Devisen-Trading: Was ist eigentlich mit iranischen Rial/Parsi?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 11. Januar 2012, 12:00 Uhr
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Trader´s Daily-Leser Amin Z. schrieb mir:
"Ich muss unbedingt wissen, wie ich iranische Währung handeln könnte! Currency Trading auf iranische Währung! Der dort gerade eine 100%ge Minipulation zu erkennen ist!! Die Währung wurde manipuliert. Herr Vaupel kann das am Chart sofort auch bestätigen! Ich weiß nur nicht, wo ich dort Kontrakte auf die Währung kaufen kann. Ich mag irgendwie auf steigende Kurse Spekulieren (Devisen Handel), aber habe keine Ahnung wie das geht (leider). Ich denke Herr Vaupel weiß bestimmt, wie man mit steigenden Kursen Gewinn machen kann."
Meine Antwort:
Interessant, was die Trader´s Daily-Gemeinde so alles im Blick hat!
Der Iran steht seit spätestens 2008 auf meiner "Watchlist". Damals hatte ich Berichte über eine geplante iranische Erdölbörse gelesen, an der in Euro gehandelt werden sollte. Ein Schlag gegen den Dollar? Das fand ich damals höchst interessant, und so vermeldete ich 2008 im Trader´s Daily:
"Als ich das las, dachte ich mir (sinngemäß): ´Mensch Vaupel, alte Hupe, jetzt, wo Du keine sozialen Bindungen mehr hast und körperlich noch nicht völlig verfallen bist - schaust Du Dir das mal vor Ort an!´ Gedacht, getan. An einem frühherbstlichen Morgen flog ich nach Teheran ...und von dort aus - mit 6 Stunden Verspätung - weiter auf eine iranische Insel im Persischen Golf - dem Sitz der neuen Erdölbörse."
So schrieb ich damals, und ich gewann vor Ort Erkenntnisse. Nämlich diese: Die iranische Erdölbörse hat derzeit nur die Chance auf eine kleine Regionalbörse. Ein großer Schlag gegen den Dollar wird es wohl nicht werden, zumindest 2012.
Was blieb, war mein Interesse am Iran und natürlich an Zarathustra, dem großen persischen Propheten. Mal sehen, ob ich es innerhalb der nächsten beiden Jahre wieder in dieses Land schaffe.
Da dies hier aber ein Wirtschafts-Newsletter ist, nun zur iranischen Währung. Dem Rial. Habe einen entsprechenden Geldschein gerade vor mir liegen. Diese Währung litt durchaus an der Höhe der iranischen Inflation. Die Regierung bzw. Zentralbank tat dann das, was in solchen Situationen gerne mal gemacht wird:
Einige Nullen streichen. Und dann der Währung einen Namen geben.
So auch hier geschehen, im Juli 2011. Vier Nullen wurden gestrichen, die neue Währung "Parsi" genannt.
Beim Rial ist es seit 1979 so:
Der Wechselkurs wurde mal relativ flexibel vom Markt, mal staatlich bestimmt. Es gab diverse Perioden...der Devisenkontrolle, des relativen Freihandels. Grundsätzlich ist die Wechselkurspolitik im Iran eher eine staatliche Sache, da die politische Führung diverse Instrumente zur Hand hat und die iranische Zentralbank strikt weisungsgebunden ist. Sprich: Die politische Führung kann der Zentralbank sagen, was sie zu tun oder nicht zu tun hat. In Europa hingegen ist die EZB zumindest offiziell strikt unabhängig.
Der Rial verlor spätestens seit 1979 im Vergleich mit internationalen Devisen eigentlich meistens an Kaufkraft - aus politischen Gründen hingegen wurde er künstlich hoch gehalten.
Insofern kann man durchaus davon ausgehen, dass der Rial überbewertet ist. Wenn der Kurs völlig frei bestimmt werden könnte, würde er meiner Einschätzung nach niedriger sein. (Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen vor Ort: Es ist keineswegs "günstig", im Iran zu leben...auch als ich meine Euro in Rial tauschte, spürte ich keinen Kaufkraftgewinn, Preisniveau relativ vergleichbar.)
Sprich: Beim Rial ist die Preisbildung durch staatliche Interventionen stark beeinflusst. Das macht ein Spekulieren mit der Währung in der Tat "unberechenbar". Und unabhängig davon kenne ich auch überhaupt keine Möglichkeit, via Kontrakten oder Zertifikaten auf oder gegen die iranische Währung zu setzen. Deshalb meine Einschätzung: Die iranische Währung ist kein Spekulations- oder Investitionsobjekt für Privatanleger.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily