Die Bedeutung des Kaukasus im historischen Kontext
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 12. Dezember 2007 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
im Anschluss an den gestrigen Daily möchte ich heute, wie versprochen, das Thema ein wenig ausweiten. Ich möchte heute zusammen mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Geschichte, dieser umworbenen und umkämpften Region, dem Kaukasus, unternehmen. Denn die Abfolge der historischen Ereignisse führt schließlich zu dem Punkt der die heutige Bedeutung der Region erklärt.
Die historische Bedeutung des Kaukasus
Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot sah im Kaukasus die Grenzlinie zwischen Europa und Asien. So erstreckte sich das persische Reich nach seinen Schriften bis zum Volk der Kolcher (bekannt aus der griechischen Sage um die Suche nach dem goldenen Vlies durch Jason und seine Argonauten). Die Völker nördlich des kaukasischen Gebirges blieben dagegen im Verborgenen.
Der Kaukasus war deshalb schon seit Jahrhunderten der Mittelpunkt von Streitigkeiten verschiedener nationaler Interessen. Über Jahrhunderte kämpften dort Perser, Türken, Russen, Afghanen und später die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien um Einfluss in dieser Region. Seit etwa 1850 kam dieser Region, neben der strategischen und agrarwirtschaftlichen Bedeutung (Baumwolle), eine weitere hinzu, das Erdöl. Zunächst als Brennstoff für Lampen und später als Treibstoff für die Kriegsmaschinerie.
Um 1900 stammte rund die Hälfte der weltweiten Ölförderung aus Aserbaidschan, genauer gesagt aus der Region um Baku am kaspischen Meer.
Die Bedeutung des Rohöls wächst seit 1860
Der Zar erkannte schnell die Wichtigkeit des Öls für die russische Finanzsituation, denn das Öl wurde ab 1860 für den Betrieb der Petroleumlampen immer wichtiger. Die Verbreitung der Petroleumlampe war damals ebenso wichtig, wie später beispielsweise die Verbreitung der Elektrizität. Der Export des Petroleums und die Anbindung an den russischen Heimatmarkt wurden deshalb als vorrangigstes Ziel angesehen. Bereits 1873 gab es in Baku 23 Raffinerien und die Anbindung an die wesentlichen Märkte wurde durch die transkaukasische Eisenbahnlinie ermöglicht, die Baku mit der Stadt Batumi am schwarzen Meer verband. 1906 wurde darüber hinaus eine gleichlaufende Pipeline erbaut. Westliches Kapital kontrollierte den Aufbau dieser ölreichen Region und brachte Fortschritt und im späteren Verlauf den Krieg in den Kaukasus. Vor allem die französische Rothschild Bank, die sich mit der Emission von französischen Staatsanleihen zur Begleichung der Reparationszahlungen aus dem deutsch-französischen Krieg eine goldene Nase verdiente, trat als Investor der besagten Eisenbahnlinie sowie als Ölförderer in Baku auf. Die größten Ölförderer waren jedoch zunächst die schwedischen Nobel Brüder. Auch deutsche Unternehmen wie Siemens, die sich seit 1850 hauptsächlich in der Erschließung von Metallvorkommen und im Bau von Telegrafennetzen im Kaukasus betätigten besaßen einen großen Einfluss.
„Die Erdölförderung stieg von 557 000 Pfund im Jahre 1865 rapide an. 1870 = 1,7 Mio, Pfd., 1875 = 5,2 Mio. Pdf., 1880 = 21,5 Mio. Pfd., 1885 = 116 Mio. Pfd., 1890 = 242,9 Mio. Pfd., 1895 = 348 Mio. Pfd und 1902 637,7 Mio. Pfd.“ (Lenin, „Die Entwicklung des Kapitalismus in Russland“)
Heute ist nichts mehr übrig vom Ölboom in Baku
Baku war zur letzten Jahrhundertwende eine blühende Stadt, die westliche und multinationale Einflüsse mit persischer Tradition verband und zu den beliebtesten Metropolen Osteuropas gehörte. Viel ist nicht geblieben vom damaligen Reichtum. Gerade einmal ein Durchschnittslohn von 50 Euro im Monat…
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