Deutschland eine Bananenrepublik
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Juli 2008, 16:00 Uhr
Korruption, ist für viele von uns ein Begriff den wir hauptsächlich mit Staaten in südlichen oder östlichen Ländern in Verbindung bringen. Oftmals auch durch eigene Urlaubserfahrungen. Gerade der Begriff "Bananenrepublik" wurde hier auch zu einem Synonym für korrupte Länder. Allerdings, nicht erst seit den CDU-Schwarzgeldkonten, dem Siemens Schmiergeldskandal oder der VW-Affäre wissen wir, dass auch in Deutschland Korruption und Vorteilsnahme ein gravierendes Problem sind. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie.
Was genau ist eigentlich Korruption?
Korruption ist der Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil. In den 90er Jahren standen verschiedene Formen und Ausprägungen der Korruption im öffentlichen Bereich im Vordergrund, beispielsweise Bestechung und Bestechlichkeit in der öffentlichen Verwaltung, bei der Vorbereitung von Gesetzen und Regulierungen oder beim Einfluss auf politische Entscheidungen.
Korruption gibt es aber natürlich auch im privaten Sektor. Beispielsweise Korruption zwischen Firmen ("privat- zu-privat") und Geldwäsche. Im öffentlichen wie im privaten Sektor sollte man beim Begriff Korruption ebenso die gebende wie auch die nehmende Hand einbeziehen.
Jedes zweite Deutsche Unternehmen ist betroffen
Korruption, Unterschlagung und andere Formen der Wirtschaftskriminalität schädigen deutschlandweit fast jedes zweite Unternehmen. Allerdings ist das Kriminalitätsrisiko in den Bundesländern und Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt, wie aus einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor geht. So wurden in Hessen rund 60 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität, in der Region Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) hingegen nur 35 Prozent.
Warum bestehen regionale Unterschiede?
Die bestehenden Unterschiede sind in erster Linie durch die spezifische Unternehmens- und Wirtschaftsstruktur der Länder zu erklären. Beispielsweise taucht das Delikt Geldwäsche überdurchschnittlich häufig im von der Finanzdienstleistungsbranche geprägten Bundesland Hessen auf, während die Korruption im Chinageschäft im exportorientierten Baden-Württemberg ein größeres Problem als in anderen Regionen ist.
Mitarbeiter und Geschäftspartner als Hauptinformanten
Bei der Kriminalitätsprävention zeigen laut der PWC-Studie alle Bundesländer und Regionen erhebliche Defizite. So kommen die weitaus meisten Straftaten durch Hinweise von Mitarbeitern oder Geschäftspartnern ans Licht. Die Quote der auf diese Weise zufällig aufgedeckten Delikte ist in Bayern mit 65 Prozent am niedrigsten, in Hessen mit fast 80 Prozent am höchsten.
Korruption droht überall
Der Durchschnittsschaden je Unternehmen ist in Nordrhein-Westfalen mit 2,43 Millionen Euro am höchsten. Ein Grund dürfte sein, dass die Betriebe hier mit durchschnittlich 2.306 Mitarbeitern deutlich größer sind als im Bundesdurchschnitt (1.972 Beschäftigte) und damit eine größere Angriffsfläche bieten. In Bayern beläuft sich der Schaden je Unternehmen auf 1,9 Millionen Euro, in Hessen auf knapp 1,3 Millionen Euro.
Drei bis vier von zehn befragten Unternehmen halten Korruption für ein wesentliches Geschäftsrisiko. Bemerkenswert ist, dass die Befragten das Korruptionsrisiko in Westeuropa und Deutschland für kaum geringer halten als in Zentral- und Osteuropa oder China. Beispielsweise sehen 25 Prozent der Unternehmen aus Baden-Württemberg ein Korruptionsrisiko im Inland - die Risiko-Einschätzungen für China (27 Prozent) und Osteuropa (28 Prozent) sind kaum ausgeprägter.
Wegen Korruption ein Geschäft verloren haben zwischen 10 Prozent (Berlin/Brandenburg) und 25 Prozent (Baden-Württemberg) der Unternehmen. In China werden Befragte aus Baden-Württemberg überdurchschnittlich häufig Opfer von Bestechung - 71 Prozent haben dort schon einmal einen Auftrag nicht bekommen, weil sie kein Schmiergeld gezahlt haben.
Deutsche Unternehmen tun derzeit zu wenig um Korruption zu verhindern
Auch wenn die meisten befragten Unternehmen Korruption für ein wichtiges bzw. sehr wichtiges Problem halten, bleibt die Diagnose häufig ohne Konsequenzen. So berücksichtigen diesen Aspekt nur gut 20 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bei der Entscheidung über Investitionen in Schwellenländern, in Hessen tun dies immerhin 67 Prozent und in der Region Norddeutschland 75 Prozent der Unternehmen.
Anti-Korruptionsprogramme gibt es nur bei einer Minderheit der befragten Unternehmen. Die Spanne reicht von neun Prozent der Unternehmen in Mitteldeutschland bis 28 Prozent in Berlin/Brandenburg.
Wie groß ist der Schaden durch Korruption in Deutschland?
Eine genaue Zahl zu benennen ist hier sehr schwierig. Es ist bereits unklar, was genau den durch Korruption verursachten Schaden ausmacht. Verteuerung durch Korruptionszahlungen, Schäden durch Qualitätsverlust, Vertrauensverlust usw. Wo Schätzungen versucht werden, ist deren Wert zudem ganz davon abhängig, wie hoch die Dunkelziffer bei Korruptionsdelikten eingeschätzt wird. Oft wird sie mit 95% beziffert, wobei unklar bleibt, auf welcher Basis diese Zahl entstanden ist. Möglicherweise haben die erheblichen Anstrengungen zur Korruptionsprävention in Deutschland, vor allem im öffentlichen Bereich, zur gleichen Zeit die Wahrnehmung von Korruption durch die Bevölkerung gesteigert und die Dunkelziffer reduziert. Das Bundeskriminalamt beziffert im "Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität" den Schaden durch Wirtschaftskriminalität im Jahre 2006 beispielsweise auf 4,3 Milliarden Euro.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Kategorie "Wirtschaftskriminalität" ein breiteres Spektrum an Straftaten umfasst als der Begriff der Korruption.
Ihr
Markus Miller