Die 4. Generation der Österreichischen Schule
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 15. Juli 2010, 20:00 Uhr
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nachdem wir uns gestern mit den ersten drei Generation der Wiener Schule beschäftigt haben, möchte ich heute zunächst auf die 4. Generation und ihren prominentesten Vertreter Friedrich von Hayek eingehen.
4. Generation: Friedrich von Hayek, Preise und Produktion
Friedrich August von Hayek (1899 - 1992) baute die gestern bereits vorgestellte Konjunkturtheorie nach Ludwig von Mises weiter aus.
Für sein Hauptwerk "Preise und Produktion" (erschienen 1931) erhielt von Hayek 1974 den Nobelpreis. ( ;-) also erst nachdem keynesianische Theorien in der Stagflation versagt hatte; siehe dazu unten: von Hayek vs. Keynes)
Preise und Produktion
Grundüberlegung von Hayeks ist die traditionelle Gleichgewichtstheorie. Seiner These nach, entstehen Ungleichgewichtsprozesse wenn der von der Banken festgelegte Zins von der natürlichen Zinsrate abweicht.
Wenn der Geldzins aufgrund von "natürlichen Faktoren", durch freiwilliges Sparen und einer damit verbundenen rückläufigen Nachfrage nach Konsumgütern sinkt, dann ist dies ein natürlicher Prozess bei dem die Wirtschaft zu einem Gleichgewicht strebt.
Sinkt aber der Geldzins aufgrund von massiver Kreditexpansion unter die natürliche Zinsrate, steigen in der Folge die Preise und schließlich auch der Zins. Hiermit hat der Zyklus einen kritisch hohen Punkt erreicht auf den schließlich nur eine schmerzhafte Phase der Rezession folgen kann, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Eine andere Lösung - aber nur von kurzfristigem Effekt - wäre eine weitere Kreditexpansion. Langfristig ist allerdings die schmerzhafte Phase der Rezession unvermeidbar um das Ungleichgewicht zu beseitigen.
Von Hayek vs. Keynes
Von Hayek und der bereits vorgestellte Keynes kritisierten einander aufs Heftigste. Beide Lager vertraten höchst unterschiedliche Theorien. Am Ende gewann Keynes den "Theorienstreit" - mit der Veröffentlichung seiner General Theory übernahmen in kurzer Zeit fast alle damaligen Ökonomen die Keynes-Theorien und wandten sich zum Teil regelrecht von Hayek ab.
Während Keynes dafür eintrat, dass die Wirtschaft durch die Politik mit Hilfe von fiskalpolitischen Maßnahmen gesteuert werden sollte, vertrat von Hayek die Ansicht, dass der Staat sich nicht in die Wirtschaft einmischen dürfe.
Während Keynes ein Deficit Spending zumindest einmal billigend in Kauf nahm, verteidigte von Hayek vehement die Tugend des Sparens und ging davon aus, dass diese Tugend vor allem für die Staaten gelte solle.
Während Keynes positive Effekte in einer Inflation sieht, sieht von Hayek den Ausweg aus Krisen in der ungehinderten Entfaltung der Marktkräfte, was schließlich zu einem Rückgang der Preise und Löhne führen müsse.
Die Neo-Austrians und Austrian Economics
Auch in den USA etablierte sich die Österreichische Schule, in den Anfängen eigentlich schon sehr früh mit Benjamin Anderson (The Value of Money 1917).
Neo-Austrian-Ideen, die auf Hayek zurückgehen, finden sich auch heute noch.
Eingehen möchte ich aber vor allem noch auf die radikalen Libertaristen, oder Anarchokapitalisten mit Murray Rothbard.
Murray Rothbard (1926-1995)
Murray Rothbard war ein Schüler von Mises, der dessen Theorien aber zu einem radikalen, kapitalistischen Libertarismus, dem so genannten Anarchokapitalismus weiterentwickelte.
Anarchokapitalisten treten für einen völlig freien Markt (im Grunde schon fast für eine völlig freie Gesellschaft - meine Interpretation) ein unter völligem Verzicht auf staatliche Institutionen und Eingriffe. Selbstbestimmung, freier Handel und Gebrauch des Privateigentums sind oberstes Prinzip - so lange die Selbstbestimmungsrechte des Anderen nicht verletzt werden.
Kling gut, was?! Sie lehnen allerdings das Gewaltmonopol des Staates vollkommen ab (und betrachten übrigens Steuern als Diebstahl - gefällt mir auch ;-) ), was somit durchaus im deutlichen Gegensatz zu den alten Österreichern von Menger bis Hayek steht. Denn obwohl die Österreicher sich entschieden gegen den Marxismus ausgesprochen hatten, legten sie großen Wert auf eine Wertfreiheit.
Ich sage es einmal so: die Österreicher erstrebten wohl eine Verbesserung des Systems aber keine Abschaffung und wollten sich in diesem Sinne auch nicht politisch verstanden sehen. Anarchie lehnten sie strikt ab, denn - und dieser Überlegung muss ich unumwunden Recht geben, obwohl es schade ist ;-) - ein Markt kann nur innerhalb einer staatlichen (oder auch multi-staatlichen) Ordnung bestehen.
Obwohl von Hayek sich dennoch wundert:" dass die Menschen den Regierungen so lange Zeit eine Macht anvertraut haben, die sie über 2000 Jahre hinweg in der Regel dazu gebrauchten, sie [die Untertanen] auszunutzen und zu betrügen." Und meint mit dieser Macht das Geld!!!
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