Die Berichtssaison beginnt positiv
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 8. Oktober 2009, 17:00 Uhr
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die Berichtssaison läuft nun in ihre heiße Phase und die Investoren fragen sich, wie wohl das breite Börsen-Publikum auf die Ergebnisse reagieren wird. Denn wie gewöhnlich wird auch in dieser Ergebnisphase nicht zwangsläufig ein gutes" Quartalsergebnis steigende Kurse nach sich ziehen. Vielmehr kommt es einerseits darauf an, was die Mehrheit der Investoren und Analysten erwartet hat, und wie andererseits die Herde der Anleger darauf reagieren wird. Meiner Meinung nach sind die Erwartungen auch für die Ergebnisse des dritten Quartals nicht besonders ambitioniert. Der fallende Basiseffekt bei den Gewinnen seit dem vergangenen Sommer, in Kombination mit der in die Märkte schießenden Liquidität, könnte also die Kurse noch eine Weile nach oben schieben. Quasi entlang an der berüchtigten Mauer der Angst", denn irgendwann wollen die Investoren auch wieder bessere Ergebnisse sehen, die sich aus steigenden Erlösen und nicht nur" aus gesenkten Kosten zusammensetzen.
Guter Saisonstart durch Alcoa
Obwohl Alcoa nicht gerade als Nebenwert zu bezeichnen ist, verliere ich ein paar Worte über den gestrigen Abend, da er Rückschlüsse auf die verarbeitende Industrie und die Psyche der Anleger erlaubt. Nach drei Verlustquartalen in Folge ist Alcoa überraschend wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Unternehmen erklärte aber die besser als am Markt erwartet ausgefallenen Umsatz- und Gewinnzahlen im dritten Quartal mit den jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen.
Im zweiten Quartal musste der Aluminium-Produzent noch 459 Millionen Dollar Verlust hinnehmen.
Beeindruckend an den Zahlen fand ich vor allem, dass man an ihnen das Ausmaß des Abschwungs gut erkennen kann. Denn trotz der bisher gut aufgenommenen Zahlen erkennt man, dass der Umsatz im vergangenen dritten Quartal im Jahresvergleich um ein Drittel gesunken ist. Alcoa litt in diesem Jahr besonders unter der eingebrochenen Nachfrage wegen der Krise in der Autobranche und unter den gesunkenen Aluminiumpreisen. Der Konzern sah sich gezwungen, Tausende Stellen zu streichen, ganze Sparten zu verkaufen und die Produktion massiv zu drosseln. Für das zweiten Halbjahr sieht Alcoa aber Anzeichen einer Stabilisierung. Die Lagerbestände der Aluminiumhändler seien niedrig, die Auslieferungen legten zu und die weltweite Aluminium-Nachfrage dürfte im zweiten Semester 2009 um elf Prozent wachsen, teilte Alcoa mit.
Dies sind Belege dafür sein, dass die Krise allmählich zu einer normalen Rezession zusammenschrumpft und immer mehr Investoren zurück in die Märkte gelockt (oder auch gezwungen) werden!
Auftragseingänge legen weiter zu
Folgende Meldung ist mir am Mittwoch sehr angenehm aufgefallen, die sich in das oben beschriebene positive Szenario einreiht. Diese hat das Potential einen Trend fortzusetzen, der vielen mittelständischen Firmen in Deutschland starken Rückenwind verschaffen könnte: Seit sechs Monaten steigen in Deutschland die Auftragseingänge, wofür vor allem wachsende Bestellungen aus dem Ausland verantwortlich sind. Gemäss der Meldung des Wirtschaftsministeriums lag der Zuwachs im Monatsvergleich bei 1,4 Prozent. Anders als im Juli kamen die Impulse im August nicht aus dem Inland, sondern aus dem Ausland. So legte die Auslandsnachfrage um 4,6 Prozent zu, während die Inlandsbestellungen um 1,9 Prozent zurückgingen. Gleichwohl haben die Orders in den letzten Monaten erst rund ein Drittel des schweren Nachfrageeinbruchs vom Winter aufgeholt. Laut Commerzbank gewinnt die Aufwärtsbewegung in der deutschen Industrie zusehends an Breite. So seien im August nicht nur wie in den Vormonaten die Bestellungen von Vorleistungsgütern und Kraftfahrzeugen gestiegen. Auch für viele andere Investitionsgüter seien mehr Aufträge eingegangen. Insgesamt zeige der Trend bei den Aufträgen eindeutig nach oben, was sich auch in einer stärkeren Industrieproduktion zeigt.
Daran erkennt man, dass es noch ein weiter Weg ist bis wir die Wirtschaftsleistung vom Sommer 2007, also vor Ausbruch der Krise, wieder erreicht haben. Aber trotzdem nimmt ein beruhigendes Szenario Konturen an: Die vermeintlich schwerste Wirtschaftskrise seit der großen Depression trägt deutliche Merkmale eines ganz normalen, aber sehr kräftigen Wirtschaftsabschwungs. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass jede Krise die man durchlebt zur schwersten überhaupt stilisiert wird. Schon die Asien- und Rußlandkrise, LTCM, Dot.com und nine-eleven" waren die schwersten Krisen" meines Berufslebens. Vielleicht wird ja einfach nur jede Krise durch die fortschreitende Medialisierung unserer Gesellschaft zu einer Jahrhundertkrise.
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