Die Amerikaner werden sparsamer
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 22. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Aktien legen weiterhin eine gute Performance hin – alle größeren Indizes sind gerade auf frische 1-Jahres-Hochs gestiegen. Leider weigert sich die amerikanische Wirtschaft hartnäckig, diesem Trend zu folgen. Die US-Wirtschaft zieht es stattdessen vor, ihre Füße sicher auf dem Boden zu lassen und einfach weiter zu schlurfen.
Die Investoren hoffen so verzweifelt auf Wirtschaftswachstum, dass alle Ökonomen und Analysten der Wall Street – wie Spieler bei einem Schildkrötenrennen – die Wirtschaft laut anfeuern, damit sie an Geschwindigkeit aufnehmen und hin zur Ziellinie sprinten soll.
Aber diese Schildkröte kann nicht "sprinten" ... den Beweis dafür liefern vielleicht die aktuellen Quartalszahlen von Hewlett Packard. Der diversifizierte Technologiegigant stolpert genauso wie die Gesamtwirtschaft so vor sich hin, trotz der konstanten Anfeuerungsrufe der Fans. Das ist kein schönes Bild.
Viele der Firmenbereiche von Hewlett Packard haben wieder einmal Verluste präsentiert. Die Verkäufe von "Personal-systems" (darunter sind Desktops und Notebooks) generierten im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 56 Millionen Dollar – verglichen mit einem Gewinn von 21 Millionen Dollar im Quartal zuvor.
Die profitabelste Abteilung von Hewlett Packard – natürlich, die Drucker-Abteilung – konnte einen operativen Gewinn von 739 Millionen Dollar erzielen. Aber auch das bleibt signifikant unter dem Vorjahreswert von 918 Millionen Dollar. Und im Vorquartal waren es 851 Millionen Dollar Gewinn. Dieses insgesamt magere Ergebnis von Hewlett Packard ist kein gutes Zeichen – weder für den amerikanischen Technologie-Sektor noch für die gesamte amerikanische Volkswirtschaft.
Zu einem anderen Rennen des großen amerikanischen Schildkrötenrennens. Viele Konsumenten werden zu Sparern ... und das ist für eine Volkswirtschaft, die sich sehr stark auf dem Konsum stützt, in der aktuellen Situation kein hilfreicher Trend.
Geld zu sparen – wie sich dem Alkohol fernzuhalten – ist ein gesunder Trend ... außer man ist ein Kneipenbesitzer. Und es ist kein Geheimnis, dass die US-Wirtschaft höhere Konsumausgaben braucht, wenn sie wachsen will. Die Konsumenten müssen ihre Gürtel kontinuierlich weiter schnallen – und nicht enger. Leider lernt der amerikanische Konsument derzeit, vernünftig zu sein.
So haben fast 50 % der Amerikaner, die gerade eine Steuerrückzahlung erhalten haben, gesagt, dass sie dieses Geld zum Bezahlen von Rechnungen genutzt haben. Weitere 29 % haben mitgeteilt, dass sie das Geld gespart oder investiert haben, während nur 18 % gesagt haben, dass sie es ausgegeben haben. "Dieses Ergebnis spricht gegen die Hoffnung der Bush-Administration – und ganz bestimmt gegen die Hoffnung der US-Einzelhändler –, dass die Amerikaner diese Steuervergütungen ausgeben, um die wirtschaftliche Erholung zu stimulieren", so die Financial Times.
Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Kreditkartenschulden im Juni um mehr als 2 % gefallen. Es ist natürlich möglich, dass das noch Nachwirkungen des Booms bei der Hypothekenvergabe sind – denn viele Verbraucher haben mit frischen Hypotheken auch Kreditkartenschulden – die deutlich höher zu verzinsen sind – zurückgezahlt.
Allerdings ist der Cambridge Consumer Credit Index (dieser Index mist den Gebrauch von Kreditkarten) von 60 Punkten im Juli auf 55 im August gefallen. Und in einer Umfrage von Cambridge sagten im August 25 % der Befragten, dass sie ihre Kreditkartenschulden erhöht haben. Im Juli lag dieser Wert noch bei 30 %.
Es sieht so aus, als ob die neue Sparsamkeit der Nation ein wirklicher neuer Trend sein könnte. Aber leider beschränkt sich dieser neue Schulden-Konservatismus auf die eher "Reichen". Die eher "Armen" leihen sich weiterhin Geld, um über die Runden zu kommen.
Deshalb sieht man in den USA bei den Schuldnern unter "Erste-Klasse-Standard" hohe Ausfallraten. Das ist kein gesunder Trend. Es gibt noch jede Menge Risiken im "Schuldenland".