Die Bedeutung von Konsum- und Kapitalanlagen für wirtschaftliches Wachstum
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 31. Mai 2005 18:00 Uhr
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*** Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal stärker als erwartet gewachsen
Ich sagte immer wieder, dass dieses "Wachstum" Betrug ist. Es konzentriert sich zu stark auf Immobilien. Business Week berichtet, dass 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heute schon auf Anlagen im Bereich der Wohnungsimmobilien fallen – der höchste Prozentsatz in 50 Jahren. In manchen Gegenden des Landes kommen 50 Prozent des Stellenzuwachses aus diesem Bereich – Immobilienmakler, Finanzierungsgesellschaften, Bauunternehmen, Restauratoren, Gutachter und so weiter.
Was sollte daran falsch sein? Zwei Dinge: Erstens, eine "Anlage" bei Wohnungsimmobilien unterscheidet sich nicht sehr von einer Anlage in eine Eiswaffel. Beide sind Verbrauchsartikel und keine Kapitalanlagen. Die Eiswaffel wird sehr schnell verbraucht. Das Haus braucht dazu ein bisschen länger. Das Prinzip ist jedoch das gleiche. Für beides gibt man Geld aus, um den Lebensstandard zu verbessern. Beide machen einen ärmer und nicht reicher.
Wenn das "Wachstum" des Bruttoinlandsprodukts durch die Errichtung von Fabriken erzielt worden wäre, dann sähe die Sache schon ganz anders aus. Fabriken sind Kapitalanlagen. Sie erzeugen Gewinne ... welche ein Maßstab für einen echten Zuwachs des Reichtums sind. Am Ende hat man mehr Kapital als am Anfang. Das ist bei Immobilien anders. Man gibt das Kapital dafür aus ... man verbraucht es. Am Ende wohnt man besser ... aber man hat weniger Kapital (man hat es für das Haus ausgegeben). Und mit jedem weiteren Tag wird das Haus verbraucht ... es amortisiert sich mit der Zeit ... bis es nötig wird, ein neues Haus zu bauen.
Das zweite Problem an der Sache ist, dass Häuser in Amerika nicht mit Kapital finanziert werden. Wer bezahlt eine Wohnung schon in bar? Nun, manche tun das. Aber die meisten kaufen Häuser von Geld, das sie nicht haben. Sie leihen einen immer größer werdenden Teil des Kaufpreises. In diesem Fall benutzen sie nicht ihre Ersparnisse und verbrauchen sie. Sie verbrauchen Geld, das sie noch nicht einmal verdient haben, ganz zu schweigen davon, dass sie es gespart hätten. Es ist, als kauften sich Leute eine Eiswaffel und einigten sich darauf, diese erst in der nächsten Woche zu bezahlen. Nimmt man an, dass sie immer gleich alles ausgeben, was sie verdienen, dann werden sie die Ausgaben der folgenden Woche zurückfahren müssen. Sie werden nicht nur auf eine weitere Eiswaffel verzichten müssen, sie werden auch noch auf etwas anderes verzichten müssen, um für die Eiswaffel zu bezahlen, die sie schon gegessen haben.
Die Leute, die im amerikanischen Heimatland sitzen, leihen immer mehr Geld, damit sie es für Konsumgüter ausgeben können – insbesondere für neue Häuser. Selbst Alan Greenspan hat angefangen, sich Sorgen zu machen. Es könnte sich als unmöglich herausstellen, diesen Trend "aufrecht zu halten." Sie haben gelesen, dass ihre Wirtschaft wächst ... und deshalb nehmen sie an, dass alles ganz gut läuft. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um einen Jahressatz von 3,5 Prozent. Gott sei Dank ist es nicht stärker gestiegen.