Die Blasen der Zukunft
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Die nächsten Blasen werden vermutlich bei Öl... bei den Rohstoffen, und - nach Ansicht vieler Experten - an den Schwellenmärkten auftreten.
Wir können heute sehen, wie heiße Luft in den Ölmarkt fließt. Barron's berichtet, dass 260 Milliarden in indizierte Rohstoffstrategien geflossen sind - gegenüber nur 13 Milliarden Ende 2003.
Und betrachtet man einen Chart des NASDAQ von 1990 bis 2000, dann erkennen wir etwas uns bekanntes.
Ja, liebe Leser, der Ölmarkt von 1998 bis 2008 sieht dem Dotcom-Markt vor acht Jahren (so wie er mit dem NASDAQ getradet wurde) sehr ähnlich.
Sicher, es gibt viele Gründe, warum man denken könnte, dass Öl immer teurer werden wird. Aber genauso gab es viele Gründe, damit zu rechnen, dass die Dotcoms weiter steigen. Und die Preise von Wohnimmobilien in Miami. Und die Tulpenzwiebeln.
Öl ist etwas anders", höre ich Sie schon sagen. Die Wirtschaft kann ohne Öl nicht funktionieren. Immer mehr Leute kaufen Öl. Die Nigerianer jagen die Pipelines in die Luft. Die Förderung hat den Gipfel überschritten. Die Chinesen horten für die Olympiade... und so weiter.
Vielleicht ist das so richtig. Aber Menschen irren sich, sagte Rosmini. Je mehr Gründe man hat, etwas zu glauben... desto mehr neigt man zur Übertreibung. Und desto trauriger sind die Leute, wenn ihr Glaube sich als falsch herausstellt.
Was die Schwellenmärkte anbelangt, so glaubt Alan Abelson in Barron's, dass auch sie sich im Blasenmodus befinden. Wenn die Weltwirtschaft stürzt, dann werden sie mit ihr zusammen stürzen.
Aber viele Schwellenmärkte sind schon heute gefallen - im großen Stile. Shanghai hat um 50% nachgelassen. Vietnam sogar um noch mehr. Sind das Blasen, die geplatzt sind... und die nicht wieder aufgepumpt werden können? Oder sind das immer noch Blasen, die erst entstehen werden... und die auf den nächsten Schwung heißer Luft warten?
Aus der Zeitung von Dienstag erfuhr ich, dass Vietnam etwas Außergewöhnliches getan habe. Man hat die Goldimporte gestoppt, um das Handelsdefizit zu verringern. Vietnam hat eine Inflationsrate von 25%. Also versuchen die Vietnamesen sich selbst auf eine Weise zu schützen, die die Leute schon immer genutzt haben - indem sie Papierwährungen gegen Gold eintauschen.
Der Verkehr war so dicht, dass die Vietnamesen zum größten Markt für Gold wurden - noch größer als China oder Indien. Und der Druck auf die vietnamesischen Wirtschaft und deren Währung war so groß, dass die Verantwortlichen einen entschlossenen Schritt unternahmen, die Situation noch schlimmer zu machen - indem sie Goldimporte verbaten.
Doch mein Kollege Manraaj Singh geht auch heute noch davon aus, dass Vietnam eine Kaufmöglichkeit ist.
Vietnam's Ho Chi Minh City Aktienindex ist in diesem Jahr mit an der Spitze. Nachdem sie auf dem Weg nach oben geführt haben, hat der Index den Weltmarkt auch auf dem Weg nach unten angeführt. Der Index ist an jedem Handelstag im Mai gefallen und auch Anfang Juni. Er ist jetzt gegenüber dem Jahresanfang um 60% gefallen."
Und das wirft eine einfache Frage auf: Sind wir eigentlich gänzlich bedeppert, dass wir immer noch auf Vietnam stehen?"
Ende Mai hat die Inflation in dem Land die 35% erreicht - das ist das höchste Niveau seit 1992."
Und dann ist da auch noch das Handelsdefizit. Man rechnet mit 15 Milliarden Dollar für die ersten fünf Monate des Jahres. Das ist ein ganz beachtlicher Anstieg gegenüber dem Defizit von 2007 von 12 Milliarden Dollar."
