Die bedrohliche Öl-Schere
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. April 2007 07:30 Uhr
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Die wöchentlichen US-Öl-Lagerbestände fielen, gerade was das ohnehin zuletzt immer teurer gewordene Benzin anbelangt, mal wieder ernüchternd aus. –5,5 Millionen Barrel Benzinvorräte statt der erwarteten –1,4 Millionen. Der steigende Benzinpreis in den USA drückt immer mehr auf Gemüt und Geldbeutel der US-Verbraucher. In einer Phase, in der sie reichlich konsumieren sollen, um die US-Konjunktur wieder auf die Füße zu bringen. Keine günstige Situation.
Da beruhigte wenig, dass immerhin +0,7 Millionen Barrel Rohöl hinzukamen (erwartet wurden nämlich +1,7 Millionen) und der Bestand an Heizöl um +0,2 Millionen Barrel stieg (Prognose –0,9 Millionen). Aber viel wichtiger ist aktuell etwas anderes:
Die Schere zwischen der Nordsee-Ölsorte Brent und der US-Ölsorte WTI klafft immer weiter auseinander. Normalerweise kostete Brent, weil ein wenig hochwertiger, im historischen Schnitt einen Dollar mehr als WTI. Aktuell jedoch kostet Brent mehr, und zwar ganze sechs Dollar pro Barrel! Das ist eine nie gesehene Differenz!
Wenn nun die Bullen argumentieren, bekommen Sie immer nur die US-Ölsorte WTI zu sehen und damit belegt: Öl fällt – und das ist bullish. Aber das ist schlicht falsch. Nur, weil WTI eine US-Ölsorte ist, rekrutiert sich doch der US-Ölverbrauch nicht nur aus WTI. Die USA, bitte vergessen Sie das nicht, müssen Unmengen an Öl importieren. Und wenngleich das kaum Nordsee-Öl ist: Viele Förderländer von Russland bis Nigeria orientieren sich bei ihren Preisen an Brent, und nicht an WTI!
Noch vor zwei Wochen erklärte Olivier Jakob von Petromatrix, dass es ab einem Spread von drei Dollar zwischen QWTI und Brent für die USA schwierig wird, Öl zu importieren. Jetzt sind es sechs.
Die unumgänglichen Ölimporte sind also nach wie vor teuer – sehen Sie sich mal den Chart des Brent-Öls an! Von einer Entlastung für die Wirtschaft kann da keine Rede sein. Und nicht nur ich, sondern auch das Investmenthaus Goldman Sachs geht davon aus, dass nicht Brent wieder fallen, sondern relativ bald WTI wieder steigen wird, diese brisante Schere also nach oben geschlossen wird!
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