Die besten und die schlechtesten Präsidenten Amerikas, Teil 2
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. Juli 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Ich komme auf meinen gestrigen Beitrag zurück und leite die heutige Untersuchung mit einem Zitat von Wilson, nach dem Wahlsieg, ein: Ich möchte sie daran erinnern, dass ich von Gott zum nächsten Präsidenten auserwählt wurde, daran haben weder sie noch irgendein anderer Sterblicher etwas ändern können."
Gibt es den geringsten Zweifel darüber, dass Wilson verrückt gewesen sein muss? Er behauptete Demokrat zu sein. Später behauptete er, er wollte die Demokratie für die Welt sicherstellen. Aber hier kann man erkennen, dass er eher an göttliche Vorsehung glaubte, wenn es um das Thema der Führung ging. Er war nicht vom Volk gewählt worden, er war von Gott auserwählt. Warum soll man sich dann überhaupt noch um Wahlen bemühen?
Ich halte inne, um mich zu fragen, wie ein ehemaliger College Professor wissen kann, was in Gottes Kopf vor sich geht. Ich habe es selbst schon viele Male versucht. Will Gott die Aktienpreise steigen lassen, fragte ich mich. Wird Gott dieses Flugzeug sicher landen lassen? Wo zur Hölle hat Gott mich die Autoschlüssel verlieren lassen? Und obwohl ich es wirklich ernsthaft versucht habe, ... ist es mir nie gelungen. Jedes Mal höre ich nur eine donnernde Stimme, die sagt: Such Deine verdammten Autoschlüssel doch selber."
Sicherlich muss Wilson mit Gott zu Abend gegessen haben. Vielleicht hatte er Gottes Ohr...oder gar seine Stimme. Denn der Mann sah mit der gleichen Leichtigkeit in die Zukunft, wie ich in ein leeres Glas Bier. Er wusste nicht nur, dass er dazu ausersehen war, Präsident zu werden, sondern auch, dass er eine Welt aufbauen konnte, die noch besser war als die, die Gott ihm überlassen hatte - indem er die Pläne von Millionen durch seine eigenen ersetzte.
Woher kamen diese Pläne? Wie konnte er wissen, dass die Welt zu einem besseren Ort werden würde, wenn eine Zentralbank das Geld der Nation bewachte? Wie konnte er wissen, dass Mexiko mit Huerta an der Spitze zu einem schlechteren Land werden würde, als wenn es von dem von Wilson geförderten Carranza... oder sogar von Pancho Villa, hinter den er sich auch eine Zeitlang gestellt hatte geführt würde.
Wieso konnte er glauben, dass sein eigenes Urteil besser sein würde, als das der Mexikaner selbst? Seine Demokraten in Mexiko ermordeten Priester und Nonnen. Wilson muss gedacht haben, dass das ein vernünftiger Preis dafür ist, eine erleuchtete Regierung zu haben - und es war nichts im Vergleich zu dem Preis, den die Welt für Wilsons Krieg in Europa zahlen musste - aber was führte zu seiner Überzeugung, dass die Demokratie einer konstitutionellen Monarchie überlegen sei?
Wilsons Urteil zu beinahe allen Themen war grauenhaft. Bei seiner Rede im April 1917, mit der er versuchte, die Nation zum Krieg zu überreden, bemerkte Wilson, dass die Russen im Herzen immer demokratisch waren."
Wunderbare und ermutigende Dinge...sind in den vergangenen paar Wochen in Russland passiert", fuhr er fort. Was passiert war, war der Anfang der bolschewistischen Revolution. Deutschland fürchtete Amerikas Eintritt in den Krieg auf der Seite des Feindes und versuchte verzweifelt, die Ostgrenze zu sichern, um sich der neuen Bedrohung aus dem Westen widmen zu können. Die Technik war ebenso schlau, wie verheerend. Man fand einen Revolutionär namens Lenin der schon vor Jahren von Russland ins Exil geschickt worden war.
Er wurde in einen Zug gesetzt, finanziell unterstützt und zurück nach Russland geschickt mit dem direkten Ziel, dort Probleme zu machen. Es waren diese Probleme, die Wilson bewunderte...und die er später bedauern würde. Lenin führte den Aufstand der Bolschewiken, der Russland aus dem Krieg herausschlug. Wie konnte Wilson wissen, dass die Revolutionäre in Moskau besser sein würden, als die Romanows, die sie ersetzten.
Die Leser werden sich selbst ein Urteil bilden. Er hat einen Fehler gemacht", wird man vielleicht sagen. Oder man sagt: Wie hätte man denn wissen können, dass der russischen Revolution eine der schrecklichsten und grausamsten Phasen einer schlechten Regierung in der Geschichte der gesamten Welt folgen würde."
Natürlich konnte er das nicht wissen. Aber Wilson hat sich auch nicht wirklich Gedanken gemacht. Er suchte einfach nur den Boden nach einem Kopf ab, auf den er zielen konnte oder nach einem Geldbeutel, den er stehlen konnte. Und es ging auch nicht darum, wessen. Später hat er Truppen nach Russland geschickt, um die Bolschewiken zurückzuschlagen. Aber das war typisch für Wilson. Er wollte einfach einschreiten. Nicht notwendigerweise auf einer Seite, sondern nach Möglichkeit auf beiden.
Und jetzt halte ich schon wieder inne, um mich über die jammervolle Erhabenheit des ganzen zu wundern. Denn es sind weder Liebe, noch Geld, was die Welt am Laufen hält. Es ist die reine Eitelkeit. Wilson hatte keine besondere Liebe...und nicht besonders viel Geld. König George V. nahm fast genauso akkurat Maß wie vor ihm Freud: Er ist ein absolut kalter akademischer Professor - ein widerwärtiger Mann."
Aber er hatte Eitelkeit im Übermaß.