Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Global Anlegen
vom
Auch heute möchte ich mich noch einmal einigen Aspekten der Diskussion „Pro oder Contra Zone" der letzten Woche widmen. Und zwar vor allem dem Aspekt Exportnation Deutschland.
Hierzu möchte ich gerne folgenden Satz von Leser R.M. aufgreifen: "Und wo ist die Logik, dass ich anderen Ländern Geld geben muss, damit sie mir mit meinem Geld etwas abkaufen können."
Sehr geehrter Herr M, liebe Leser, es mag uns furchtbar unlogisch erscheinen, aber genau das ist im Grunde die Realität. Ein sehr prägnantes Beispiel für diese Verflechtung ist die Beziehung zwischen China und den USA. China hat über Jahre hinweg den Amerikanern massenweise Schulden, also Anleihen abgekauft, während im Gegenzug die Amis chinesische Waren importiert haben. Dies ist natürlich jetzt nur sehr grob ausgedrückt, denn natürlich haben beispielsweise die Japaner den Amis noch mehr Schulden abgekauft - und oh Wunder, Japan ist eine sehr große Exportnation. Aber natürlich werden in dieser Beziehung immer sehr gerne die Chinesen genannt, weil man denen immer so gut die Schuld an irgendwas geben kann, weil sie meist zu höflich sind, um sich direkt zu wehren.
Der springende Punkt aber ist: wenn man eine Exportnation ist, dann heißt das, dass man eben auch auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung der Exportmärkte abhängig ist. Soll heißen, so lange es den Exportmärkten gut geht, so lange dort die Nachfrage und der Verbrauch steigen oder wie im Falle der Amis, eben der Konsum steigt, so lange geht es auch der Exportnation gut. Und weil die Exportnation mit dem Kapital das sie generiert, ja auch was anfangen muss, bietet es sich meistens eben auch an, in die Exportmärkte zu investieren - in der Regel, weil es dem Exportmark ja auch gut geht, manchmal aber auch, damit der Exportmark nicht sofort und gleich in sich zusammen fällt.
Dies mal allgemein gesprochen...
Kommen wir zu Deutschland und seiner leider übermäßigen Exportabhängigkeit
Wussten Sie, dass der Anteil der Exporte am deutschen BIP bei über 50% liegt? Und damit höher als in China, dem amtierenden Exportweltmeister. Ja, tatsächlich ist China, mit einem Anteil der Exporte von etwa 30% am BIP weitaus weniger vom Export abhängig als wir.
Seltsamerweise werfen nach wie vor sehr viele Menschen allerdings immer China eine massive Exportabhängigkeit vor. Vermutlich sind es die selben Menschen, die jetzt auch große Angst vor einer massiven Abkühlung der chinesischen Wirtschaft haben. Begründung für die Angst: China sei ja so massiv vom Export abhängig, dass ein Euro- oder Ami-Husten sofort die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Knie zwingen könnte. Na ja, nicht immer sind alle Menschen auf dem aktuellsten Stand...
Verstehen Sie mich nicht falsch, wenn es zu einer weltweiten Rezession kommt, weil Euroland auseinanderbricht und die kurze Ami-Erholung sich komplett ins Gegenteil verkehrt, dann wird auch China nicht boomen. Aber China und andere Emerging Markets werden sich sicher wesentlich schneller wieder erholen - auch, weil ihre Abhängigkeit von uns, eben längst nicht mehr so groß ist, wie es so manch ein Bewohner der 1.Welt glaubt.
Also, warum verschiffen wir unsere Exporte dann nicht einfach nach China?
Na ja, das tun wir schon, wo wir können. Deutschlands Exporte nach China haben sich seit 2009 verdoppelt, unsere Exporte nach Brasilien sind im gleichen Zeitraum sogar um mehr als 100% gestiegen.
ABER...bislang ersetzen die Emerging Markets noch lange nicht unseren größten Exportmarkt: Europa!
Nach Europa (hier sind auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz dabei) verschipperten wir im vergangenen Jahr über 70% unserer gesamten Exporte. In die Länder der Eurozone flossen über 38% unserer gesamten Exporte. Unser größter Abnehmer ist übrigens Frankreich, gefolgt von den Niederlanden und Italien.
Also, wenn Europa einbricht (und man muss es schon so sagen, wenn die Eurozone unkontrolliert auseinander bricht, dann wirkt sich das auch negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung anderer europäischer Länder aus...denn diese sind ja über ihren eigenen Außenhandel auch wieder mit uns verbunden), dann können wir diesen Einbruch nicht einfach und auf die Schnelle komplett durch die Emerging Markets als neue Lieblings-Export-Destination auffangen.
Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: wir sind nicht auf allen Gebieten wettbewerbsfähig genug!
