Die Aktienmärkte zum Donnerstag
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 5. Januar 2012, 17:00 Uhr
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auch wenn das neue Jahr nun läuft und die Erwartungen zahlreicher Analysten wieder einmal stark auseinander gehen, so hat sich doch bisher an den Märkten aus technischer Sicht noch nicht viel getan.
Wie ich Ihnen am Montag bereits in meinem Artikel "Marktinterna weiter stabil" schrieb, hält sich der innere Markt der NYSE weiterhin gut und solide.
Ich möchte mit Ihnen daher heute kurz einen Blick zum Vergleich auf den äußeren Markt werfen.
Sehen wir uns zunächst den weltweit wichtigsten Index für das Nebenwerte-Universum an, den Russel 2000. Im folgenden Chart ist dieser auf Tagesbasis zu sehen. Hinzugefügt sind die üblichen Gleitschnitte und die Ihnen inzwischen sicherlich schon bekannte Verdichtungsformation sowie eine markante Widerstandslinie.
Quelle: Stockcharts
Wie Sie im obigen Chart sehen können, ist der Kurs des Index zur Zeit zwischen zwei Linien gefangen.
Einerseits haben wir die untere, steigende Trendlinie, welche auch gleichzeitig den unteren Rand der Verdichtungsformation der vergangenen Wochen bildet. Andererseits haben wir die schwarz eingezeichnete Widerstandslinie, die den Index bisher nach oben in Schach hält.
Streng genommen haben wir ja eigentlich schon ein erstes bullisches Anzeichen, denn der Kurs hat die Verdichtungsformation tatsächlich nach oben verlassen und ist dabei über die obere Begrenzungslinie gestiegen. Doch entschieden ist damit noch nichts. Schafft es der Index nämlich nicht, über den Widerstand zu steigen, dürften zahlreiche Marktteilnehmer dies als Schwächeanzeichen sehen. In diesem Fall bietet die Widerstandslinie für diese Händler eine sehr gute Grenze für Stop Loss Marken und Short-Einstiege, was sicherlich dazu führen wird, dass der Index noch weiter unter Druck kommt.
Ganz so weit sind wir natürlich noch nicht, denn immerhin gibt es ja auch noch die steigende Trendlinie, welche unterstützend wirkt. Sollte der Index jedoch hierunter fallen, wäre das als sehr bärisch einzustufen und in diesem Fall würde ich mit mindestens mehreren Tagen Marktschwäche rechnen.
Im Gegenzug wäre es natürlich sehr bullisch, wenn die schwarze Widerstandslinie dynamisch durchdrungen würde. In diesem Fall dürften die Bullen höchstwahrscheinlich erst einmal zu ihrem Lauf ansetzen und der Index schöne Zugewinne verzeichnen. Es lohnt sich also, ein waches Auge auf die Entwicklungen im Russell 2000 Index zu haben.
Wie ist die Situation im S&P 500?
Wie wir es so oft auch schon in der Vergangenheit sahen, haben wir auch diesmal eine relativ analoge Entwicklung im S&P 500 zum Russell 2000.
Sehen wir uns auch hier einmal den entsprechenden Tageschart an:
Quelle: Stockcharts
Auch hier fällt auf, dass die ähnlich angelegte Verdichtungsformation nach oben durchbrochen wurde, jedoch der Index an einem ähnlichen Widerstand bisher scheiterte.
Ein Unterschied zum Russell 2000 ist jedoch, dass hier zwar auch eine steigende Unterstützungslinie vorliegt, diese jedoch in Relation weitaus tiefer liegt als beim Nebenwerteindex. Im Falle eines Scheiterns am Widerstand fällt der S&P 500 dadurch wahrscheinlich ein Stückchen weiter als der Russell 2000. Ansonsten lassen sich die wesentlichen Aussagen vom obigen Chart auch auf diesen übertragen.
Ein Blick auf das Sentiment der Anleger
Abschließend möchte ich mit Ihnen noch einen kurzen Blick auf das Sentiment der Marktteilnehmer werfen und hierzu den VIX betrachten. Mein ehemaliger Kollege Alexander Hahn schrieb zu diesem Index einst:
Beim VIX (Kurzform; gleichzeitig ist VIX das Tickersymbol des Index in den USA) handelt es sich um den Chicago Board Options Exchange Volatility Index auf den S&P 500 (vom Prinzip her das, was bei uns der VDAX ist). Er zeigt die 30 Tage Erwartung seitens des Markts hinsichtlich Volatilität an. Konstruiert wird dieser Index mittels einer weiten Palette von S&P 500 Index-Optionen (Calls und Puts). Der VIX versteht sich als vorausschauender Index und wird von Investoren und Tradern meist als "Angstbarometer" verwendet und um das Risiko im Markt zu beurteilen.
Die Logik ist hierbei stark vereinfacht gesagt: Steht der VIX extrem tief, sind die Marktteilnehmer sorglos; steht er hoch, sind die Marktteilnehmer in Panik.
Wo also steht der Index im Moment? Gibt es Grund zur Sorge?
Sehen wir uns den aktuellen Chart an:
Quelle: Stockcharts
Dem obigen Chart habe ich nicht viel hinzugefügt, außer einer Widerstandslinie.
In einer der letzten Ausgaben 2011 schrieb ich Ihnen, dass der VIX kurzfristig überverkauft sei und es deswegen sehr wahrscheinlich sei, dass er ein wenig ansteigt. In der Tat ist dies inzwischen erfolgt; der VIX hat jedoch dabei eine Widerstandszone ausgebildet, was für die Bullen sicherlich ein positives Signal ist. Schafft der VIX es nämlich nicht, hier drüber zu steigen, können wir wohl davon ausgehen, dass der Index weiter fallen wird. Und fallende VIX-Stände gehen in der Regel mit steigenden Kursen im Gesamtmarkt einher.
Insgesamt sieht die Marktlage damit auch heute weiterhin recht stabil aus und es dürfte spannend werden zu sehen, ob in den den großen Leitindizes die oben eingezeichneten schwarzen Widerstandslinien fallen werden.


