Devisenereserven im Wert von 4,8 Billionen Dollar
Bill Bonner in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 14. Juli 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
In den Schatzkammern von Zentralbanken überall auf der Welt liegen ausländische Devisenereserven im Wert von 4,8 Billionen Dollar - als die Früchte des Verkaufs von Öl und von Gerätschaften, überwiegend an die amerikanischen Verbraucher. Und wie bei Orangen und bei Papayas... haben diese Dollars auch nur eine begrenzte Verweildauer in den Regalen.
Ich bin nicht eingeladen worden, in diese Schatzkammern zu blicken, aber ich habe keinen Zweifel über das was, ich dort finden werde: gewaltige Stapel grüner Scheine, auf denen die Gesichter toter amerikanischer Präsidenten abgebildet sind. Die Amerikaner sind in den vergangenen 20 Jahren die größten Geldausgeber der Welt gewesen. Natürlich ist es ihr Geld, das einen Großteil der ausländischen Devisenereserven ausmacht. Es ist auch ihr Geld, das heute das größte Problem darstellt - nicht nur für die Leute, die es ins Ausland verfrachtet haben, sondern auch für die, die es in ihren Schatzkammern haben.
Einer groben Berechnung zufolge, werden diese Reserven noch vor Ende dieses Kalenderjahrs den Betrag von 5 Billionen Dollar überschritten haben. Und dann sprechen wir von richtigen Geld. Aber das ist das Problem, dass wir hier überhaupt nicht von richtigem Geld sprechen, nicht wahr?
Ich hätte sagen sollen: Fünf Billionen sind eine ganze Menge Geld, zu schade nur, dass es nicht echt ist. Wir sprechen hier vom Dollar, und das ist, wie sie sich vielleicht erinnern werden, eine Währung, die allein auf Vertrauen basiert. Die gleichen Dollar, die ungefähr 97% ihres Wertes in den vergangenen 100 Jahren verloren haben... und die, den Statistikern, die vom Staat bezahlt werden zufolge... heute im Jahr ungefähr 4% ihres Wertes verlieren.
Nähmen wir die Zahlenpfuscher der Regierung beim Wort, und gingen wir davon aus, dass die gesamten fünf Billionen Dollar in 91-tägige amerikanische Schatzanleihen investiert wären, die aktuell Erträge von 1,63% einbrichen, dann würden die Besitzer dieser ganzen Masse im Jahr ungefähr 120 Milliarden Dollar verlieren. Das heißt mit anderen Worten, dass diese Frucht anfängt, etwas überreif zu riechen.
Aber es könnte auch noch viel schlimmer kommen. Wenn der Euro, Gold, Öl und Rohstoffe scharf ansteigen, dann werden sich die ausländischen Dollarbesizter wie Idioten fühlen. Einige wenige werden vielleicht den Dollar aufgeben und ihn in großen Mengen auf die Weltmärkte schleudern. Das könnte zu einem plötzlichen Wertabfall des Dollars führen... und andere Besitzer dazu, sich eilends Richtung Ausgang zu begeben. Der Einbruch des Dollars würde das gesamte Geldsystem der Zeit nach 1971 zu Boden bringen... und noch größere Probleme für die Welt bedeuten.
Schon jetzt juckt es vielen Besitzern von Dollars in den Fingern. Viele versuchen Wege zu finden, diese Last etwas zu erleichtern. Einige traden Dollar gegen Lebensmittel.
("Länder, die horten, treiben die Lebensmittelkosten noch weiter in die Höhe", schreibt die New York Times.)
Einige wenige haben dabei geholfen, die Banken wieder zu kapitalisieren. Und Abu Dhabi hat gerade 900 Millionen Dollar für das Empire State Building eingetauscht. Also sind nur noch 4,7 Billionen Dollar übrig, die an den Mann gebracht werden müssen.
Im Vergleich dazu ist der weltweite Bestand an Gold - über der Erdoberfläche - nur ungefähr 4,2 Billionen Dollar wert.