Die Bahn kommt - zu spät
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 10. September 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
nur auf verhaltende Begeisterung sind die seit Jahren vom derzeitigen Bahnchef Mehdorn vorangetriebenen Pläne zur Privatisierung des Staatsunternehmens bei Bürgern und Politikern gestoßen. Mitte Oktober nun soll, nach jahrelangem Hickhack, das Experiment Börsengang vollzogen werden. Zwischen voraussichtlich dem 13. und 24.Oktober soll ein Anteil von 24,9 Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht werden. Die Bahn erhofft sich einen Erlös von 4 bis 6 Milliarden Euro , der unter anderem auch zum Ausbau der internationalen Positionierung des Unternehmens verwendet werden soll.
Die Aktie der Bahn wird mit diesem Volumen gleich zu Beginn über eine so hohe Kapitalisierung an der Börse verfügen, dass eine Aufnahme in den DAX durchaus möglich erscheint. Unter den gegenwärtigen Marktbedingungen würde das Papier dem Index aber nicht gerade zu einem Höhenflug verhelfen. Zwar müssen Anleger keinen vergleichbaren Absturz der Aktie wie bei den Titeln der Deutschen Telekom befürchten, zu einem wahren Überflieger werden sich die Anteile aber auch nicht entwickeln. Eine ungefähre Einschätzung der aktuellen Entwicklung von Bahnaktien lässt sich durch den Blick über den großen Teich abgeben. Auf größere Aufmerksamkeit stieß im vergangenen Jahr die Beteiligung des Finanzinvestores Warren Buffett an einigen Eisenbahngesellschaften in den USA. Buffett hat in der Vergangenheit mit Investitionen in vor allen konventionelle Industrieunternehmen größere Gewinne erzielen können.
Eines der bedeutensten Unternehmen dieses Sektors ist die Burlington Northern Santa Fe Corp. Die Aktie stieg seit Beginn der Hausse im Jahr 2003 bis zum Juni 2008 von 24 auf 114 US-Dollar. Nicht ganz zufällig beschleunigte sich der Anstieg der Papiere im Einklang mit der Hausse am Ölmarkt und dem starken Wirtschaftswachstum. Mit den Sorgen um eine aufziehende Rezession hat die Aktie eine Konsolidierung eingeleitet, die bereits den mittelfristigen Aufwärtstrend erreicht hat. Zu vermuten ist, dass der weitere Rückgang des Ölpreises die Attraktivität der Bahn für Privatnutzer in den USA wieder verringert und die Gewinnentwicklung negativ beeinflusst. Eine Ausweitung der Konsolidierung auf die nächst tiefer gelegene Trendlinie bei 81 US-Dollar dürfte sich deshalb anschliessen. Nicht gerade ein ideales Umfeld für einen Börsengang.
