Die armen reichen Männer
Von Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Juli 2006 07:30 Uhr
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Was kann Warren Buffett tun? Er ist zu alt um noch zu rocken. Und zu reich, um seinen Reichtum wieder los zu werden ehe er stirbt. Und doch sagte Andrew Carnegie: „Ein Mann, der reich stirbt, stirbt entehrt.“
Es braucht viel Talent, Geld zu verdienen. Es braucht auch ein bestimmtes Talent, es wieder los zu werden. Nur selten findet man beide Talente kombiniert. Ein Mann, der wenig Geld hat, weiß wie er es ausgeben kann. Er kauft sich Krempel und bezieht daraus Freude. Ein Mann wie Buffet hingegen hat so viel Zeit damit verbracht, Geld zu verdienen, dass er weder die Zeit noch das Temperament hat, es auch wieder los zu werden. Stattdessen zahlt er hohe Summen an seine Rechtsanwälte, um sein Lager so lang als möglich zu schützen. Und dann gründet er eine Stiftung und gibt doch alles weg.
Der Weise der Ebene hat viele Male geäußert, dass er keinen Beitrag zum „Club der glücklichen Spermien“ leisten will, in dem die Leute sitzen, die schon reich auf die Welt kamen. Er vergisst dabei, dass er an dem Tag, an dem er geboren wurde, auch schon in einen ebenso glücklichen Club der amerikanischen Machtelite hineingeboren wurde. Sein Vater war ein Mitglied des Kongresses und einer der wenigen dieser Klasse, die augenscheinlich Verstand und Ehre hatten. Aber anstatt seinem Glückstern für sein Schicksal zu danken, versucht Warren jetzt den Himmel für alle zu verdüstern, indem er auf die Notwendigkeit von Erbschaftssteuern beharrt, so dass wir am Anfang alle nur unseren Beitrag zu den nationalen Schulden haben und wenig mehr. Eine „Meritokratie“ nennt er das.
Eine Meritokratie ist ein fürchterlich praktisches System. Am freien Markt verdienen, zumindest der Theorie nach, die Leute das größte Vermögen, die den anderen Leuten am meisten von dem geben, was sie wollen. Ein Mann, der eine Computersoftware anbietet, die nicht funktioniert, macht vermutlich nur geringe Gewinne. Microsofts Produkte funktionieren ... zumindest meistens. Und zumindest so lang, dass sie noch auf unseren Schreibtischen landen. Und Gates hat fantastische Arbeit geleistet, als es darum ging, sie auf unsere Schreibtische zu bringen. Auf der anderen Seite erweist ein Investor, der rücksichtslos Aktien kauft, der Welt keinen Dienst. Er bringt sein Kapital an die falschen Orte. Er wirft seine Saat auf den nackten Felsen, wo sie verschwendet ist. Er verdient keinen Lohn.
Aber er wird die Frage laut stellen: Warum ist es besser, wenn sich das Geld in den Händen von wenigen glücklichen Meritokraten konzentriert, anstatt in den Händen der vielen glücklichen Kinder, die er hinterlässt? Buffett wird sagen, weil die Meritokraten es verdient haben und weil sie wissen, was sie damit anfangen müssen. Ich frage mich, was er denkt, wenn er sein Geld weggibt: jeder Penny wird in den Händen von Leuten landen, die sie nicht verdient haben.
Der Juni 2006 wird in die Geschichtsbücher eingehen als ein Juni, der für die Weltverbesserung Glück verheißend war. Bill Gates gab seinen Rücktritt von Microsoft bekannt, er wird seine ganze Zeit den guten Taten widmen, hat er gesagt. Dann sagte der zweitreichste Mann der Welt, Buffett, dass er 31 Milliarden Dollar zu diesem Projekt beisteuern wolle. Wie kann da noch jemand mäkeln? Die Zeitungen stimmen einhellig ein Lob dieser Beiden an. Schließlich haben sie angeboten, die Leiden der Armen zu dämpfen ... und Krankheiten zu heilen ... und die Technologie zu liefern, die die Probleme von Armut und Krankheiten angehen soll – und das mit ihrem eigenen Geld. Hier sind reiche Männer auf direktem Wege in den Himmel, sagen die Presseberichte.
Aber was wird wirklich aus Buffetts Geld werden? Wird es nicht in den Händen der ärmsten Menschen der Welt landen, die keine Ahnung haben, wie man Geld macht oder was man damit anstellen könnte, wenn man Geld machen würde? Was für eine Art von Meritokratie soll das sein?
