Die Blindheit der Manager
Andreas Lambrou (Gastbeitrag) in Investors Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. Juni 2011, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
die Griechenland Debatte hat ihr nächstes Kapitel aufgeschlagen. Mittlerweile sind griechische Anleihen nur noch Monopoly-Geld und stehen maximal noch wenige Wochen davor, endgültig auf die Müllhalde geschoben zu werden.
Ein tatsächlicher Zahlungsausfall Griechenlands würde erneut die Systemrisiken des Euros bestätigen und sofort Spanien, Italien, Irland und Portugal - habe ich noch jemanden vergessen? - ins Kreuzfeuer nehmen. Entsprechende Verteuerungen der Zinslast dieser Staatsanleihen wären unabwendbar und damit könnte der Anfang des Endes vom Euro eingeläutet werden. Soweit die Risiken.
Griechenland für die EU so wichtig wie das Saarland für Deutschland
Andererseits müssen wir bei allen negativen Folgen auch bedenken, dass Griechenland nur 12 Mio. Einwohner hat. Für die EU ist Griechenland also so wichtig, wie das Saarland für Deutschland. Grundsätzlich lässt sich das Problem also durch einen geschlossenen und beherzten Eingriff von Frankreich und Deutschland, innerhalb von wenigen Tagen aus der Welt schaffen.
Doch die Probleme verlagern sich in die Zukunft
Wobei es sich letztlich nur um ein Vertagen der Problematik handelt. Letzten Endes werden auch die finanziell starken Staaten früher oder später einer Vertrauenskrise ausgesetzt sein. Also alle Kernstaaten der EU, die USA, Japan ohnehin und vermutlich als eines der ersten Opfer Großbritannien.
Kein Wunder, dass bei so einem Ausblick auch die Rohstoffe leiden. In der letzten Woche knickte der GSCI Rohstoffindex erstmals seit Mai um fast 5% ein. Vor allem weil vergangene Woche bis einschließlich 15. Juni fast 1 Billion US-Dollar an Anlagegeldern aus diesem Segment abgezogen wurde. Die Flucht in vermeintliche Sicherheit heißt derzeit Schweizer-Franken, Deutsche Bundesanleihen und man höre und staune, der US-Dollar.
Rohstoffe werden eine Neubewertung erleben
Trotzdem halte ich diese Sicht des Marktes für falsch, denn sobald eine globale Leitwährung versagt, werden die Rohstoffe eine Neubewertung erleben. Aus Mangel an Alternativanleihen flüchten Investoren weltweit in die derzeit noch liquiden Obligationenmärkte, die weniger als 3% Zinsen abwerfen. Eine völlige Blindheit der Manager, für die sie ihren Tribut noch zollen werden!
Herzliche Grüße
Ihr Andreas Lambrou
Hinweis: Andreas Lambrou ist Chefredakteur des Börsenbriefs Rohstoff Investor, dem Investment-Dienst für hohe Gewinne mit Rohstoffen, sowie Chefredakteur des Börsendienstes Tiger&Dragon, wo er im Team mit Miriam Kraus die wertvollsten Anlageempfehlungen aus den asiatischen Märkten, in Kombination mit den weltweiten Rohstoffmärkten sondiert. Hier erhalten Sie weiterführende Informationen: Rohstoff Investor und Tiger&Dragon
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