Soll heißen, auch der Chinese und der Brasilianer fahren zwar gerne Porsche, Daimler oder BMW (das ist unser einziger echter Exportvorteil: Güter von besonders hoher Qualität...), aber ihre neuen Solaranlagen lassen sich die Chinesen nicht von uns, sondern von ihren eigenen Unternehmen bauen (denn die sind längst Weltmarktführer, produzieren in hoher Qualität und zu besseren Preisen...und kaufen deshalb mittlerweile die Pleite-Solarfirmen in Europa auf). Nur ein Beispiel...
Sie verstehen: im Wettbewerb mit den anderen Euro-Ländern, sind wir aufgrund der Entwicklung, welche Euro-Länder von Griechenland bis Frankreich aufgrund des Euro in den letzten Jahren durchlaufen haben, heute der Sieger. Aber im Wettbewerb mit der echten Welt da draußen könnte es schwieriger werden - nicht für alle Industriezweige natürlich (wir sind ganz klar in so einigen Bereichen mit Produkten von hoher Qualität ausgezeichnet), aber eben doch für so einige...
So long liebe Leser.... deshalb habe ich im Laufe der Diskussion so oft den Exportmarkt angesprochen und die negativen Auswirkungen eines unkontrollierten Zusammenbruchs auf Exportmarkt, Arbeitsmarkt und Konjunkturentwicklung...unterschätzen Sie diesen Faktor bitte nicht...und nun verabschiede ich mich, um mal zu schauen, was das Polen-Russland-Spiel so macht...liebe Grüße und bis morgen....
Ihre Miriam Kraus
Eine Chance wie diese haben wir seit 2003 nicht mehr gesehen
Schauen Sie sich umgehend eine ganz bestimmte Aktie näher an, mit der Sie auf einen Schlag in ein ganzes Wirtschaftswunder investieren ...
An dieser Stelle schon einmal 3 Investitionsgründe:
- Investitionsgrund 1: Dieses Wirtschaftswunder mit jährlichen Wachstumsraten um die 6% findet weit entfernt vom Chaos in Europa statt ...
- Investitionsgrund 2: Gerade beginnt dort die Blütezeit, auf die das Land seit Jahren sorgfältig hingearbeitet hat, ein Modernisierungsboom, wie er in der Geschichte jeden Landes nur einmal vorkommt (in Deutschland lag dieser Boom in den 50er/60er Jahren) ...
- Investitionsgrund 3: Eventuell wird die Schubkraft innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate so groß, wie man es zuletzt in Brasilien erleben konnte ...
- Kommentar von Eurogegner
Sehr geehrte Frau Kraus, gerne lese ich Ihre meist geistreichen Finanzkommentare. Zu diesem hier möchte ich mir jedoch eine Anmerkung erlauben. Sie schreiben, dass die Chinesen und Japaner den US-Amerikanern ihre Anleihen abkaufen, damit diese den Asiaten ihre Waren abkaufen, wodurch sie also ihren Export finanzieren. Wenn ich Sie richtig verstehe, meinen Sie die deutschen Transferzahlungen dienten dem gleichen Zweck. Soweit stimme ich Ihnen zu. Allerdings benennen Sie nicht den entscheidenen Unterschied. Während die Asiaten mit der Rückzahlung inklusive Zinszahlungen der Us-Anleihen rechnen können, ist das deutsche Geld, welches in die EU fließt für immer verloren. Und das ist es auch, was der von Ihnen zitierte Leser meint: ein Geschäftsmodell bei dem man dem Kunden das Geld schenkt, damit er einem die Waren abkauft kann nicht funktionieren! Mit freundlichen Grüßen Eurogegner
Antworten- Kommentar von Observer
Guten Tag, Frau Krause! Einerseits ist es ja teilweise erfrischend, Sie zu lesen, andererseits hab ich beim Genuss der Blogs der letzten Tage und den Kommentaren dazu unweigerlich an den Verzehr von Antidepressiva denken müssen. Darf man hier auch noch Hoffnung haben, ohne zerfetzt zu werden? Mal ausgehend davon, dass wirklich kein rosiges Szenario ist, in dem wir derzeit stecken. Aber was ist Schlimmer, die Ursache oder die Panik die daraus resultiert? Schon klar, wenn man Ihre Zahlen liesst, die Milliarden die da vorkommen, das kann man sich doch als Otto-Normal garnicht mal vorstellen. Aber immerhin reden wir doch nicht wirklich von Geld, sondern von Vertrauen. Wäre das Vertrauen da, könnten sich Spanien und Italien weiter finanzieren. Vielleicht kommt bei vielen erst jetzt an, dass wir Zeit unseres Lebens auf Pump leben und gelebt haben. An der ganzen Situatuation auch unsere Schuld haben, eine Kollektivschuld! Ein Wort mit denen die Deutschen sicher etwas anfängen können. Und wo wäre die DM ohne Euro heute??? Wäre Deutschland da auch Exportweltmeister???
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