Dann gab es am 12. Juli 2006 eine bebilderte Anzeige über eine ganze Seite in der Financial Times. Auf dem Bild war Bill Clinton zu erkennen, der ein bisschen anders aussah als in seinem Jahrbuch aus der Schule. Und da waren auch Laura Bush, Jacques Chirac, Rupert Murdoch, Tony Blair und natürlich Buffett und Gates. Alle von ihnen gaben ihr Ehrenwort, dass sie „die unmittelbaren und praktikablen Lösungen für die dringendsten Probleme der Welt finden wollten:“ Aber wenn es für diese Leute so leicht ist, Lösungen zu finden, warum haben sie sie dann so lange schon vor uns geheim gehalten? Hätten sie nicht den ein oder anderen Tag für eine so verdammt wichtige Aufgabe schon im vergangenen Jahr aufbringen können ... oder schon am Tag zuvor?
Wann immer ich höre, dass sich so viele der Großen der Welt an einem einzigen Ort versammeln – in diesem Fall bei der Clinton Global Initiative, einer kleinen Besprechung die von der William J. Clinton Foundation organsiert wurde - dann zucke ich zusammen. Was wäre, wenn ein Meteorit an genau diesem Punkt einschlagen würde? Würden all diese visionären Lösungen dann genauso ausgestorben sein wie die Mammuts? Würde die Menschheit dann noch ein weiteres Jahrtausend im Schlamm erdulden müssen?
An einer anderen Stelle in der gleichen Zeitung fand ich heraus, dass „Gates und Clinton für die afrikanische Gesundheit zusammenarbeiten“. Und an dieser Stelle halte ich inne, um Luft zu holen. Die beiden reisen durch den dunklen Kontinent und versuchen herauszufinden, wie sie Buffetts Geld ausgeben können, um diese Gegend mit Gesundheits- und Entwicklungsprogrammen freundlicher zu machen. Sie könnten genauso gut Thomas von Aquin und Mahatma Gandhi sein, die ein Feuerwerk abfeuern; kluge Männer, die aber vermutlich nicht wissen, was sie tun.
Wie wird sich all das also entwickeln? Ich weiß es nicht. Aber ich schüttle den Kopf. Wenn Buffett doch nur nicht so viel Geld verdient hätte. Ein geringeres Vermögen wäre wohl auf übliche Weise verschwendet worden: ohne die geringste Mühe. Frauen, Häuser, Boote, Kunst. Ja, Kunst. Buffett hätte eine der teuersten Sammlungen von moderner Kunst in der Welt erwerben können. Denken sie an all die zeitgenössischen Künstler, deren Herzen so glücklich gewesen wären. Er hätte sich so viele Kühe in Scheiben, eingelegte Schafe, ungemachte Betten und Farbkleckse kaufen können, wie er gewollt hätte. Dann hätte er all das der Öffentlichkeit zugänglich machen können, die ihn bewundert, ihm gedankt und hinter seinem Rücken herzhaft und laut losgelacht hätte.
Aber wenigstens die Leute, in deren Taschen sein Geld gelandet wäre, hätten selber entscheiden können, was sie damit machen wollen. Denn so ist es mit wahrem Einkommen, das ehrlich durch Schweiß und Sparsamkeit verdient wird und das die Leute aus der Armut befreit. Akte großen Wohlwollens hingegen, so gut sie auch kurzfristig sein mögen (und ich will überhaupt nicht bestreiten, dass sie kurzfristig sehr viel Gutes tun) machen langfristig die Dinge normalerweise schlechter. Anstatt das zu kriegen, was sie selber wählen würden, bekommen die Leute das, was die Gebenden ihnen geben wollen. Nicht als Kunden, sondern als Empfänger von Wohltätigkeiten.
Natürlich sind uns Maßnahmen persönlicher Wohlfahrt aufgetragen. Und ich hoffe, dass wir uns die Freude nicht entgehen lassen, sie zu leisten. Aber wenn die Skala groß genug wird, dann hat die Wohltätigkeit eher den Geschmack eines öffentlichen Spektakels als einer persönlichen Tugend ... hat mehr von Regierungsprogrammen als von unverfälschten Akten der Großzügigkeit. Zusammen mit der Hoffnung und der Hilfe weht mir dann, wenn auch sehr schwach, ein säuerlicher Geruch von Unsinn entgegen.
