Die Banken und das Problem mit dem schwindenden Vertrauen
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 29. August 2011, 14:30 Uhr
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wenn Sie einem Menschen misstrauen, würden Sie ihm dann Ihr Geld anvertrauen? Bei Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Was ist aber, wenn man von jemandem, der nicht mal ein Freund ist, herb enttäuscht wurde? Dann ist alles Vertrauen verspielt. Das Schlimmste daran ist, dass man auf sie angewiesen ist, die Banken. Die trauen sich seit Lehman gegenseitig nicht mal mehr über den Weg. Wie sollen wir als Anleger dann noch Vertrauen haben? Das ist nicht einfach: Die Banken müssen in die Vertrauens-Offensive. Einige tun sich damit schwer, andere zeigen wie es geht: wie beispielsweise die Sparkasse, obwohl die ihren Ruf eigentlich relativ guten durch die Finanzkrise retten konnte.
Die Sparkasse Harburg-Buxtehude - quasi ein "Winzling" im riesigen deutschen Finanzmarkt-Gewimmel (rund 120.000 Privatkunden, 12.000 gewerbliche Kunden und rund 800 Mitarbeitern in 27 Filialen) - unterzeichnete jüngst eine Erklärung zum "Selbstverständnis der Sparkasse Harburg-Buxtehude und ihrer Mitarbeiter in der Anlageberatung". Die Arbeit der Berater werde von jetzt an nicht mehr nur über ihre Vertragsabschlüsse honoriert, schreibt das "Hamburger Abendblatt". Auch Faktoren wie Kundenzufriedenheit und -bindung würden konkret einbezogen. Man wolle Vertrauen durch Transparenz schaffen. Bei jedem Produkt sollen künftig Gebühren und Provisionen klar benannt gemacht und der Kunde dadurch zu eigenen Anlageentscheidungen fähig gemacht werden. In der sechs Punkte umfassenden Erklärung wird unter anderem festgehalten, dass ein Produktverkauf ohne Rücksicht auf den Kunden nicht der Philosophie der Sparkasse entspricht. Darüber hinaus ist schriftlich garantiert, dass die Berater ausgebildete Sparkassen- oder Bankkaufleute sind und die angebotenen Produkte umfassend kennen und beurteilen können. Die Berater erhalten neben einer festen Bezahlung eine variable Vergütung.
Wir haben eine neue Dimension der Angst erreicht
Fakt ist: Eine solche offizielle Erklärung einer Bank unterstützt "im kleinen Rahmen" das Vertrauen der Kunden in das Geschäft. Doch nach Lehman war vor der Staatsschuldenkrise. Und diese lässt die Anleger längst nicht mehr ruhig schlafen. Wir haben mal wieder eine neue Dimension erreicht. Denn nun lautet die Frage: Was ist, wenn alles zusammenbricht, bedeutende Staaten in Europa oder gar die USA Pleite gehen und die Wirtschaft kollabiert? Dann wird auch das Bankensystem wieder wackeln und dann sind keine unerschöpflichen Staatskassen mehr da, die die Hände aufhalten und es rettende Milliarden regnen lassen.
Wie dramatisch die Lage eigentlich ist, zeigt vor allem folgende Tatsache: Zuletzt haben die Banken des Euroraums über Nacht 128,72 Mrd. Euro als eintägige Einlagen bei der EZB hinterlegt. Dies sind rund 22,8 Mrd. Euro mehr als zu Wochenbeginn. Und eben diese Einlagen der Banken bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Die Geschäftsbanken erhalten für diese Einlagen derzeit einen Zins von nur 0,75%, während sie für einwöchige Liquidität bei der Notenbank 1,50% zahlen müssen. Also ein mieses Geschäft. Trotzdem ziehen sie diese Variante, dem normalerweise üblichen Prozedere, sich das Geld von einer anderen Bank zu leihen und dadurch einen leicht höheren Zinsssatz zu erzielen, vor. Den Zinsverlust nehmen die Banken gegen eine höhere Sicherheit in Kauf.
Da hilft es auch wenig, wenn große Namen durch große Aktionen die Gemüter beruhigen wollen. Star-Investor Warren Buffett beispielsweise nahm mal eben 5 Mrd. US-Dollar in die Hand, um durch einen Kauf von Bank-of-America-Aktien zu zeigen, dass an den Gerüchten um eine schlechte Kapitalausstattung des größten Sorgenkindes der US-Banken, nicht viel dran sein muss. Buffett setzt wohl einfach auf seine Erfahrung, dass eine Lösung von Finanzkrisen nicht ohne ein funktionierendes Bankensystem funktioniert und dass man einfach Aktien dann am günstigsten einsammelt, wenn sie niemand haben will. Mutige Entscheidung, doch Warren Buffett lag mit seinen Investments meist richtig.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Ihre
Cindy Bach