Devisen

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Die Zusammensetzung des Open Interest bei Devisen

Aus der Zusammensetzung des Open Interest, der Summe aller laufenden Positionen, lassen sich interessante Rückschlüsse am Devisenmarkt ziehen.


Ist die Mehrheit der Marktteilnehmer bullish oder bearish? Setzen die langfristig orientierten Anleger auf steigende oder fallende Kurse? Solche Fragen lassen sich mit dem Open Interest beantworten. Das gilt auch für den Devisenmarkt.

 

Vollständige Handelsstatistiken kann es bei Devisen nicht geben

Der Devisenmarkt läuft vollständig „Over the counter" ab, also außerhalb regulierter Börsen. Das macht es unmöglich, vollständige Handelsstatistiken z.B. zum Open Interest zu erstellen, wie es beim Börsenhandel möglich ist.  Doch der Broker Oanda, der nach eigener Aussage 20% des weltweiten Online Spot-Devisenmarktes bedient, stellt einzelne Statistiken zur Verfügung. Dabei handelt es sich natürlich nur um einen Teil des Devisenmarktes. Bei Oanda handeln hauptsächlich kurzfristig orientierte Trader.

Dennoch lassen sich aus den Daten vorsichtig Rückschlüsse auf die mögliche Kursentwicklung von Währungen schließen. Denn auch wenn der einzelne Trader keine Marktmacht entfalten kann - die Oanda-Kundschaft als Gesamtheit könnte es. 20% des Spotmarktes sind eine ernstzunehmende Größe.

 

So bilden sich Devisenkurse

Um Prognosen anhand des Open Interest zu erstellen, sind Kenntnisse über den Preisbildungsmechanismus nötig. Für den aktuellen Preis einer Währung sind die Bestandspositionen völlig irrelevant. Der aktuelle Preis wird stets gebildet von der jüngsten abgeschlossenen Transaktion. Und dieser Preis wiederum bildet sich durch Angebot und Nachfrage.

 

89% haben Long-Positionen? Welcher Trader soll dann noch kaufen?

Herrscht ein großes Angebot und niedrige Nachfrage, können die Käufer niedrigere Preise durchsetzen. Deshalb deuten Übergewichte bei Long-Positionen wie z.B. im Silber nicht zwingend auf steigende Preise hin, sondern eher auf fallende.

Denn wenn 89% aller von Tradern gehaltenen Positionen Long-Positionen darstellen, ist von dieser Marktteilnehmergruppe keine nennenswerte Kaufnachfrage mehr zu erwarten. Wer kaufen wollte, hat bereits gekauft. Daher ist kaum noch mit neuer Käufer-Nachfrage zu rechnen - die wäre jedoch für weiter steigende Marktpreise nötig.

Die Oanda-Kundschaft ist sich bei einzelnen Währungspaaren sehr sicher. So setzen 90% auf einen steigenden EUR/CHF, 89% auf steigendes Silber, 84% auf steigendes Gold und immerhin noch 78% auf einen steigenden AUD/JPY; 64% auf fallenden USD/CAD.

 

long

 

Differenzierte Interpretationen sind nötig

Nun sollte man sich davor hüten, genau das Gegenteil dessen zu erwarten, auf das die Masse der Trader spekuliert. So haben die Trader beim EUR/CHF z.B. die mächtige Schweizer Zentralbank und Regierung auf ihrer Seite, die ebenfalls einen steigenden EUR/CHF anstreben. Stark einseitige Positionierungen bei den Tradern lassen jedoch keine plötzlich steigende Nachfrage DIESER Marktteilnehmergruppe erwarten. Das Potential für Kurssprünge ist bei „ausgeglichenen" Währungen wie EUR/USD größer, wo die Trader 50:50 auf steigende wie fallende Kurse setzen.

 

Die Oanda-Kunden handeln logisch inkonsistent

In den Positionen offenbaren sich auch logische Inkonsistenzen. Bekannt ist, dass der Kurs des EUR/CHF von der Zentralbank bei mindestens 1,20 gehalten wird. Derzeit ist also allenfalls eine Aufwertung des Euros möglich. Und darauf setzen auch 90% der Oanda Kunden.

Beim EUR/USD setzen die Kunden von Oanda auf einen gleich bleibenden Kurs.

Wenn 90% auf einen steigenden Euro zum Franken setzen und alle auf einen gleich bleibenden Kurs vom EUR/USD, dann sollten auch 90% auf einen steigenden USD/CHF setzen. Denn die Wechselkursmechanik lässt gar nichts anderes als einen steigenden USD/CHF zu, wenn EUR/USD seinen Kurs nicht ändert, EUR/CHF aber steigt. Tatsächlich gehen die Oanda-Kunden jedoch von gleich bleibenden USD/CHF-Kursen aus.

Die Mechanik ist einfach. Derzeit liegen die Kurse von EUR/CHF, EUR/USD und USD/CHF bei 1,20; 1,2570 und 0,955. Der Kurs des USD/CHF ergibt sich direkt aus den beiden anderen Kursen, nämlich indem man den EUR/CHF- durch den EUR/USD-Kurs teilt.

Steigt der Kurs von EUR/CHF auf 1,30 bei von den Kunden angenommenem gleich bleibenden EUR/USD, dann kostet ein Euro 1,30 Franken oder 1,2570 US-Dollar. Der USD/CHF-Kurs beträgt somit in diesem Szenario 1,0340 und nicht mehr 0,955 (1,30/1,2570 = 1,034). Doch auf diese logische Folge spekulieren will keine Mehrheit.

 

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von
Thomas Kallwass
Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert und langfristig erfolgreicher als der Gesamtmarkt.


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