Ich gebe Buffett und Gates keine Schuld. Was können diese armen reichen Männer sonst tun? Sie haben zu viel Geld als dass sie es noch ausgeben könnten und bei weitem zu viel, um es weise auszugeben. Buffett sagt, dass er vermeiden will, den korrumpierenden Einfluss des unverdienten Geldes weiterzugeben. Er will seinen Kindern „genug geben, so dass sie alles machen können, aber nicht so viel, dass sie nichts machen müssen.“ Ist das Weisheit oder atemberaubende Dummheit eines Geldmannes? Ich kenne einige Leute, die fast ohne Geld nichts tun. Andere erben Vermögen und tun damit eine ganze Menge. Die großen Häuser Britanniens, die großen Gärten und die vielen Leistungen in den unterschiedlichsten Bereichen von den Schmetterlingssammlungen bis zur Ägyptologie bis hin zur angewandten Mechanik und Astrophysik wurden von Menschen erzielt, die genug Geld verdienten um keinen Lohn mehr zu brauchen.
In Amerika geht es laut Buffett und den Gleichmachern nur darum, Geld zu verdienen. Und man kann nur dann ein Gewinner sein, wenn man viel davon verdient. Aber die aristokratischen Erben Großbritanniens wurden auf einer ganz anderen Skala erfolgreich geboren. Sie mussten nichts beweisen, indem sie Geld verdienten; ihr sozialer Status war schon von Geburt an gesichert. Anstatt also dem Geld hinterher zu jagen, konnten sie in den Ruinen von Karthago herumstochern oder die Fossilien der kambrischen Ära durchsuchen.
Was mich überrascht ist, wie wenig die beiden größten Kapitalisten aller Zeiten davon zu verstehen scheinen, wie die Welt des Geldes wirklich funktioniert. Wenn man sich vorstellen würde, dass sie zum Beispiel eine brandneue Stiftung gründeten und wenn man den normalen Zynismus und einmal beiseite ließe und sich weiterhin vorstellen würde, dass das Projekt noch nicht durch Korruption und Inkompetenz geschädigt wird und alle Mitglieder des Personals Heilige sind, alle Vertragspartner Erzengel und alle Kunden recyclen, bleibt immer noch die Frage offen, wie das dynamische Duo wissen kann, dass das Projekt die Sache wert ist. In Abwesenheit von unabhängigen Kunden und frei zu setzenden Preisen, wie wollen sie es da wissen?
Wenn die beiden Männer ihr Geld einfach nur verteilen würden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Empfänger damit viele verschiedene Dinge getan hätten, hoch. Die meisten hätten es aufgegessen oder einfach verschleudert. Einige wenige hätten es vielleicht dazu genutzt, Geschäfte aufzubauen, die zum Wohlstand der gesamten Nation beigetragen hätten. Andere hätten sich selbst zu Bildung verholfen... zu besonderen Fähigkeiten... oder zu Werkzeugen, die es ihnen in der Zukunft erleichtert hätten, mehr Geld zu verdienen.
Aber dank Buffetts Großherzigkeit, werden sie jetzt alle das bekommen, was Gates und seine Armee von Experten, Funktionären, Beratern und Betrügern will, dass sie bekommen. Und dass ist der Grund, warum es besser ist zu geben als zu empfangen. Die Empfänger bekommen weder was sie verdienen, noch was sie wollen... sondern was der Geber ihnen zugesteht.
Jetzt werden also die Armen der Welt Hilfe bekommen, und sie werden sie im Übermaß bekommen. Sie werden das bekommen, was ein reicher weißer Typ – vielleicht schon lange tot – gewünscht hat, dass sie erhalten. Und sie werden es nicht nur für einen Tag oder eine Woche haben, sondern über Generationen... oder zumindest solange das Geld reicht. Eine gut laufende, gut ausgestattete Stiftung kann Jahrhunderte halten. Die Apparatschiks der Regierung werden sie mit Regierungsprogrammen am Leben halten und Nutzen für sich selbst herausschlagen, aber nicht so viel, dass sie ihren Gastgeber töten, wenn es sich verhindern lässt.
In wie weit unterscheidet sich das von anderen Projekten, die in der Vergangenheit von den Weltverbesserern... den Kommunisten... den Zentralplanern... denen, die sich einmischen... den Gleichmachern, ausgedacht wurden, abgesehen davon, dass Buffett und Gates so reich sind, dass sie das Geld nicht stehlen müssen, um sich das leisten zu können.
Ich weiß es nicht, aber ich werde die Zeit und den Ort der Clinton Reunion veröffentlichen, wenn ich sie erfahre... nur falls die Götter darauf zielen wollen.