Aber die Bank of Vietnam meine den Kampf gegen die Inflation ernst, sagt er. Sie habe die Zinssätze von 12% auf 14% angehoben - und liege damit immer noch um 10% unter dem Niveau des Verbraucherpreisanstiegs.
Manraaj fährt fort:
"Das war die zweite Anhebung der Zinssätze in nur drei Wochen und es ist der höchste Anstieg in Asien. Die Investoren suchten nach Anzeichen, dass die Regierung das Problem der Inflation ernsthaft angeht und sie haben welche gefunden."
Und was noch besser ist, die Regierung hat darauf hingedeutet, dass man die Zinssätze vielleicht noch weiter anheben wird, um die Inflation bis zum Ende des nächsten Jahres wieder in den Bereich der einstelligen Zahlen zu bringen."
"In Vietnam machen die Lebensmittel fast 43% des Verbraucherpreisindex aus. Und ein Anstieg der Lebensmittelpreise ist ein weltweites Phänomen. Der weltweite Anstieg der Reispreise in diesem Jahr hatte einen gewaltigen Einfluss auf die asiatischen Länder. Auf den Philippinen brauchte man bewaffnete Soldaten, um die Reisvorräte des Landes zu schützen."
Selbst hier in London hat das chinesische Restaurant auf der anderen Straßenseite einen zwischenzeitlichen Aufpreis" von 30p auf alle Reisgerichte erhoben.
Aber Vietnams Finanzminister, Vu Van Ninh, sagt, dass das Land heute ausreichende Vorräte habe, mit denen man einen weiteren Preisanstieg bei den Lebensmitteln verhindern könne, während man nach wie vor im Jahr 4,5 Millionen Tonnen Reis exportiert. Also sollte man in diesem Jahr in Vietnam einen deutlichen Rückgang der Lebensmittelinflation sehen.
Sehen Sie sich doch einfach das andere große Schreckgespenst an, das die internationalen Investoren verschreckt hat - Vietnams steigendes Handelsdefizit. Es ist absolut nicht so düster, wie es klingt. Ganz und gar nicht."
"Vietnams wichtigste Importgüter sind Maschinen und Austattung, Baumaterialien und raffinierte Brennstoffe. All das sind Güter, die entscheidend für die Entwicklung in einem Schwellenland sind. Viele davon müssen immer noch importiert werden, aber das ändert sich schnell.
Viele dieser Kapitalgüter werden genutzt, um die heimische Produktionskapazität zu erhöhen - Fabriken und Infrastruktur. Es wird nicht mehr lange dauern, ehe man in der Lage sein wird, im eigenen Land viel von dem zu produzieren, was heute noch importiert wird. Nehmen wir beispielsweise Stahl. Vietnam ist heute noch ein Importeur von Stahl, aber man geht davon aus, dass man bald ausreichende Produktionskapazitäten haben wird, um den heimischen Konsum zu decken."
Es gibt eine ganze Reihe von Unterschieden zwischen einem Land, das ein Handelsdefizit hat, weil es Equipment und Materialien importiert, um Fabriken, Kraftwerke und Straßen zu bauen - so wie Vietnam, und einem Land, das ein Handelsdefizit hat, weil es süchtig nach importierten Sony Playstations, iPods und billigen Turnschuhen ist.
Auch hier haben wir wieder sehen können, wie sich die weltweiten Märkte mit den steigenden Energiepreisen abkämpfen müssen. Was jedoch nur sehr wenige Menschen wissen, ist, dass Vietnam tatsächlich in Sachen Rohölproduktion ein Selbstversorger ist. Es fehlt lediglich an den heimischen Raffinerien.
Und deswegen musste das Land tatsächlich 100% des Rohöls exportieren und dann als raffiniertes Öl wieder importieren. Das hat auch wesentlich zum Handelsdefzit beigetragen und es ist auch ein großer Antreiber der Inflation. Aber die erste Ölraffinierie des Landes wird im Jahr 2009 den Betrieb aufnehmen - und das sollte einen gewaltigen Einfluss auf die Inflation und das Handelsdefizit haben."
"Vietnams Regierung ist ganz offenslichtlich auf einer steilen Kurve des finanziellen Lernens - vergessen Sie nicht, dass es immer noch ein kommunistisches Land ist - aber sie lernen schnell. Und letzten Endes haben sie gezeigt, dass sie den Willen zum Handeln haben."
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