Die Auswirkungen der Politik auf die Wirtschaft
Dan Denning in Investors Daily
vom 08. November 2002 18:00 Uhr
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Gott sei Dank sind die amerikanischen Wahlen jetzt vorbei. Ich vermeide es normalerweise, über Politik zu schreiben. Auf der langen Liste mit Dingen, von denen ich nur wenig weiß, steht Politik ziemlich weit oben. Dennoch zieht mich dieses Thema an – und deshalb konnte ich mich nicht zurückhalten, einen oder zwei Kommentare über die Ereignisse der letzten Woche auf beiden Seiten des Atlantiks zu schreiben.
Glücklicherweise hängen meine Politik-Beobachtungen nicht von den US-Wahlen oder den Treffen von europäischen Bürokraten ab. Unabhängig davon ist eine Menge passiert in den letzten Tagen. Und ich weiß, dass leider auch die Wirtschaft von der Politik beeinflusst wird. Deshalb sollte man die Politik nicht zu stark vernachlässigen. Ich bemühe mich aber immer, die Politik kurz anzusprechen, und dann mit den Konsequenzen für mögliche Investments weiterzumachen.
In Europa ist die deutsch-französische Allianz ja wieder mit neuem Leben gefüllt worden. Das ist der potenzielle Motor des europäischen Reichtums. Europa ist bereit, wieder zu wachsen. Und die Franzosen scheinen sich zu wünschen, dass neben dem wirtschaftlichen Wachstum auch eine europäische Verteidigung angestrebt wird. Sie haben auch bei den UN-Versammlungen über die Irak-Frage deutlich gezeigt, dass sie anderer Meinung sind als die USA.
Ich bin dafür. Es ist höchste Zeit, dass Europa dazu fähig ist, sich selbst zu verteidigen. Je eher es Frankreich und Deutschland schaffen, mit Krisen in Europa – wie im Kosovo – selber fertig zu werden, desto schneller können die USA ihre Truppen aus Europa abziehen. Diese Truppen gehören eigentlich nicht mehr nach Europa.
Aber es wäre ein Fehler von den Franzosen oder irgendjemand anderem, zu denken, dass eine solche stärkere militärische Rolle zwangsläufig auch die wirtschaftliche Gleichstellung mit den USA bedeuten würde. Natürlich haben die USA derzeit mit einigen ernsten strukturellen Problemen zu kämpfen. Und das europäische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist mit 11 Billionen Dollar fast so groß wie das der USA (13 Billionen Dollar). Die Größe kann aber täuschen. Europa hat noch jede Menge Hausaufgaben zu machen.
Kurz zusammengefasst meine ich damit Folgendes: Europa hat Probleme mit dem Arbeitsmarkt, hohen Steuern und übermäßigen Regulierungen, Budgetdefiziten der Mitgliedsstaaten und einer politischen Kultur, die nicht aufhören kann, Versprechen zu machen, die nicht gehalten werden können.
Nichts davon ist für den Euro gut. Obwohl der Euro wieder die Parität zum Dollar erreicht hat, hat er bis jetzt seine Gründer enttäuscht.
Er hat zu keinem Wachstumsschub geführt – im Gegenteil: Die Wirtschaft wird in Euroland in diesem Jahr vorrausichtlich nur um weniger als 1 % wachsen. Und im nächsten Jahr werden es vermutlich deutlich weniger als die bisher angepeilten 2,9 % Zuwachs werden. Das ist sogar für europäische Verhältnisse wenig. Die Zuversicht geht zurück, besonders in Italien, Frankreich und Deutschland.
Und der EU-Stabilitätspakt – den der EU-Präsident Romano Prodi als "dumm" bezeichnet hat – zeigt alle Fehler der künstlichen Währung. Die Zentralbank hat nur zwei Alternativen. Entweder sie senkt die Zinsen und stimuliert damit potenziell das Wachstum der größten europäischen Volkswirtschaften. Die Fiskalpolitik (das "deficit spending") hat besonders in Frankreich und Deutschland nicht zu Wirtschaftswachstum geführt. Niedrigere Zinsen könnten das eventuell schaffen. Aber auf der anderen Seite könnten niedrigere Zinsen in kleineren Mitgliedsstaaten zu höheren Inflationsraten führen.
