Die Aussichten für Hafer sind exzellent
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 07. November 2006 20:45 Uhr
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In den vergangenen Jahren haben die USA die Anbaufläche von Hafer zugunsten anderer Getreidesorten immer mehr verkleinert, so dass der weltweit grösste Importeur 40 % der fast 3 Mio. Tonnen Jahresverbrauch importieren muss.
Jetzt wo alle Getreidepreise steigen, zieht Hafer natürlich mit und während sich die Bauern darauf beschränken zu überlegen, ob sie nun Weizen, Mais oder Soja anbauen, denkt kaum jemand an den Hafer.
Die Produktion innerhalb der EU wird wohl ebenfalls, aufgrund von verkleinerten Anbauflächen weiterhin sinken. Dies hat zwar keine signifikante Bedeutung für den Weltmarkt, da die meisten Hafer – Exporte der EU – Mitgliedstaaten in andere EU – Länder gehen, dennoch beliefern Schweden und Finnland die USA zu einem grossen Teil. So gingen im Jahr 2003, 88 % aller schwedischen Hafer – Exporte in die USA.
Sollte die Exportrate der EU sinken ruft dies den Konkurrenten Kanada auf den Plan, der in den vergangenen Jahren grosse Teile seines US – amerikanischen Absatzmarktes an die EU abgeben musste.
Doch die Nachfrage steigt, insbesondere für Hafer als Viehfutter. Nicht zuletzt wegen Asien. Bei steigendem Fleischkonsum ist auch ein steigender Haferkonsum abzusehen. Auch wenn ich darüber keine Informationen besitze so nehme ich doch an, dass in Asien und China auch irgendwann einmal der "Trend zum Pferd" einsetzen könnte.
In Deutschland, Grossbritannien und der USA ist Hafer ebenfalls als Nahrungsmittel bereits äusserst beliebt. In China gibt es ebenfalls auf Hafer basierende Teiggerichte und auch hier dürfte die Beliebtheit langfristig steigen. Das höre ich als ROhstoffanleger gerne. Eine beschränkte kaum beachtete Produktion und ein stetig wachsender Verbrauch.
Korrelation von Hafer und Mais
Bei näherer Betrachtung wird eine starke Korrelation zwischen dem Hafer - und dem Maispreis ersichtlich.
Seit vielen Jahren bewegen sich beiden Preise, mit einer Ausnahme, fast auf dem gleichen Niveau. So stand der Preis für Hafer im Jahr 1998 bei 77,14 US Dollar pro Tonne, der Preis für eine Tonne Mais war im gleichen Zeitraum 84,11 US Dollar.
Die Ausnahme geschah in den Jahren zwischen 2001 und 2003, als der Preis für Hafer signifikant stark gegenüber dem Maispreis tendierte. Im Jahr 2002 stand der Preis für eine Tonne Hafer bei 128,10 US Dollar, der Preis pro Tonne Mais bei nur 94,02 US Dollar.
Was war geschehen?
Im Regelfall herrscht in den USA eine stabile Nachfrage nach Hafer. Dies macht den Preis für Hafer erheblich von den Exportländern Kanada, Finnland und Schweden abhängig. Bei einem Angebot welches in Relation zur Nachfrage steht folgte der Haferpreis meist dem Preis für das andere Futtermittel Mais. Wenn allerdings, das Angebot plötzlich rapide absinkt, löst sich Hafer aus der Korrelation zu Mais und performt wesentlich stärker. So geschehen in den Jahren zwischen 2001 und 2003. Kanada hatte seine Haferproduktion erheblich zurückgefahren, deshalb der enorme Preisanstieg von sogar bis zu 50 %.
Fazit
Gegenwärtig steht der Dezember – Future für Hafer bei ganzen 177,75 US Dollar pro Tonne bzw. 2,69 US-Dollar pro Scheffel. Zu ihrem Verständnis: 1 Scheffel entspricht beim Hafer 14,5 Kilogramm. Beim Mais entspricht 1 Scheffel etwa 27 Kilogramm. Der Unterschied liegt daran, dass Scheffel (Bushel) ein so genanntes Volumenmass ist und sich die Tonne natürlich auf das Gewicht bezieht.
Seit dem durch Produktionsknappheit verursachten Haferboom, hat das Getreide allerdings enorm zugelegt. Allein seit September diesen Jahres, als die Getreidepreise ihre massive Aufwärtsbewegung antraten, stieg der Preis von Hafer um ganze 44 %. Damit ist Hafer das Getreide welches in diesem Jahr die stärkste Tendenz gezeigt hat.
Ebenfalls interessant ist, dass der Dezember 2007 Hafer mit 2,19 US-Dollar pro Scheffel deutlich unter dem aktuellen Dezemberporeis von 2,69 US-Dollar notiert - Eine klare Backwardation. Für Anleger ist Hafer damit ein Geheimtipp. Allein die Erstellung dieses Berichts hat viel Arbeit erfordert, denn im Gegensatz zu anderen Getreidesorten berichtet kaum ein Börsendienst über die Entwicklung des Hafers. Schliesslich ist Hafer unabhängig von den wilden Spekulanten, denn Hafer ist eher ein iliquider Markt. Hafer zeigt eine gute Performance, nun schon seit Jahren. Die steigende Nachfrage aus den USA und überdies seit neuestem auch aus Asien, sowie geringe Produktionsraten lassen das Getreide als eines der spannendsten Rohstoffe zurück.
Bislang ein Nachteil für Privatanleger, es gibt noch keine Zertifikate für Hafer. Für Rohstoffanleger im Futures-Markt ist Hafer jedoch ein interessanter Markt. Weniger fürs Trading, da illiquide, aber dafür umsomehhr für langfristige Anlagen.
So long…..Vergessen Sie morgen früh nicht ihren Haferbrei und ihre Haferflocken ;-)
Andreas Lambrou
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