Die Bullen kommen zurück
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 22. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Die Märkte gefallen mir wirklich gut. Die Umsätze ziehen bei steigenden Kursen an. Der Gesamteindruck wird bullisher. Gestern nun hat der Nasdaq100 seinen seit Anfang des Jahres bestehenden Abwärtstrend nach oben gebrochen. Dass dabei ein Umsatzhoch erzielt wurde, bestätigt diesen Bruch. Sollte sich dieser Bruch in den nächsten Tagen als nachhaltig erweisen, dann ist charttechnisch der weitere Weg nach oben offen. Bis auf über 1300 Pkt könnte der Nasdaq100 dann steigen.
Der Dax hat heute auch die wichtige Marke 3300 endgültig nach oben gebrochen (Im Hoch stand der Dax bei 3337,34 Pkt). Hier sollte der Weg bis zur 3443,5 Pkt Marke jetzt frei sein, das war das Hoch am 6.11.02. Die von so vielen angedachte SKS (Schulter-Kopf-Schulterformation) wird ein wenig unwahrscheinlicher, damit auch die tiefen Kursziele dieser SKS. Sollte der Dax es schaffen die 3443,5 Punkte nach oben zu brechen, dann halte ich die von mir Mitte Oktober bereits angedachten Kursziele für den Dax von 3700–3900 Pkt für sehr realistisch.
Viel wird gerade auf das Euro/Dollar Verhältnis spekuliert. Die meisten Trader gehen davon aus, dass es mittelfristig zu einem Zusammenbruch des Dollars kommt und damit der Euro weiter steigen wird. Während bei Einführung des Euros noch überall Stimmen vor einem zu schwachen Euro gewarnt haben, wird nun die Angst vor einem zu starken Euro größer. Ein starker Euro ist für die deutsche Wirtschaft nachteilig. Die Gefahr, dass der Dollar immer weiter absackt ist derzeit groß. Die niedrigen Zinsen, das Defizit im US Haushalt und andere Faktoren sprechen dafür, dass der Dollar weiter sinken wird. Die guten Wirtschaftsdaten der letzten Wochen hatten allerdings für eine kurzfristigen Anstieg des Dollars gesorgt. Hier sollte man nichts überstürzen und die weitere Entwicklung abwarten. Im Moment befindet sich der Euro noch in einer Spanne zwischen 0,96 und 1,02. Es empfiehlt sich zu warten, bis die 1,02 deutlich und nachhaltig überschritten wird.
So sehr die terroristischen Anschläge die Welt auch geschockt haben, sie haben auch positive Aspekte. Die Welt rückt zusammen. Anscheinend zeigt sich Russland durch die Geiselnahme im Moskauer Musical Theater beeindruckt und besteht auf eine engere Zusammenarbeit zwischen der Nato und Russland. So wünscht sich Russland, dass die Zusammenarbeit zu einem Fundament einer neuen euro-atlantischen Sicherheitsstruktur werde und eine Allianz gegen den Terrorismus begründe. Ähnliches war auch von den Amerikanern zu hören. Insbesondere will Bush darauf hinweisen, dass die Natoerweiterung sich nicht gegen Russland richte. Russland werde durch die Natoerweiterung ebenfalls profitieren, da sie die Stabilität der Region sichere.
In dem Zusammenhang könnte es auch dazu kommen, dass die Unstimmigkeiten zwischen Amerika und Russland bezüglich eines möglichen Irakkriegs beseitigt werden. Sie wissen, dass Russland Einwände hat. Mich würde es nicht wundern, wenn bei dem geplanten Treffen zwischen Bush und Putin auch dieses Thema erörtert werden wird. Ich halte einen Irakkrieg immer noch für sehr wahrscheinlich, aber frühstens erst im nächsten Jahr. Bis dahin haben die Märkte noch Zeit.