Die Auswirkungen der Liquiditätskrise auf den Agrarsektor
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 27. Oktober 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
tja, ja, Kredit/Liquiditätskrise immer noch! Immer noch das vorherrschende Thema, immer noch da, immer noch nicht gelöst. Stattdessen gehen die Probleme und wie üblich, diese überteffende Befürchtungen auf die kleinen Emerging Markets über. Der IWF verteilt Bailout Programme an die Ukraine und Ungarn, Korea und Malaysia senken ihre Zinsen.
Natürlich sind nicht nur die USA und Europa von der Krise betroffen! Auch andere sich entwickelnde Volkswirtschaften werden Rettungspakete benötigen und müssen unterstützt werden. (eigentlich hatten China und Japan solche Unterstützungsmaßnahmen während des Rettungs-G-7/20 -Wochenendes gefordert; zu finanzieren aus den hohen Devisenreserven beispielsweise Chinas und Japans; entsprach aber nicht ganz dem Geschmack der US-Amerikaner, die dringend selbst im Tausch für ihre Schatzanleihen chinesisches Kapital benötigen)
Nun gut, dafür ist der IWF ja eigentlich auch da, nicht wahr?! Gut, man bekommt das Gefühl er laufe dem Markt zur Zeit ein wenig hinterher, anstatt zeitnah und umfassend zu reagieren. Vielleicht ist er wirklich ein Relikt aus vergangenen Tagen. Zumindest sehen Europa und Asien mittlerweile Handlungs- und vor allem Reformbedarf, wie beim Euro-Asia Treffen am vergangenen Wochenende die Staatslenker einmütig betonten. Wen und Sarkozy zumindest sind sich einig! Die Amerikaner dagegen vermutlich not so amused! Ich zumindest halte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen China und Europa für sehr löblich und vor allem zukunftsträchtig, obgleich ich einem zweiten Bretton Woods nicht sehr viel abgewinnen kann.
Aber lassen wir das, der Markt jedenfalls erwartet jetzt vor allem umfassende Vertrauensbildende Rettungsmaßnahmen und Notfallpläne für die gesamte Welt, denn mittlerweile preist der Markt sogar schon das Worst-Case-Szenario für China ein, das Land welches weltweit noch immer am besten gegen die Krise gewappnet ist. In meinen Augen ein extremes Panikzeichen!
Wie auch immer, widmen wir uns dem Thema und befassen uns mit den Auswirkungen der Krise auf den Agrarsektor weltweit.
USA: Kreditkonditionen für Farmer verschlechtern sich
Beginnen möchte ich zunächst mit dem großen Agrarrohstoffproduzenten USA. Bereits im August gab die Federal Reserve Bank of Kansas City bekannt, dass sich die Kreditkonditionen für Farmer im Getreidegürtel der USA verschlechtert haben.
Was bedeutet das?
Nun, zum einen haben die US-Farmer, genauso wie ihre Kollegen weltweit mit hohen Produktionskosten bei gleichzeitig niedrigen Verkaufspreisen zu kämpfen. Saatgut ist in den vergangenen 12 Monaten um 45 % teurer geworden. Die Pachtraten sind ebenfalls um 45 % gestiegen. Diesel ist - trotz Ölpreisrückgang - um 51 % teurer als im Vorjahr. Aber die Getreidepreise sind massive gefallen innerhalb dieses Jahres. Zwischen 40 und 50 %.
Aber das ist nur die eine Hälfte und sie ist schon besorgniserregend, deutet sie doch auf rückläufige Anbauflächen hin.
Doch zur anderen Hälfte, als direkte Auswirkung der Kreditkrise: die Verschlechterung der Kreditkonditionen.
Der Rückgang der Getreidepreise bedeutet, dass der Wert der Sicherheit die ein Farmer zur Kreditaufnahme aufweisen muss, schwindet. Im konkreten Fall verlangen die Banken und Kreditinstitute mittlerweile von den Farmern mehr Sicherheiten zu hinterlegen als nur" die Feldfrüchte oder das Land. Mittlerweile müssen die Farmer also sogar ihre Ausrüstung, landwirtschaftliche Geräte usw. als Sicherheit hinterlegen.
Bo Stone, Farmer aus North Carolina kommentiert dies in einem Bloomberg-Interview folgendermaßen: Wir bräuchten zwei bis dreimal soviel Kredit wie wir jetzt auf unsere Sicherheiten bekommen. Das bedeutet, dass unser Risiko enorm steigt. Wenn nur eine Ernte schlecht ausfällt, kann uns das am Ende alles kosten: Maschinen, Land und Existenz.
USA- einer der Gründe, weshalb im kommenden Jahr mit einem Getreide-Produktionsrückgang zu rechnen ist. Ein anderer Grund heißt Brasilien. Lesen Sie im zweiten Teil weiter...