Die Anschläge auf Bali – Auswirkungen auf die Börse ungewiss
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Sie erinnern sich, ich hatte von den Sorgenfalten geschrieben. Diese sind nun etwas tiefer geworden. Der Anschlag auf Bali unterstützt die Vermutung, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten noch einiges an Anschlägen vor uns haben. Ich hatte ehrlich gehofft, dass es nicht so kommt und noch ist diese Hoffnung auch weiterhin nicht verschwunden. Anderseits steht zu befürchten, dass wir gerade in eine Art weltweiten Guerillakrieg geraten. Der Anschlag auf den Öltanker, nun der Anschlag in Bali, gerade wieder Schüsse auf amerikanische Soldaten in Kuwait, was wird als nächstes kommen? Einen Guerillakrieg führt eine Gruppe dann, wenn sie in einem offenen Kampf unterlegen wäre und ausreichend Unterstützung in Teilen der Bevölkerung findet. Beides ist der Fall. Es scheint, als sei eine Folge der Globalisierung, dass die Welt immer mehr zu "einem Gebiet" zusammenschmilzt. Die Welt wird kleiner und kleiner und in diesem kleinem Land "Welt" scheint eine Gruppe nun einen Guerillakrieg führen zu wollen.
Doch welche Auswirkungen wird dieser "Krieg" auf die Börse haben. Leider muss das reine Spekulation bleiben und da muss ich ehrlich sein, ich weiß es nicht genau. Es gibt im Prinzip keine vergleichbare historische Entwicklung. In den Ländern, in denen früher Guerillakriege geführt wurden, also Anschläge auf Anschläge folgten, lag zumeist die Wirtschaft zu sehr am Boden, als dass man da Vergleiche ziehen könnte. Und die großen Kriege hatten eine völlig andere Dynamik. Auch der kalte Krieg hatte seine Angstmomente, bietet aber auch kaum Vergleichbarkeiten. Nein, ich bleibe dabei, es handelt sich hier um eine völlig neue Entwicklung, die keiner genau abzuschätzen kann. Es wird viel davon abhängen, ob sich die Anschläge fortsetzen und welches Ausmaß sie erreichen werden. Ein größerer Anschlag auf eine empfindliche Stelle und die Börsen rauschen in die Tiefe.
Aber ich kenne die Psyche der Menschen und die bestimmt immer noch weitgehend das Geschehen an den Börsen. Die Psyche des Menschen ist enorm anpassungsfähig. Dieser Anpassungsfähigkeit verdankt der Mensch die Tatsache, dass ein bestimmter Reiz, sofern er sich wiederholt, sich abschwächt. Die Psyche des Menschen wird also von Anschlag zu Anschlag weniger "gereizt" darauf reagieren (es sei denn die Heftigkeit nimmt extrem zu). Vielleicht erinnern Sie sich noch an das letzte Aufflammen des Nahostkonflikts. Am Anfang reagierten die Börsen noch auf jede Meldung aus der Region, heute werden selbst weitaus schlimmere Meldungen kaum noch wahr genommen. Ich bleibe dabei, die Börsen werde sich an die "veränderten" Bedingungen gewöhnen. Zudem habe die Amerikaner eine Eigenschaft, die sie gegen solche Anschläge "immun" macht: sobald der Anschlag außerhalb von Amerika stattfindet, ist das Interesse der Amerikaner daran eher gering und kurzfristig. Deswegen ist ein weitere wichtiger Punkt: werden auch Anschläge auf amerikanischen Boden folgen?
Die Firmen, die direkt von solchen Anschlägen betroffen sind wie Reiseunternehmen und Fluggesellschaften, sind natürlich die Verlierer heute. TUI (WKN 695299) stand im Tief bei 14,20 €, –11,25 %, erholte sich dann jedoch auf 15,20 € –5 %. Lufthansa (WKN 823212) verlor 6,82 % auf 9,55 im Tief. Bei beiden Werten gilt weiterhin: meiden sie diese Werte.