dort passiert. Nirgends ist gerade mehr los als in China, wo das BIP viermal schneller gewachsen ist als in den USA.
Noch ist die chinesische Wirtschaft fast so abhängig von der amerikanischen Nachfrage wie die US-Wirtschaft. Vergessen Sie nicht, dass die letzte Blase auf das Dollar-Standard-System zurückzuführen war.
"Die Befürchtungen steigen, dass China sich überhitzt," berichtet die Financial Times besorgt.
"China ist alarmiert von dem Zustrom spekulativen Kapitals," steht im People's Daily.
Und auf der ganzen Welt beginnen die politischen Führer, sich über China zu beschweren. "Unfair," sagen sie zur chinesischen Politik, sein Geld an den Dollar zu koppeln. Fast 10 Jahre lang haben die Chinesen zuverlässig 8,3 Yuan pro Dollar gewechselt. Jetzt, wo die eigenen Wirtschaften Wettbewerbsprobleme haben, denken die Finanzminister der anderen Länder, vor allem der USA und Frankreich, China verhalte sich ungerecht.
Sowohl der politische als auch der wirtschaftliche Druck hinsichtlich einer Aufwertung des Yuan nimmt zu. Das kann passieren. Würde es das Ende der aktuellen chinesischen Blase bedeuten?
Nicht notwendigerweise. Wie wir am Donnerstag ausführten, würde sogar ein großer Anstieg des Yuan nicht Chinas Vorteil billiger Arbeitskraft vernichten. Tatsächlich könnte ein teurerer Yuan sogar helfen, die Blase zu verlängern.
Mitte der 80er Jahre war Japan die schnellstwachsende Wirtschaft der Welt. Wie China heute, zog Japan damals den Neid der Welt auf sich. 1985 stand Japan bei einem Treffen der Finanzminister der Welt in New York im Zentrum der Aufmerksamkeit; sie wollten, dass Japan seine Währung gegenüber dem Dollar anhebt.
Die Auswirkungen waren so unerwartet wie dramatisch. Zuerst strauchelte die japanische Wirtschaft. Plötzlich waren ihre Produkte fast 50 % teurer auf dem Weltmarkt. Zurückschlagend taten die Japaner das, was Greenspan gerade tut – sie senkten die Zinsen und vereinfachten die Bankgesetze. Ein paar Monate später boomte das ganze Land wieder. ... und zog Milliarden ausländischen spekulativen Kapitals an. Das Ergebnis war eine genauso absurde Blase wie die amerikanische Tech-Blase Ende der 90er Jahre. Japans Blase platzte schließlich im Januar 1990, die amerikanische fast genau 10 Jahre später.
Nun ist China an der Reihe.
Chinesische Aktien wie asiatische Aktien im allgemeinen sind noch relativ günstig ... und noch immer unterrepräsentiert in amerikanischen Portfolios. Der typische Fondsmanager zeichnet 50 % des Portfolios mit US-Aktien. Nur 11 % wird in Asien investiert, das – wie Mark Faber betont – bereits der stärkste Wirtschaftsblock der Welt ist mit einer Bevölkerung von 3,6 Mrd. Menschen und den besten Wachstumsaussichten der Welt.
"Ich denke, dass die Investoren mindestens 50 % ihres Geldes in Asien investieren sollten," folgert Faber. "Dort sind die Werte viel günstiger und die Wachstumsaussichten viel besser als in den USA."
Also, bitte: Kaufen Sie China. Aber vergessen Sie nicht, bald wieder zu verkaufen ... so lange die Ausgänge noch klar sind.
Eric, was gibt's von Dir?