Das ist ein Dilemma. Und während der Euro die Parität erreicht hat, zeigen die letzten Ereignisse, dass der Euro nicht aus eigener Stärke steigt – sondern dass es sich um eine Schwäche des Dollars handelt.
Geht es den amerikanischen Märkten nach der Wahl jetzt besser? Nun, der Kongress ist eigentlich immer noch zweigeteilt, es ist immer noch sehr schwierig, zum Beispiel deutliche Steuersenkungen da schnell durchzubringen. Und ich glaube, dass wir in den USA leider den gleichen Trend wie in Europa sehen werden: Mehr Steuern, mehr Regulierungen, mehr Staatsausgaben, und weniger Freiheit. Amerika mag einen freieren Arbeitsmarkt als Europa haben. Und amerikanische Volkswirte loben immer wieder die amerikanische "Dynamik". Aber wenn Europa zu wenig mit Kredit riskiert, dann riskiert Amerika zuviel.
Amerika war noch nie so stark verschuldet wie heute. Und es sind nicht nur die hohen Schulden der Konsumenten. Es geht auch um die Schulden der Unternehmen und des Staates. Die USA scheinen dem Rest der Welt zeigen zu wollen, dass man durch immer mehr konsumieren reich werden kann.
Den Aktienmärkten schien dies in den letzten Wochen zu gefallen – dem Dollar nicht. Eine ungewöhnliche Entwicklung.
Was war mit dem Dollar los? Warum hat er die Party nicht mitgemacht? Ich denke, dass ich die Antwort zu dieser Frage habe.
Es gibt Zeiten, in denen eine Rallye am Aktienmarkt die guten Aussichten einer Wirtschaft widerspiegelt. Und es gibt Zeiten, in denen eine Rallye nur durch "Spekulanten" angeheizt wird, die sich nicht um die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Realitäten kümmern. Ich gebe Ihnen zwei Versuche, zu erraten, welche Art von Rallye wir gerade hatten.
Der Dollar weiß das. Er weiß auch, dass niedrigere Zinssätze eine überschuldete Volkswirtschaft nicht zu immer weiteren Konsumausgaben veranlassen können. Er weiß auch, dass Schulden keinen Reichtum schaffen. Und er weiß, dass niedrigere Zinsen alleine hochbewertete Aktien nicht attraktiv machen können. Also was soll man als strategischer Investor in so einer Situation machen? Man könnte natürlich Gold kaufen. Gold wird wahrscheinlich sowohl den Euro als auch den Dollar im nächsten Jahr outperformen. Aber wie sieht das kurzfristig aus? Mein Rat ist, den zugrundeliegenden Trend nicht aus dem Blickfeld zu verlieren und den Bärenmarkt zu meiden. Und, wenn man mag, kann man mit dem Trend gehen, also Put-Optionsscheine kaufen.
Denn der Trend ist weiterhin ein Bärenmarkt, der weiterhin Reichtum zerstören wird, aber sichere Häfen werden profitieren. Mit anderen Worten: Raus aus den Aktien, rein in sichere Häfen. Calls auf Indizes kauft man nur prozyklisch.
Und am meisten leiden werden sicherlich Banken, Brokerhäuser, Kreditkartengesellschaften und Einzelhandelsunternehmen. Und Hypothekenbanken. Ok, der letzte Monat war sehr gut für die Bullen. Aber ich glaube, dass dies eine Ausnahme war. Generell gilt weiterhin: Halten Sie keine Aktienpositionen in diesem Markt. Und wenn Sie spekulieren wollen, dann suchen Sie sich schlechte Firmen aus, wie Einzelhandelsunternehmen, die wahrscheinlich im Weihnachtsgeschäft enttäuschen werden, und kaufen Sie Put-Optionsscheine auf diese Aktien.
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