Die Blase lebt
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Inmitten der Turbulenzen um die größte Finanzkrise seit der großen Depression gibt es ein Papier im deutschen Leitindex, welches völlig losgelöst von der bitteren Realität täglich neue Allzeit-Rekorde erklimmt und alle Rationalitäten sprengt.
VW Stammaktie über 254 Euro
Marktberichten (-gerüchten) zufolge sollen es Short-Eindeckungen gewesen sein, die den irren Anstieg der VW-Stammaktie zusätzlich befeuerten. Und, angeblich sollen es ausgerechnet Shortpositionen von Lehman Brothers sein, die eingedeckt werden müssen. Noch im August diesen Jahres wurde VW von Lehman auf Underweight" mit Kursziel 147 Euro abgestuft. Nicht zuletzt, weil der Analystin zufolge das Chance/Risiko-Verhältnis in den negativen Bereich" umgeschlagen sei.
Absurde Überbewertung
Puristisch fundamental betrachtet liegt die Analystin so grob falsch nicht. Natürlich ist die VW-Stammaktie im Branchenvergleich extrem überbewertet. Aktuell ist VW mehr wert als BMW, Daimler, Fiat und Renault zusammen.
Die VW-Blase lebt. Noch. Aber am Ende des Tages wird auch diese Blase platzen. Fragt sich nur wann.
Deutsche Verlierer
Neben dem Krisengewinnler" VW gibt es aber auf dem deutschen Kurszettel auch Verlierer. Konkretes Beispiel ist die Aktie eines großen deutschen Seniorenresidenzen- und Pflegezentrenbetreibers, Curanum. Lehman Brothers hielt 7,98 Prozent an dem Unternehmen. Seit Freitag stürzte die Aktie ohne unternehmensspezifische Nachricht um mehr als ein Drittel ab.
Ja, in dem Punkt hat Herr Greenspan recht. Es gibt Gewinner, und Verlierer.
Einlagensicherungsfonds in Not?
Im Rahmen des Lehman-Debakels stellt sich übergeordnet" natürlich die Frage nach den berühmt berüchtigten" Risiken und Nebenwirkungen. Laut Angaben des Bundesfinanzministeriums beträgt das Volumen des Einlagensicherungsfonds kärgliche 4,6 Milliarden Euro. Spannend wird die Frage, in welcher Höhe der Fall Lehman (die deutsche Tochter ist dem Einlagensicherungsfonds angeschlossen) tatsächlich einspringen" muss. Erste Schätzungen halten gar eine Sprengung" für möglich.
In der Tat, das Polster ist mit 4,6 Milliarden sehr, sehr gering. Da darf wahrlich nicht mehr viel dazwischen kommen.
Insofern nur ganz kurz ein kleiner leiser Hinweis auf die gestrige Entwicklung des Papier-Gold- bzw. Silberpreises. Über 860 Dollar, bzw. 12 Dollar beim Silber. Prozentual zweistellige Gewinne gibt es auch nicht alle Tage, und das in allen wichtigen Papier-Währungen!
Und, schließlich, ganz am Schluß noch eine nicht uninteressante Randnotiz. Am gestrigen Mittwoch wurde Prof. Otte (Autor des Buches Der Crash kommt") die Frage gestellt, ob er eine WÄHRUNGSREFORM für möglich erachte. Herr Otte meinte, dass eine solche zumindest in den nächsten zehn Jahren nicht wahrscheinlich sei.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Herr Otte ist und bleibt gnadenloser Optimist.
Offen gestanden, ich gehe fest von einer Währungsreform aus. Ob diese nun zwischen 2010 und 2015, oder vielleicht gar schon früher über die Bühne gehen wird, ja, das wissen nur die Götter...