Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 10. März 2003 18:00 Uhr
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In der vergangenen Woche dominierten erneut die Bären das Geschehen an den Weltbörsen. Einige europäische Indizes, wie der schweizer SMI oder Hollands AEX befanden sich nahezu im freien Fall. Dahingegen war die andauernde Talfahrt im Dax mit einem zwischenzeitlichen Absacken auf unter 2400 im Verhältnis noch relativ milde. Auch der britische Top-Index, der FTSE 100, mußte ebenfalls herbe Verluste hinnehmen, nicht zuletzt gerade deswegen, weil am Anfang der Woche in den Massenmedien erstmals über die gigantischen Verluste bei den Pensionsfonds berichtet wurde. Hier ticken nicht nur in den USA gigantische "Zeitbomben" in Form von dramatischen Verlusten und Kapital-Unterdeckungen, welche -sollten sich die Märkte nicht bald nachhaltig erholen- zu drastischen Kürzungen der Auszahlungen und folglich starken Wohlstandsverlusten bei Pensionären führen werden.
Insofern ist es wohl kaum verwunderlich, daß die Finanz- und vor allem die Versicherungswerte, ohnehin schon durch den Ahold-Skandal zusätzlich ins Gerede geraten, nur noch eine Richtung kennen, und zwar nach unten. Seien es englische, seien es französische, holländische, schweizer oder deutsche Versicherungswerte, allesamt gibt es kein Halten mehr. Einstige Lieblinge der Analysten wie Aegon, Allianz oder ING sind mittlerweile längst unter die Tiefstände des vergangenen Oktobers gefallen. Zudem gibt es sowohl fundamental als auch technisch wenig Anzeichen – mit Ausnahme einer möglichen scharfen Aufwärtskorrektur im Zuge eines raschen Sieges der USA im möglichen Irak-Krieg – dafür, daß eine rasche und vor allem dauerhafte Wende zum Besseren ansteht. Sollten Sie sich folglich noch immer nicht von diesen Papieren getrennt haben, so wäre die eventuell anstehende "Irak-Rallye" die letzte Gelegenheit dazu!
Denn, eines muß mehr denn je betont werden: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies- und jenseits des Atlantiks sind alles andere als "aktien-freundlich". Im Gegenteil, die "Trieb-Federn" der Baisse verstärken sich in einem Ausmaße, welches selbst für Pessimisten überraschend ist.
Vor allem die düsteren Nachrichten vom Arbeitsmarkt bereiten immer größere Kopfschmerzen. Obwohl die Wall Street Analysten nicht nachlassen, von einem Wirtschaftsaufschwung zu sprechen, ist es aber in der harten Realität so, daß allein im Monat Februar diesen Jahres die amerikanische Wirtschaft die dramatisch hohe Zahl von 308000 Stellen verlor. Die meisten Volkswirte gingen zuvor davon aus, daß es zu einem Stellenaufbau von 20000 kommt!
Hier hilft kein Schönreden mehr, diese Zahlen sind mehr als nur beunruhigend. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, daß es überhaupt keine Anzeichen für eine wirklich starke Erholung der Weltwirtschaft gibt. Inzwischen sorgt sich auch die US-Notenbank Fed um den Zustand der Wirtschaft. Im Beige-Book wurde bekannt, daß es keine Indikationen dafür gibt, daß sich die Investitionsausgaben der Unternehmen und die Ausgaben der Verbraucher verbessern. Ich kann es nicht oft genug sagen, ohne eine Trendwende bei den Investitionen wird es keinen Aufschwung geben!
Aber nicht nur die amerikanische Zentralbank ist besorgt, sondern auch die bundesdeutsche. Erstmals wurde eine Vertrauens- und Wachstumskrise der deutschen Wirtschaft eingeräumt. Diese führe dazu, daß unter den "Status-quo-Bedingungen" der deutschen Wirtschaft nurmehr ein Potenzial-Wachstum von 1 % zugebilligt wird. Wohl gemerkt, dies sind die Aussagen der deutschen Zentralbank, welche sich in der Art und Weise historisch nur sehr, sehr selten zu Wort meldet.
Aber, ehrlich gesagt, angesichts der gigantischen Strukturproblemen der Bundesrepublik war es wohl für die Bundesbank an der Zeit, "Tacheles" zu reden. Denn mittlerweile sind es im Lande mehr als 4 700 000 in der offiziellen Statistik registrierte Menschen, die nach Arbeit suchen. Wobei manche Wirtschaftsinstitute davon ausgehen, daß die wahre Zahl der Arbeitslosen rund 8 Millionen beträgt.
Gar nicht auszudenken, was passiert, wenn der drohende Irak-Krieg sich schwieriger als erwartet gestaltet und der Ölpreis weiter nach oben schießt. Von dem möglichen Konflikt mit Nord-Korea ganz zu schweigen.
Wie dem auch sei, die momentane Lage ist alles andere als gut und spricht mehr denn je gegen Aktien! Seien Sie auf der Hut!