Die Bewertung einer Ressource ist starken Schwankungen unterworfen
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 18. August 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
So schön es wäre, um sich die Beurteilung verschiedener Aktien zu erleichtern, eine immer und allgemein gültige "faire" Bewertung einer Ressource kann ich nicht angeben. Denn diese gibt es nicht, so einfach macht es uns der Markt nicht. Manchmal höre ich zwar, dass 50 USD je Unze Gold eine "faire" Bewertung für eine Ressource in einem politisch stabilen Land sei. Doch das ist nur ein ganz grober Mittelwert, der manchmal zutreffen kann, meist jedoch entweder unter- oder übertroffen wird.
Ein steigender Goldpreis hebt alle Boote, bei fallendem bekommen viele Schwierigkeiten
Einerseits liegt das daran, dass der Preis in etwa vergleichbarer Ressourcen relativ stark in der Marktbewertung schwankt. In der Baisse des vergangenen Jahres wird jeder Ressource ein geringerer Wert zugebilligt als in Boomphasen wie z.B. 2006 oder Anfang 2007. Zudem spielt natürlich der Wert des Rohstoffs eine wichtige Rolle. In einer noch nicht überhitzten Rohstoffhausse wird einer Ressource ein höherer Wert zugebilligt, als wenn gerade eine Übertreibung durch rückläufige Preise korrigiert werden muss. Auf diese vergleichende Betrachtung werde ich im nächsten Daily noch einmal genauer eingehen. Dann werde ich Ihnen anhand konkreter Beispiele zeigen, wie Sie sich einen Vergleichswert errechnen können, um damit das (aktuelle) Ziel "Ihrer" Aktie näherungsweise bestimmen zu können.
Sehen Sie sich Art und Entwicklungsstand der Ressource genau an
Neben dem Vergleichswert spielen aber auch viele interne Faktoren eine Rolle, die bei "Ihrer" Aktie einen Ab- bzw. Zuschlag zur Bewertung verursachen können. An erster Stelle steht dabei, wie weit die Ressource bereits entwickelt ist. Handelt es sich um eine "inferred" Ressource, gibt es einen Abschlag. Sind bereits große Teile genauer erforscht und fallen dabei in der Ressourcenschätzung nach modernem Standard in die Kategorie "measured" oder "indicated", steigen die Ressourcen automatisch in der Bewertung. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ressourcen später auch mit genaueren Untersuchungen bestätigt werden können, steigt dann entsprechend. Doch um aus Ressourcen irgendwann einmal genauer bewertbare (und abbaubare) Reserven zu machen, sind nicht nur zusätzliche, genauere Bohrungen nötig, sondern auch Untersuchungen der Mineralogie, die über die Verarbeitungsfähigkeit des Gesteins Auskunft erteilen. Es gibt Arten von Gestein, aus denen das Gold nur sehr schwer befreit werden kann, was hohe Kosten verursacht. Wenn also bereits bekannt ist, dass es sich um einfach zu verarbeitendes Erz handelt, wird der Ressource natürlich ein entsprechend höherer Wert zugebilligt.
Wie schwierig bzw. teuer ist das Erz abbaubar?
Dazu kommen Erkenntnisse über die Art eines späteren Abbaus: Kann das Gestein an der Oberfläche günstig geschürft werden oder ist womöglich ein teurer, mehrere hundert Meter tiefer Bergbau nötig? Handelt es sich um schmale Adern, deren Verlauf oft nicht einfach zu bestimmen ist oder verteilt sich das Gold breitflächig im Gestein? Aufschluss darüber geben einzelne Bohrungen. Nicht jeder sensationelle Goldwert über eine geringe Länge in womöglich auch noch großer Tiefe muss die Bewertung einer Ressource erhöhen. Häufig ist es für einen modernen Bergbau günstiger, wenn über größere Längen in geringer Tiefe ein nicht so hoher Wert gefunden wird. Denn die Kosten des Abbaus sind hier womöglich so viel geringer, dass diese Art des Vorkommens mehr Gewinn liefern kann.
Politische Stabilität ist ebenso wichtig wie Bergbaurecht und Umweltschutzauflagen
Als ob das nicht alles schon kompliziert genug wäre, spielt auch die Umgebung einer Ressource eine wichtige Rolle. Dazu zählt, ob das Vorkommen in einem politisch stabilen Land liegt, ebenso wie dessen Bergbaupolitik aussieht. Denn nicht jedes politisch stabile Land steht auch dem Bergbau positiv gegenüber. Ein Vorhaben im dicht besiedelten Deutschland könnte z.B. nahezu undurchführbar sein, während es im politisch nicht so sicheren, aber bergbaufreundlicheren Mexiko leichter zu verwirklichen wäre und damit auch eine höhere Bewertung erfährt.
Ohne Infrastruktur kann kein Bergbau verwirklicht werden
Vergessen Sie bei der Bewertung nicht die Infrastruktur. Gerade in sehr nördlichen oder südlichen Breiten kann die mangelnde öffentliche Infrastruktur ein großes Problem darstellen. Denn der Bau von Straßen, die Bereitstellung von Energie oder Wasser kann hier schnell wesentlich teurer werden als der gesamte Abbaukomplex einer Mine. Ohne Wasser, Energie und Transportmöglichkeiten ist ein Bergbauvorhaben genauso wenig zu verwirklichen wie ohne Arbeiter, die bereit sind, in dieser Region zu leben (und im Zweifelsfall auch noch für ihre Familien eine entsprechende Versorgung mit Schulen etc. vorfinden). Nur bei einer ganz besonderen "Elefanten"-Mine wird es sich lohnen, ein völlig abgelegenes Gebiet dahingehend zu erschließen. Kleinere Vorhaben werden früher oder später mangels Machbarkeit wieder einschlafen oder keine Finanzierungsmöglichkeit finden.
Sie sehen schon an diesem kurzen Überblick zu den Bewertungsfaktoren, dass es nicht ganz so einfach ist, eine Ressource zu bewerten. Am Freitag werde ich die gewünschte Aktie "Bravo Ventures" anhand dieser (und weiterer) Kriterien genauer unter die Lupe nehmen. Bis dahin wünsche ich Ihnen noch eine erfolgreiche Woche.
Herzliche Grüße, Ihre
Daniela Knauer
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