Kathrin Dörfeld in Insider Daily zum Thema Aktien
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es ist eines jener Phänomene, die am Aktienmarkt seit Jahren regelmäßig auftauchen: Steigen die Kurse, dann verkaufen die Topmanager. Setzt die Massenflucht aus den Papieren ein, dann greifen sie zu. Das war in den vergangenen Wochen wieder sehr gut zu beobachten. Seit dem Jahreshoch des DAX von 7.157 Punkten Mitte März fallen die Kurse - das Tief der vergangenen Woche lag bei 5.918 Punkten. Europa ist in eine Schieflage geraten und die Börsen stehen auf äußerst wackeligen Beinchen. Sorgen über die Finanzlage Spaniens, eine wirtschaftliche Abschwächung in China, eine relativ verhaltene Quartalssaison - aber die Insider schlagen trotzdem zu!
"Antizyklisch" ist hier das Stichwort. Wenn die Börsen unter Druck stehen, dann gehen Vorstände und andere Insider auf die Pirsch nach eigenen Aktien. Während Privatanleger mit Sorge die fallenden Kurse beäugen, reiben sich die Vorstände freudig die Hände und warten nur darauf, bei einem möglichst niedrigen Kurs die unternehmenseigenen Aktien einzukassieren. Schließlich investieren die Insider in das Unternehmen, welches sie am besten kennen, in welches sie ihr Vertrauen setzen und sich hinsichtlich ihrer Investition in Sicherheit wiegen. Unbeirrt von Risiken der Finanzschuldenkrise heimsen Firmenbosse die eigenen Aktien zu Schnäppchen-Preisen ein und erzielen damit historisch betrachtet auch zumeist eine überdurchschnittliche Rendite. Das Gegenteil gilt für die Insiderverkäufe. Durch Verkäufe vermeiden Vorstandsmitglieder mitunter deutliche Kursverluste.
Privatanleger sollten daher genauer hinschauen, wenn der Big Boss eines Unternehmens die konzerneigenen Aktien auf dem Ein- oder Verkaufszettel hat. Den meisten Anlegern fällt das antizyklische Handeln schwer. Viele fragen sich, wenn die Wirtschaft vor lauter Krisen aus dem Taumeln nicht mehr herauskommt und die Aktienkurse immer weiter den Bach runter gehen, wie kann man da noch an eine Geldanlage in Aktien denken? Insider kaufen meist dann, wenn die Kurse fallen. Das unterscheidet sie von Privatanlegern, die sich eher zyklisch verhalten", erklärt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance und Management. Privatanleger tendieren dazu, sich zyklisch zum Markt zu verhalten. Sie investieren dann in Aktien, wenn der Markt boomt, die Wirtschaft vor lauter Energie nur so strotzt und sich die Aktienkurse von ihrem Aufwärtstrend nicht abbringen lassen. Aber mal ehrlich, macht das Sinn? Die Mehrheit der Privatanleger investiert damit zu hohen Preisen. Insider dagegen machen es richtig, sie greifen zu, deutlich bevor die Kurse den Boden erreicht haben, und setzten dann auf niedrigerem Niveau nochmal nach.
Aktiendeals von Führungskräften oder deren Familienangehörigen (Ehefrauen, Kinder) gelten unter Börsianern als wichtiges Signal. Schließlich sollten die Topmanager am besten einschätzen können, wie die Zukunftsaussichten eines Unternehmens sind. Natürlich gilt dabei: nicht jeder Insider ist auch wirklich ein guter Ratgeber. Beispielsweise neigen manche Firmenbosse dazu, die Aussichten ihres Unternehmens chronisch zu überschätzen. Oder wenn zum Beispiel ein Vorstandschef sich endlich seinen Traum des Eigenheims erfüllen möchte und aus diesem Grund Aktien abstößt, liefert das keinerlei Hinweis auf den Zustand oder die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens. Das heißt, für Privatanleger sind Insidergeschäfte durchaus ein wichtiges Signal, jedoch sollte jeder, der sich an Insidern und deren Geschäften orientiert, Informationen einholen, unter welchen Umständen ein Kauf oder Verkauf getätigt wurde. Einige interessante "Fallbeispiele" dazu finden Sie im nachfolgenden Beitrag.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Ihre
Kathrin Dörfeld