Die "Alte Welt"
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 20. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** In Frankreich streiken die Studenten. Und es gibt Krawalle. Allein in Paris versammelten sich 120.000 Studenten, um gegen die neuen Arbeitsgesetze zu protestieren, die von der Regierung entwickelt wurden, um die chronische Arbeitslosigkeit in Angriff zu nehmen. Autos brannten. Tränengas wurde eingesetzt.
Der Grund für diese Unruhen: Dieser Vertrag macht es leichter, Leute unter 26 Jahre einzustellen. Aber in den ersten beiden Jahren ihrer Anstellung können sie auch ohne Begründung wieder gefeuert werden. Das ist eine Neuheit in einem Land, das die Institutionalisierung von überzähliger Arbeitskraft für eine soziale Errungenschaft hält.
Die jugendlichen Franzosen sehen darin eine Bedrohung für ihre Zukunft. Die jugendlichen Amerikaner, denen ich diese "Wut" erklären wollte, verstanden nicht wirklich, wo das Problem war. Schließlich kann man in Amerika bei fast jedem Job ohne Grund gefeuert werden, ganz egal, welches Alter man hat, oder in welcher Lohnspanne man sich befindet.
"Warum suchen sie sich dann nicht einfach einen anderen Job", fragte ein sechzehnjähriger Pfadfinder. Im Interesse des Weltfriedens und der internationalen Verständigung verzichtete ich auf Ausdrücke wie "faul", "einfallslos" und "unflexibel" – indem ich auf die amerikanischen Wörter "Gegenwart", und "Gegenwart mit einem Auge für die Zukunft" verwies.
Da draußen gibt es noch eine andere Welt, und wir nennen sie zu Recht die "Alte Welt".
Und wenn die französischen Studenten ein Vorzeichen darstellen, dann wird sie bald als Vergangenheit bezeichnet werden.
*** Mein Mitarbeiter John Mauldin schreibt:
"Leser, die meine Beiträge öfter lesen, wissen, dass ich wegen der Ungleichgewichte beim Handelsbilanzdefizit und wegen der großen und wachsenden Verschuldung nicht glaube, dass die Welt zu einer leichten Depression tendiert. Darum wird man sich kümmern müssen, aber ich denke, dass es im normalen Kontext eines Geschäftszyklus' passieren wird. Eine Rezession hier, ein fallender Dollar dort und wir werden wieder da ankommen, wo der Reset-Button gedrückt ist. Es wird nicht lustig werden, aber es ist auch nicht das Ende der Welt. Es ist das, was ich als Durchmogel-Wirtschaft bezeichne. Ich bin in der Tat sogar sehr optimistisch, was die Anlagemöglichkeiten anbelangt, die wir in dieser Phase haben werden, mit den bekannten Anmerkungen und Vorbehalten."
"Aber ich habe schon seit Jahren darauf bestanden, dass es eine Sache gibt, die meinen zugrunde liegenden Optimismus dämpfen könnte, und das ist eine neue Welle des Protektionismus. Senator Smoot und der Regierungsvertreter Hawley sind berühmt-berüchtigt für ein Gesetz, das 1930 die Zölle für eine ganze Reihe von Produkten steigen ließ, um die amerikanischen Jobs zu 'schützen'. Der Rest der Welt hat sich natürlich revanchiert und schon bald waren wir von einer Rezession in eine weltweite Depression geschlittert. Die Arbeitslosenzahlen stiegen und die 'geschützten' Jobs gingen auch verloren."
"Rezessionen sind Teil eines jeden Geschäftszyklus'. Die Fed kann, auch wenn sie es versucht, einen solchen nicht aufhalten. Auch kann der Kongress keine Gesetze erlassen, die die Rezession verbieten. Und im Wesentlichen, mit einigen wenigen Ausnahmen, sind sie letzten Endes gar nicht so schlecht gewesen. Man kann behaupten, dass sie notwendig sind, um Ungleichgewichte und 'unvernünftige Auswüchse' hier und dort zu korrigieren. Normalerweise steigen die Arbeitslosenzahlen in dieser Zeit ein wenig, aber nur wenige Jahre später sind die Stellen wieder da, der Aktienmarkt und die Gewinne brechen ein, kommen aber zurück, sobald der Reset-Button gedrückt wurde."
"Ich will das nicht schönreden. Wenn es ihr Job ist, ihre Anlage oder ihr Gewinn, der davon betroffen ist, dann kann es lange, schlaflose Nächte bedeuten. Habe ich alles schon erlebt. Doch auf die große Mehrheit der Amerikaner hat eine Rezession keine großen Auswirkungen. Die Arbeitslosenzahlen sind noch nie über 7 % gestiegen und die Unternehmensprofite haben sich immer wieder ziemlich stark erholt. Die nächste Rezession mag schlimm ausfallen, aber sie wird früh genug auch wieder enden. So ist das mit den Geschäftszyklen."