Die Berechnung der AD-Line im Beispiel
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 28. Juni 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Zur Berechnung
Die AD-Line kumuliert die Differenz zwischen steigenden und fallenden Aktien. In der folgenden Mustertabelle von www.stockcharts.com (15. April bis 19. Mai 2010) beginnen wir mit einem negativen Wert in der AD-Linie von -93 (gelb unterlegt). Am nächsten Tag übersteigt die Anzahl der Aktien mit Kursverlusten die Anzahl der Aktien mit Kursgewinnen um 1.899 Stück. Die Differenz von -1.899 wird zum Vortageswert von -93 hinzuaddiert, sodass sich in der Summe -1.992 Punkte ergeben usw. Am 20. April übertreffen die steigenden Aktien (2.500) die fallenden (566) um 1.934 Stück. Die - diesmal positive Differenz - wird zum kumulierten Vortageswert von -2.348 wieder hinzuaddiert, sodass sich die negative Summe auf -414 verringert. Die Kurve beginnt jetzt zu steigen und klettert bis auf +2.098 Stück, bevor die nächsten Verlusttage die Kurve wieder bis auf +4 herunterziehen. Ja, und das ist bereits das ganze Geheimnis.
Die absolute Höhe der AD-Line ist nicht wichtig, denn Sie können diese Berechnung starten, wo immer Sie wollen. Wichtig ist die Richtung der Linie, denn uns geht es darum festzustellen, ob die Kurve der steigenden zu fallenden Aktien einen Trend aufweist und ob dieser Trend zur Kursentwicklung des Index (NYSE oder NASDAQ) passt. Divergenzen, also Abweichungen, geben Aufschluss darüber, wie stabil der Trend im Index ist. Und das ist die Zielsetzung eines Indikators, der die Marktbreite messen soll.
Beispiel einer Divergenz
Im oberen Teil des folgenden Chart sehen Sie die Entwicklung der AD-Line von Juni bis August 2009 (18K= 18.000 Punkte), die mit einem 10-Tage-SMA (einfacher Gleitender Durchschnitt, rot) unterlegt wurde. Im unteren Chartbereich sehen Sie die Entwicklung des NYSE-Index, der Anfang Juli ein tieferes Tief (rot gepunktete Linie) verzeichnet. Dieses Tief allerdings wird nicht mehr durch eine größere Anzahl fallender Aktien bestätigt, denn die AD-Linie steigt an (grüne Linie), was so viel bedeutet wie: Die Anzahl fallender Aktien ist rückläufig und die Trendstärke für weiter fallende Kurse baut sich ab.
Die Strategie daraus: Der Aktienmarkt hat folglich sein Tief gesehen und antizyklische Käufe können jetzt auf niedrigem Kursniveau vorgenommen werden.
Morgen werden wir auf die aktuelle Marktverfassung näher eingehen. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie bereits heute einschätzen können, wie es in der Wall Street wohl weitergehen wird.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Sales and Trading
Zum ersten Teil von: Eine einfache Methode den US-Aktien-Markt auf die Probe zu stellen
