Die Brille von Alan Greenspan
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. September 2003 18:00 Uhr
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Die "Märkte reagierten nicht", auf die wichtige Rede von Alan Greenspan am letzten Freitag, so ein Reuters-Bericht. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sie keine Ahnung hatten, wovon er sprach. Hätten sie es gewusst, dann hätten die Schlagzeilen anders aussehen können. "Die Rede des Fed-Vorsitzenden führt zu einem selloff bei Dollar-Vermögensanlagen", hätte dann in den Zeitungen stehen können. "Die Investoren geben überteuerte Aktien auf", hätten sie sagen können.
Alan Greenspan verteidigte sich am Freitag in Jackson Hole. Kritiker haben argumentiert, dass der Fed-Häuptling die Spekulationsblase an der Wall Street vor drei Jahren hätte stoppen sollen – bevor sie zu groß wurde ... und dass er auf die Deflationsängste in diesem Jahr überreagiert hat. Die Kritiker meinen, dass der machtvollste Zentralbanker der Welt sich mehr auf bestimmte Ziele und spezifische Formeln verlassen sollte, und weniger auf seine eigene Intuition.
Vor einem Jahr kommentierte ich auch die damalige Rede von Alan Greenspan in Jackson Hole. Auch letztes Jahr verteidigte sich der bekannteste Ökonom der Welt dort – indem er erklärte, dass er eine Spekulationsblase nicht erkennen könnte, bevor sie nicht vor seinen Augen platzen würde. Selbst dann müsse er im Spiegel nach blauen Flecken suchen, um sicherzugehen.
Eine Spekulationsblase ist das übertriebenste und dramatischste Ereignis im Markt ... das Äquivalent in der Politik ist Krieg ... und in der Romantik ist es das sich Hals über Kopf verlieben. Wenn das nicht entdeckt werden kann, bevor es vorbei ist, was dann? Und der Fed-Chef sagt zwar, dass er die Spekulationsblase nicht kommen sah – aber jetzt sieht er klar, dass eine Erholung bevorsteht. Was ist an seiner Brille so besonders, dass sie es möglich macht, positive Entwicklungen zu sehen, die noch weit in der Zukunft liegen mögen, aber nicht negative, die sich direkt vor seiner Nase abspielen?
Wenn die Leute wirklich den tiefen Kontext der Rede von Greenspan verstanden hätten, dann wären sie schon längst in eine Panik verfallen. Weil sie dann nämlich wüssten, dass der Fed-Vorsitzende nicht mehr als der nuschelnde Verkünder des größten Schwindels der Finanzgeschichte der Welt ist. Hier sind wir, am Beginn des 21. Jahrhunderts, und die gesamte Weltwirtschaft hängt davon ab, dass die amerikanischen Konsumenten auch weiterhin die Überschuss-Produktion der Welt für immer aufnehmen können ... und dass Mr. Greenspan sehen kann, wenn die Wirtschaft auf falschem Kurs ist, so dass er schnell reagieren kann, um den Weg in den Reichtum fortzusetzen.
Wenn die Leute wirklich verstehen würden, was vor sich geht, dann wären sie entsetzt und erschrocken. Mr. Greenspan macht seine Arbeit "im Vorbeigehen", basierend auf Theorien, deren Funktionsweise nicht bewiesen ist; er verlässt sich auf Zahlen, die gefährlich irreführend sind und auf Berater, die halsbrecherisch idiotisch sind.
"Dies Rede war ein weiterer Nagel in den Sarg der Ökonometrie und deren Versprechen der Genauigkeit in der Volkswirtschaftslehre", so John Mauldin. "Was Greenspan beobachtet, ist, dass die Modelle der Fed einfach nicht kraftvoll oder robust genug sind, um alles mit einem realen Grad der Gewissheit voraussagen zu können, egal, wie stark uns die Ökonomen versichern, dass das der Fall wäre. Er geht deshalb den Weg zu einer neuen Welt der Unsicherheit, und für diesen aufrichtigen Zugang sage ich Bravo!"
Wenn die Leute wirklich verstehen würden, wie Greenspan und das System des Dollarstandards funktionieren ... dann würden sie ihre Dollarbestände sofort verkaufen und dafür Gold kaufen.
Der Goldpreis ist letzte Woche um 12 Dollar gestiegen. Goldaktien haben durchschnittlich 7,2 % zugelegt.
Jetzt zu meinem Kollegen Eric Fry mit den News von der Wall Street: