Die besten Chancen ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 28. Oktober 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Die besten Chancen sehe ich derzeit weiterhin an den Rohstoffmärkten. Hier sind die Volatilitäten unverändert hoch, Beispiel Kupfer: Das war am 8. Oktober auf ein 15-Jahres-Hoch gestiegen – und 5 Tage später war es so stark wie noch nie seit 14 Jahren gefallen.
Und gestern das Öl: Als vermeldet wurde, dass die Öl-Lagerbestände in den USA um unerwartet starke 3 Millionen Barrel gestiegen sind, da verlor der Ölpreis umgehend 5 % – das war der stärkste Rückgang seit 5 Wochen (steht aber immer noch über 50 Dollar/Barrel).
Meine Einschätzung:
Rohstoffe wie Kupfer trade ich gerne: Da sind solche Korrekturen im Aufwärtstrend immer erstklassige Kaufgelegenheiten auf der LONG-Seite! Ich hatte deshalb ja auch umgehend nach dem Durchsacker hier im Trader's Daily (vom 14.10.) den Kauf eines Kupfer-Zertifikats empfohlen, siehe:
Denn die Nachfrage nach Rohstoffen allgemein explodiert weiterhin, das Angebot hingegen stagniert. Lassen Sie sich auch bitte nicht weismachen, dass ein möglicher Wachstumsrückgang in China zu einem Einbruch der Nachfrage nach Rohstoffen führen wird: Das ist NICHT der Fall! Denn auch wenn sich das chinesische Wirtschaftswachstum von 10 % auf 8 % oder 7 % oder auch "nur" 6 % verlangsamen sollte – das sind immer noch Wachstumsraten, von denen Schröder, Bush und Chirac nachts träumen!
Und die chinesische "Go West"-Initiative (zur Verbesserung der Infrastruktur in den unterentwickelten westlichen Provinzen Chinas) erfordert weiterhin gewaltige Mengen an Kohle, Stahl, Kupfer, Zink, sogar Metallschrott (Preis hat sich wegen der chinesischen Nachfrage verdoppelt und verdreifacht), und so weiter.
Übrigens: Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dass die chinesische Regierung Infrastrukturmaßnahmen wie die "Go West"-Initiative nur aus wirtschaftlichen Gründen vorantreibt. Da spielen auch handfeste politische Gründe eine Rolle:
- Teilweise handelt es sich um reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, damit Millionen Chinesen der Arbeitslosigkeit entgehen (und damit potenziell ruhig gestellt sind und nicht etwa auf den Gedanken kommen, in die Städte zu ziehen und dort gegen die chinesische Regierung zu protestieren).
- Außerdem soll z.B. eine Provinz wie Tibet infrastrukturmäßig voll erschlossen werden, damit der Zuzug von Han-Chinesen in die ethnisch tibetischen Gebiete weiter erhöht werden kann. Die Tibeter (das zuvor unabhängige Tibet ist 1950 von den Chinesen annektiert worden) sollen leider zur Minderheit im eigenen Land gemacht werden, was die chinesische Führung als bestes Mittel gegen mögliche Unabhängigkeits- bzw. höchst berechtigte Autonomiebestrebungen ansieht.
Diese Maßnahmen erfordern massive Rohstoffimporte (Tibet liegt im Hochgebirge, alle paar Hundert Meter muss eine Eisenbahnbrücke gebaut werden etc.). Und ich bin mir sicher, dass sich an diesen Projekten und dem dadurch verursachten Rohstoffbedarf auf Jahre hinaus nichts ändern wird – da mag die breite Finanzpresse noch so sehr von "Wachstumsrückgang in China" schreien.
Eine Ausnahme bei Rohstoffen mache ich übrigen: Vom Öl halte ich mich derzeit fern! Da sind mir derzeit einfach zu viele "große Adressen" wie Hedgefonds investiert, die den Markt unvorhersehbar in die eine oder andere Richtung pushen können. Und Überraschungen wie die gestrige Bekanntgabe der drastisch angestiegenen US-Erdölreserven sind jederzeit drin.
Beste Grüße,
Michael Vaupel