Die amerikanischen Konsumenten beginnen, vernünftig zu werden
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 05. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Alle Augen waren in den letzten Wochen auf den Dow Jones und den Nasdaq-Composite gerichtet. Ist der Bärenmarkt vorbei? Wie weit können die Aktien in dieser Rallye noch steigen? Keiner kennt die Antworten, aber die Investoren halten ihre Aktien – oder kaufen noch dazu –, während sie auf die Antwort warten.
Was sie herausfinden werden – früher oder später – ist, wie lange ein Bärenmarkt andauern kann. Aber das bedeutet nicht, dass der Dow Jones vorher noch 1.000 Punkte steigen kann ...
Ich habe gestern zwei interessante Dinge in den News gefunden. Zum einen die Tatsache, dass die Konsumausgaben in den USA im September um 0,4 % gefallen sind – während gleichzeitig die Sparrate von 3,4 % im August auf 4,2 % gestiegen ist.
Könnte es sein, dass die Konsumenten auf einmal wissen, was sie tun müssen?
Sie können schließlich nicht für immer Geld, das sie nicht haben, für Dinge, die sie nicht brauchen, ausgeben. "Von nichts kommt nichts" – Sie kennen sicher dieses Sprichwort. Entweder müssen die amerikanischen Konsumenten vernünftig werden, ihre Schulden zurückfahren und ihre Ersparnisse erhöhen ... oder die Ausländer werden aufhören, diesen exzessiven Konsum zu finanzieren.
Denn die USA brauchen jeden Tag 1,5 Milliarden Dollar an Kapitalimporten, damit die amerikanischen Konsumenten wie bisher weiterkonsumieren können. Dieses Geld kommt von Ausländern, die immer noch Dollar für ihre wertvollen Güter akzeptieren. Wie lang werden sie das noch mitmachen? Früher oder später werden die Ausländer ein paar ihrer Dollar loswerden wollen und diese in ihre heimischen Währungen tauschen, glaube ich. Aber es begann fast so auszusehen, als ob die Konsumenten länger so weiter konsumieren würden ... und die Ausländer das länger finanzieren würden ... als ich dies vorausgesehen hatte.
Aber die eben genannten Zahlen sehen wie ein neuer Trend aus; der amerikanische Konsument wird ein bisschen "japanisch": Er gibt weniger aus, spart mehr, und zerstört dabei die auf kreditfinanzierten Ausgaben beruhende amerikanische Wirtschaft.
Was noch? Der Dollar fiel – sowohl gegenüber dem Gold als auch gegenüber anderen Währungen. Der Goldpreis hat letzte Woche 5,40 Dollar zugelegt. Und der Euro steht jetzt wieder bei über 0,99 Cents.